Ist das jetzt wirklich schon das letzte Wochenende im Mai? Fünf von zwölf Monaten rum? Und dabei fühlt es sich doch an, als hätte das Jahr 2026 gerade erst begonnen. Sehr eigenartig. Oder ist das wieder dieses lustige Phänomen, dass mit zunehmendem Lebensalter die Zeit, die einen so umgibt, immer schneller vergeht? Und zwar unabhängig davon, ob man sich gerade bestens amüsiert oder ein bisschen langweilt. Sehr eigenartig.
Nicht, dass ich mich gewohnheitsmäßig langweilen würde. Eigentlich noch nicht mal ungewohnheitsmäßig. Seit ich keine Opernvorstellungen mehr besuche (die überwiegend auch nicht langweilig, sondern gut bis sehr gut waren), habe ich einfach keine Gelegenheit mehr dazu. Bei der Arbeit nicht, auf dem Weg zur Arbeit nicht, in der Zeit, die ich mit dem großen freundlichen Mann verbringe, schon mal gar nicht. Und allein zu Hause? Bin ich ja nie. Es sind ja immer Frl. Leonie Mau und Frittram Fischundfritt da, mit denen man sich gar nicht langweilen kann. Außerdem habe ich Bücher und WLAN.

Manchmal denke ich, ein bisschen Langeweile könnte auch erholsam sein. Aber das ist natürlich nur so eine Vermutung. Vielleicht würde es sich auch gar nicht erholsam anfühlen, wenn die Weile plötzlich lang wäre, sondern stressig, weil ich mich unter Druck fühlen würde, die achso immer schneller vergehende Zeit besser zu nutzen.
Vielleicht sollte ich mir die Katzen zum Beispiel nehmen. Die leben schließlich komplett im Jetzt und Hier, in diesem Augenblick. Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft kommt so oder so. Also konzentrieren sie sich auf den gegenwärtigen Moment und tun das, was Katzen eben tun, und das mit voller Hingabe: Schlafen, Essen, Fellpflege, aufs Klo gehen, Rumtoben, die nächste Mahlzeit organisieren, Kuscheln, Mani- und Pediküre, aus dem Fenster gucken und auf den Teppich kotzen. Besser und überzeugender als jedes Achtsamkeitsseminar.
Menschen hingegen haben es schwer damit, beim Schlafen nicht schon wieder an die Arbeit zu denken, bei der Arbeit wiederum ans Essen und beim Essen möglicherweise an den nächsten Urlaub oder den Zahnarzttermin in der übernächsten Woche. Oder, wenn man so konditioniert ist wie ich, beim Essen schon wieder an die nächste Mahlzeit. Schon irgendwie bescheuert, oder?

Trotzdem: Einatmen, ausatmen. Hier und Jetzt. Das wären doch auch schöne Namen für Hunde und Katzen, finden Sie nicht? „Hier, komm jetzt sofort hierher! Jetzt, du auch! Hierher! Ja, jetzt!“
Die Ernährungsberaterin hat gesagt, ich soll nicht nur zwei Mahlzeiten am Tag zu mir nehmen, sondern mindestens noch eine Zwischenmahlzeit einplanen. Zwischenmahlzeit. Wenn ich das schon höre. Auch die Liste der proteinreichen Snacks, die sich bestens als eine solche eignen, finde ich bis auf wenige Ausnahmen problematisch. Über einen sommerlichen Eis-Ersatz aus mit Quark oder Skyr püriertem Tiefkühlbeerenobst können wir reden. Aber der Rest… Außerdem hasse ich es, Essen mit mir herumzutragen. Aus Plastikcontainern zu essen. Plastikcontainer abzuwaschen. Morgens Essen zuzubereiten, um es in einem Plastikcontainer mit mir herumtragen und später am Schreibtisch zu essen. Nicht zu vergessen: Den leeren, aber ungewaschenen Plastikcontainer wieder mit nach Hause zu nehmen. Örks. Die Ernährungsberaterin sagt, Edelstahlcontainer seien weniger eklig und gar nicht so schwer, wie man denkt. Ich bin aber noch nicht dazu gekommen, mir einen anzuschaffen. Was ganz klar weniger mit Zeitmangel zu tun hat als mit meiner generellen Unlust auf Zwischenmahlzeiten. Könnte wetten, die Ernährungsberaterin schimpft wieder mit mir, wenn ich ihr erzähle, dass ich die Zwischenmahlzeit, wenn ich überhaupt eine zu mir nehme, zu Hause und am späteren Abend esse. Ist halt zwischen Abendessen und Frühstück, das sollte doch gelten.

Auch beim Schreiben von Blogposts rast die Zeit wie verrückt. Während ich hier über Achtsamkeit sinniere, haben der große freundliche Mann und der kleine freundliche Hund eine große Runde durch den Park gedreht und dabei wahlweise einen Podcast gehört oder andere Hunde beschimpft. Auch immer ganz im Hier und Jetzt. Und nun setzen wir uns gleich alle zusammen aufs Sofa und diskutieren über die nächste Mahlzeit. Voller Leidenschaft und gleichzeitig natürlich auch achtsam. Sie kennen das. Hoffentlich.

Ich hatte hier letztens ein Katzenpärchen, die hießen Ben und Jerry.
So als Tip für eine Zwischenzeit..
Je nach Beschaffenheit der „Zwischenmahlzeit“ (ich mag das Wort nicht), Außentemperatur und Fahrtdauer muss ja noch ein Kühlkissen dazu und eine entsprechende Verpackung und dann wird’s noch schwerer und nimmt noch mehr Platz weg … nee nee nee ↔️
Stimmt, Katzen und Hunde machen es richtig : Fressen, schlafen, schmusen und spielen.
Die Zeit vergeht immer schneller. Da gebe ich dir Recht.
Herzliche Grüße an Leonie Mau und Fritte Fritikowski und den kleinen Hund und den freundlichen Mann.
Andrea