Ein Wochenende zu Hause

Wieder ein wundervolles Wochenende in Hamburg: Hafengeburtstag, Ferienbeginn, Sperrung der A7 und so viele Demos an Freitag und Samstag, dass die HVV-App sie nicht mal einzeln ankündigt, sondern in Meldungen à la „Von 6 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts diverse Demonstrationen im Bereich der Innenstadt. Freuen Sie sich auf erhebliche Behinderungen, Verspätungen, Haltestellenaufhebungen und Linienverkürzungen. Weichen Sie, wenn möglich, auf das Schnellbahnnetz aus.“

Noch besser: Bleiben Sie zu Hause oder da, wo Sie eben gerade sind.

Okay. Challenge accepted. Zum Glück bin ich zu Hause und nicht an einem meiner Arbeitsplätze oder in einem gestrandeten Bus irgendwo dazwischen. Da ich an den letzten beiden Wochenenden gearbeitet habe, finde ich es auch sehr in Ordnung, die Wohnung nicht zu verlassen.

Noch schöner wäre es natürlich, wenn der große freundliche Mann und der kleine freundliche Hund auch da wären. Aber wegen der ganzen Verkehrsbehinderungen und der Millionen Tourist*innen sind die an diesem Wochenende in Bremen geblieben, leider. Immerhin waren sie dort auf der „PRÜF“-Demo und sind wegen ihres hübschen Schildes „Halbdackel gegen Rechts“ mehrfach fotografiert worden.

Frittenkerl Frickelfritz und Frl. Leonie Mau bewundern den kleinen freundlichen Hund wegen seiner politischen Aktivitäten sehr. Wobei Leo wegen der vielen Menschen auf der Demo und der Unsicherheit bezüglich der Heimreise mit dem Bus eher zurückhaltend mit ihrer Bereitschaft ist, für ihre Überzeugungen auf die Straße zu gehen. Fritte hingegen mag ja Action und Trubel, er hätte sicherlich viel Spaß gehabt und nebenbei noch ein bis zwei Snacks geklaut und ein paar Nazis ans Bein gepinkelt (ja, die Freundschaft mit dem Halbdackel färbt ab).

Ich hingegen habe den Samstagnachmittag zu Hause damit genutzt, meine Steuererklärung für 2025 zu machen. Das ist trotz der sehr hilfreichen Software, die ich dafür nutze, immer ein Riesenspaß, weil immer mindestens ein wichtiger Beleg sich nicht in meinem einigermaßen konsequent gebauten Stapel aus Rechnungen und Dokumenten befindet, sondern erst mühsam aufgespürt werden muss. Und natürlich bleiben meine Aufwendungen für Medikamente und Hilfsmittel sowie Zuzahlungen z. B. zur Lymphdrainage trotz der horrend teuren Abnehmspritze immer noch haarscharf unterhalb der zumutbaren Belastung, so dass ich sie nicht von der Steuer absetzen kann. Dabei finde ich 5 % meines Einkommens für dieses ganze Zeug ganz schön viel Geld. Grumpf.

Erfreulicherweise muss ich in der kommenden Woche nur drei Tage arbeiten und habe dann erstmal wieder Urlaub bis nach Pfingsten. Da hoffentlich alle anderen Hamburger die Ferien- und Brückentags-Konstellation nutzen, um zu verreisen, wird es dann vielleicht wieder etwas ruhiger in der Stadt. Eventuell trauen sich dann auch der große freundliche Mann und der kleine freundliche Hund wieder her. Das wäre doch schön.

Übrigens – Hamburger*innen aufgemerkt! – halte ich demnächst, genauer gesagt am 3. Juni um 18 Uhr, gemeinsam mit meiner Kollegin Barbara Bischof im Altonaer Hospiz einen Vortrag zum Thema Tiertrauer: „Nur ein Tier? Trauer um ein geliebtes Tier – ein gesellschaftliches Randthema?“ Da erzählen wir ein bisschen was über unsere Erfahrungen und Erkenntnisse. Außerdem hoffen wir natürlich auf einen lebhaften Austausch mit allen, die Zeit und Lust haben zu kommen. Der Eintritt ist frei, mehr Informationen gibt es hier hier.

Während ich das hier schreibe, spielt Youtube mir plötzlich Joni Mitchell vor – keine Einwände meinerseits! – und ich überlege mal wieder, welche Fassung von „Both sides now“ ich auf meine Beerdigungs-Playlist aufnehmen soll. Die mit der jungen Joni von 1969 oder die aus dem Jahr 2000 mit der gereiften Joni. Für beide Versionen gibt es so viele Argumente und es fällt mir echt schwer, mich da festlegen. Was würden Sie empfehlen? Und: Wissen Sie, was Sie auf Ihrer Beerdigung für Musik hören wollen?

 

3 Kommentare

  1. Ja, hab die Beerdigungsplaylist fertig:
    Dies Irae – Verdi Requiem
    Bedingungslos – Sarah Connor
    Das Beste – Silbermond
    You want it darker – Leonard Cohen
    In der Reihenfolge.

  2. Ja, vor 3 Jahren bei der Beerdigung meiner Mutter haben wir so lange gegrübelt, dass mein Bruder und ich sie für uns selbst schon festgelegt haben. Bei mir:
    The Streets Everything is borrowed
    The Kills Black Ballon
    The Smiths There is s light that never goes out

  3. Habt einen schönen Sonntag: Leonie Mau, Fritte Fritikowski und eure Menschin auch.

    Man beachte die Reihenfolge.

    Liebe Grüße

    Andrea

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