Dass ich seit einigen Wochen auf Diät bin, habe ich ja schon erwähnt. Noch nicht erzählt aber habe ich, dass ich mich dabei medikamentös unterstützen lasse. Genauer gesagt: Ich nutze seit nunmehr neun Wochen die berühmt-berüchtigte Abnehmspritze, noch genauer: das Medikament Wegovy.
Wegovy enthält den Wirkstoff Semaglutid, der die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1 nachahmt. GLP-1 spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Appetits und des Blutzuckerspiegels nach der Nahrungsaufnahme. Semaglutid ist seit etwa 2018 im Einsatz, wurde ursprünglich aber ausschließlich zur Behandlung von Diabetes Typ 2 eingesetzt (die ich zum Glück nicht habe). 2022 wurde der Wirkstoff dann auch zur Behandlung von Adipositas (BMI über 30) und Übergewicht mit mindestens einer gewichtsbedingten Erkrankung (BMI über 27 bis 30) zugelassen (was ich alles habe).
Mit dem Ende der Wechseljahre (die dann doch nicht ewig dauerten) hatte mein Körper ja offenbar für sich beschlossen, nie mehr Gewicht zu verlieren. Freiwillig nicht und unter Druck schon mal gar nicht. Im Gegenteil, er fand es eine tolle Idee, noch ein paar zusätzliche Fettpolster anzulegen – dabei hatte ich davon eigentlich schon genug. Selbst drastische Maßnahmen wie mehrmals wöchentlich Sport und Intervallfasten konnten daran nichts ändern.

Obwohl mein Gewicht mittlerweile kaum noch Einfluss auf mein Selbstwertgefühl hat – ich bleibe derselbe Mensch mit oder ohne Fettpolster – bekam ich in den letzten Jahren nach und nach gesundheitliche Probleme, die vielleicht nicht durch mein Übergewicht enstanden sind, aber mir in Wechselwirkung mit dem Gewicht zunehmend (harr!) Probleme machten: Lipödem, Lymphödem, Arthrose in den Knien und Platt-, Spreiz und Senkfüße zum Beispiel.
Ich konnte aber schlicht nicht mehr abnehmen. Alle Maßnahmen, die früher mal funktioniert hatten, blieben nun wirkungslos.
Von der Abnehmspritze, über die ja viel gesprochen und geschrieben wurde und wird, hatte ich natürlich gehört, aber niemals in Erwägung gezogen, sie einmal auszuprobieren. Mich schreckten vor allem drei Dinge ab, die im Zusammenhang mit der Spritze scheinbar unumgänglich waren und sind:
- Drohende Nebenwirkungen: Verdauungsprobleme, Übelkeit, Kopfschmerzen, Frieren, Erschöpfung, Haarausfall – das sind die häufigen bis sehr häufigen Nebenwirkungen. In seltenen Fällen auch noch Pankreatitis (aua!) oder heftige allergische Reaktionen.
- Die Empfehlung der Hersteller und anderer Fachleute, das Medikament auch nach der erfolgreichen Gewichtsreduktion weiter zu nehmen, um nicht wieder zuzunehmen (Jojo-Effekt). Am besten lebenslang.
- Der Preis! Wegovy ist zwar verschreibungspflichtig, aber die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen die Kosten nur bei der Behandlung von Diabetes Typ 2, nicht bei der Behandlung von Adipositas. Bei der Einlösung des Privatrezeptes in der Apotheke werden, so las ich, mehrere Hundert Euro für eine Vierwochenration fällig.
Drei gute Argumente, diese Spritze nicht einmal in Erwägung zu ziehen, fand ich. Zu der Zeit kannte ich auch niemanden, der das Ding benutzt hätte, oder zumindest niemanden, der darüber auch sprach.

Zum ersten Mal auf die Spritze angesprochen, also im Hinblick auf den Einsatz bei mir selbst, wurde ich letztes Jahr beim Orthopäden. Der sofort erklärte, kein Internist zu sein und deswegen kein wirklicher Experte auf dem Gebiet, aber in Anbetracht der Beschwerden, die ich mittlerweile beim Gehen und Stehen so habe, doch mal darauf hinweisen wollte, dass er es für richtig und dringend hielt, dass ich mein Gewicht reduziere. Ich habe ihm nicht widersprochen und in der Folge, durchaus zögerlich, begonnen, sehr viel gründlicher zu recherchieren und mir etwas mehr Wissen über dieses Thema anzueignen. Noch immer mit dem Hintergedanken: Damit ich dann aufgrund meiner gründlichen Recherche und vieler Fakten mit großer Überzeugung „Nein danke!“ sagen kann.
Die Wende brachte dann ein kurzes Gespräch mit meinem Hausarzt, der mir zu meiner Überraschung bestätigte, die Spritze schon des Öfteren verschrieben zu haben, und zwar Patient*innen, die den Wirkstoff gut vertrügen bzw. wenig oder keine Nebenwirkungen hätten. Das mit der verpflichtenden lebenslangen Anwendung sei Unsinn, sagte er: Wer mit der Unterstützung der Spritze nichts dazulerne, sein Essverhalten nicht verändere und letztendlich nicht selbst wieder die volle Kontrolle übernehme, der gehöre nicht wirklich zur Zielgruppe!

Wichtig sei es, die Dosis möglichst niedrig zu halten (und nicht der Herstellerempfehlung zur automatischen monatlichen Erhöhung der Wirkstoffdosis zu folgen), vor allem mit Blick auf mögliche Nebenwirkungen, aber auch, um nicht völlig das Gefühl für das Essen und die Bedürfnisse des eigenen Körpers zu verlieren. Außerdem sei das Medikament viel günstiger als gedacht: 172 Euro koste der Pen mit der niedrigen Dosierung.
Es folgte eine weitere Phase ausgedehnter Recherchen. Das Internet ist voll mit Informationen über die Abnehmspritze – viele davon sind Erfahrungsberichte mutiger Menschen, die sich mittlerweile auch ein großes Wissen zum Thema erarbeitet haben. Ich merkte, wie sich nach und nach meine Ablehnung in Neugier, gepaart mit einem Funken Hoffnung, verwandelte. Bis ich dann einige Wochen später meinen Hausarzt bat, mir die Spritze zu verschreiben. Nur zum Ausprobieren, versteht sich. Und dann ging das Abenteuer los.
Fortsetzung folgt: Wo bekommt man die Abnehmspritze? Wie spritzt man sich selbst ein Medikament? Was kann, darf und muss ich denn nun essen? Und: Ich besitze keine Waage – wie merke ich, ob ich abnehme?

Endlich mal jemand in der Bubble, der über die Erfahrungen auch erzählt. Ich nehme seit Oktober Mounjaro, 12 Wochen lang kleinste Dosierung, jetzt eine Stufe höher. Mir ging’s ähnlich wie dir: Skepsis, Ärzte mit keiner oder wenig Erfahrung, weil hier schlicht die finanzstärkere Zielgruppe fehlt.
Mit Nebenwirkungen hatte ich anfangs zu tun, und das wird auch bei dir vermutlich nicht ganz ausbleiben, denn der Wirkstoff greift in die Körperchemie ein und stellt sie um. Ansonsten: Du wirst auch ohne Waage merken, dass du abnimmst. Die Klamotten fangen an zu schlackern, die Ringe sitzen lockerer, du kannst deine Armbanduhr nach wenigen Tagen ein Loch enger stellen. So war’s bei mir. 🙂 Mir passen wieder die ganzen Sachen, die ich 2 Jahre lang nicht zu bekam.
Das Spritze setzen ist für mich nach anfänglichem Zögern leichter als gedacht: subkutan bedeutet eben auch, in den Oberschenkel spritzen zu können, was mir viel leichter fällt als in die Bauchdecke. Inzwischen ist das wöchentliche Routine. Nur die Ernährungsumstellung dauert noch ein bisschen, vor allem die kleineren Portionen. Aber ich arbeite daran. 🙂
Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg. Wenn du magst, können wir uns gern weiter dazu austauschen.
Ich hab nach langem Überlegen auch den Prozess zur Verschreibung der Spritze (hier: Ozempic) begonnen. Den telefonischen Arzttermin hatte ich schon, jetzt warte ich auf den Termin mit der Krankenschwester, bei dem geprüft werden soll, ob ich anorektisch bin oder mich einfach falsch ernähre…
Hier in Finnland kostet eine Monatsportion ca 100€. Semaglutid wird auch nur bei Diabetes von der Kasse bezahlt.
Ich hab nen BMI von 33 und bin auch durch die Wechseljahre durch. Zähle Kalorien etc, nix bewegt sich.
Mein Partner benutzt Ozempic seit Mai und hat minimale Nebenwirkungen, wenn alle 8-9 Tage spritzt. Er hat bis jetzt 13 kg abgenommen.
Wenn das finnische Gesundheitssysten im momentanen Tempo weiterarbeitet, denke ich, dass ich ab März vielleicht anfangen kann.
Ich lese hier schon lange mit und bin gespannt auf deine Erfahrungen.
Ich spritze seit ziemlich genau einem Jahr 0,5 mg Ozempic, weil ich eine Hormonstörung habe und der daraus resultierende Diabetes Typ 2 nicht ausreichend auf andere Medikamente reagiert. Als erwünschter Nebeneffekt kam dann noch ein moderater Gewichtsverlust dazu.
Während der ersten Wochen hatte ich vor allem mit Übelkeit, Appetitverlust und ähnlichen Nebenwirkungen zu tun, aber auch nicht schlimmer als das, was ich zuvor durch andere Medikamente erlebt hatte. Mittlerweile merke ich an den meisten Tagen nur noch, dass ich schneller satt bin als früher.
Wenn es nur um den Gewichtsverlust ginge, hätte ich mittlerweile wohl eine höhere Dosis und gerne mehr verloren, aber das würde den Diabetes dann überkorrigieren und Unterzuckerungsgefahr bedeuten, daher bleibe ich bei der ursprünglichen Dosis.
Ob man abnimmt, merkt man auch ohne Waage: Kleidung sitzt lockerer, Hosen rutschen, pralle Fettpolster werden plötzlich wabbelig…
Ich wünsche Dir viel Glück und hoffe, dass sich die erwünschten Erfolge schnell einstellen – Schmerzen beim Gehen oder Stehen nehmen viel Lebensqualität.
Da ich dringend am Herzen operiert werden muss, Adipositas habe und mein HcA1c etwas erhöht ist, wurde mir von den Kardiologen und Herzchirurgen die abnehmspritze empfohlen. Sogar mehrfach im Entlassungsbrief. mein Hausarzt hat keine Ahnung im Umgang damit und mich zu einer Diabetes Ambulanz geschickt. den Termin habe ich Freitag. ich bin gespannt was passiert. Die Operation eilt nämlich
Hallo Tanja,
Menno, unter Druck möchte man solche Sachen doch eigentlich nicht ausprobieren! Wobei die Diabetes-Spezialisten vielleicht keine üble Idee sind, vor allem wenn deine Zuckerwerte erhöht sind. Und in niedriger Dosierung sollte das mit der Spritze unproblematisch sein.
Ich halte die Daumen, dass der Termin am Freitag dir mehr Klarheit bringt.
Viele Grüße
Bettina