„Wann gibt es denn nun endlich Abendessen?“, fragte Herr Friček Frintišek und machte ein vollkommen ausgehungertes Gesicht. „Es muss doch schon lange spät genug sein!“
„Das hast du vor fünf Minuten auch gesagt“, erwiderte Frl. Leonie Mau, die gemütlich in ihrer Kratzbaum-Raumschiff-Kugel lag, „und dann war es erst fünf nach vier.“
„Irgendwo auf der Welt ist es auch schon nach sechs und längst Zeit zum Abendessen“, gab Fritte mürrisch zurück. „Und außerdem kann ich mich überhaupt nicht daran erinnern, heute gefrühstückt zu haben. Wahrscheinlich hat die dicke freundliche Frau vergessen, uns zu füttern!“
„Natürlich haben wir gefrühstückt“, widersprach Leo, „aber es ist tatsächlich verdammt lange her, dass die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau Essen rausgerückt hat. Sie ist sichere auf dem Weg nach Hause und bestimmt bekommen wir gleich was.“
„Vielleicht ist ihr auf dem Heimweg die viel zu weit gewordene Hose runtergerutscht und sie hat sich entweder auf die Schnauze gelegt oder sie wurde wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet.“

„Das wäre schlecht“, fand Leo und reckte den Hals, um von ihrer gemütlichen Kugel aus durchs Fenster auf die Straße sehen zu können. „Sie weiß doch, wie hungrig wir sind. Und außerdem hat sie selbst ja auch seit heute Morgen nichts gegessen und jetzt sicher heftigen Kohldampf!“
„Glaubst du wirklich, dass sie nicht heimlich Süßigkeiten isst, während sie irgendwo ist, wo wir sie nicht sehen können?“, fragte Fritte misstrauisch. „Ich kann das fast nicht glauben.“
„Natürlich glaube ich ihr das“, sagte Leo mit fester Stimme. „Wenn sie heimlich Süßigkeiten essen würde, dann hätte sie ja nicht so viel abgenommen, dass ihr die Hose rutscht. Wenn sie sagt, sie hat seit Anfang November genau einen Keks, eine Kräuterprinte, gegessen, dann ist das so. Außerdem kann ich mich noch genau an diese Kräuterprinte erinnern. Zuckrig hat sie geschmeckt. Das hat die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau gesagt.“
„Hm“, machte Fritte, noch nicht ganz überzeugt. „Und wo soll das alles enden? Sollen wir etwa auch keinen Zucker mehr essen?“
„Nun hör doch mal auf, von Essen zu reden!“, schimpfte Leo. „Ich kann jetzt auch an nichts anderes mehr denken und meine Kristallkugel zeigt noch nicht an, dass die nicht mehr ganz so dicke Frau schon in spürbarer Nähe wäre!“

„Mist!“, murmelte Fritte mit einem leicht verzweifelten Unterton. „Wir werden noch verhungern. Ich spüre es ganz deutlich. Wir armen, armen Fellnasen!“
Leo rollte deutlich hörbar die Augen und fragte: „Hast du in der letzten Zeit mal in den Spiegel geschaut, Fritte?“
„Nein, wieso?“
„Weil du dann hättest sehen können, dass du quasi am ganzen Körper Fell hast“, erklärte Leo etwas spöttisch, „nur nicht auf deiner allerliebsten kleinen rosa Quietschenase! Die ist nämlich nackig!“
„Nackig?“, rief Fritte erschrocken. „Ich habe kein Fell auf der Nase? Echt?“
Fritte sprang mit einem großen Satz vom Sofa und rannte ins Schlafzimmer, wo er sich vor den großen Spiegel, der am Kleiderschrank befestigt war, stellte. Leo lief ihm gemächlich hinterher.
„Tatsächlich!“, rief er überrascht aus, nachdem er seine allerliebste kleine rosa Quietschenase von allen Seiten ausführlich begutachtet hatte. „Da wachsen keine Haare drauf. Genau wie bei meinem…“
„BEEEEEP!“, machte Leo mit Nachdruck. „Bitte keine Anzüglichkeiten. Hier lesen vielleicht auch Kinder mit!“
„Entschuldigung, liebe Kinder!“, rief Fritte sofort in versöhnlichem Ton. „Vergesst den Vergleich mit meinem…“
„BEEEEEEP!“
„Aber ich wollte doch nur… Ach, egal. Jedenfalls: Du hast recht. Ich habe kein Fell auf der Nase. Und du auch nicht!“
„Und die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau auch nicht“, fügte Leo hinzu. „Obwohl sie sonst auch an ganz schön vielen Stellen Haare hat.“
„Das stimmt“, bestätigte Fritte. „Weißt du noch, das dicke weiße Haar an ihrem Kinn, das sie neulich mit der Pinzette partout nicht zu fassen bekam?“

„Tragisch, diese Ungeschicklichkeit“, stimmte Leo zu. „Aber weißt du was?“
„Was?“, fragte Fritte verwirrt. „Was soll ich denn wissen?“
„Wir haben da was gemeinsam. Alle drei. Und sogar der kleine freundliche Hund und der große freundliche Mann auch.“
„Wahnsinn!“, rief Fritte aufgeregt. „Äh, was haben wir denn alle gemeinsam?“
„Wir sind Keinfellnasen!“, verkündete Leo mit superseriöser Susanne-Daubner-Stimme. „Keinfellnasen, verstehste? Alle fünf.“
Fritte nickte beeindruckt. „Das ist ja toll. Aber… warum liest man dann im Internet so oft was von Fellnasen, wenn Hunde und Katzen gemeint sind? Haben die sich Fell auf die Nase transplantieren lassen?“
„Ich denke, die allermeisten werden einfach dazu stehen, dass ihre Nasen nackig sind“, sagte Leo. „Das ist ja auch nichts Schlimmes, im Gegenteil: Es verbindet uns noch ein bisschen mehr mit unseren Menschen. Wir sind nicht nur eine Wohn- und Lebensgemeinschaft, sondern auch eine Gemeinschaft von Keinfellnasen.“
„Toll“, sagte Fritte. „Wenn die menschliche Keinfellnase, die nicht mehr ganz so dick ist, nur endlich nach Hause käme, um uns zu fü… Oh, ich glaube, ich höre sie. Sei mal still?“
Beide Katzen lauschten angestrengt und hingebungsvoll auf die Geräusche im Treppenhaus. Wahrhaftig, die nicht mehr ganz so schweren Schritte, die sie vernahmen, gehörten eindeutig der nicht mehr ganz so dicken freundlichen Frau. In Windeseile ließ Leo sich aus ihrer Raumschiffkugel herunter und folgte Fritte zur Wohnungstür, die sich nun endlich öffnete.
„Hallo, ihr kleinen Mäuseplümmis!“, sagte die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau erfreut bei ihrem Anblick. „Wie war euer Tag. Habt ihr etwa Hunger?“
„Soll ich sie k.o. schlagen und einfach in die Küche schleppen?“, fragte Fritte, aber Leo grinste nur und hielt der nicht mehr ganz so dicken freundlichen Frau das Köpfchen – einschließlich ihrer allerliebsten rosa Quietschenase – entgegen, um sich kurz kraulen zu lassen, bevor sie ihrerseits die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau k.o. schlug und die Küche schleppte.
„ABENDESSEN! LOS! ZACK ZACK!“

Ein interessanter Beitrag.
Lasst euch das Abendessen schmecken.
Was gibt es gutes?
Fritte hat keine Haare am *beep*.
Herzliche Grüße an Leonie Mau und Fritte Fritikowski.
Andrea
P.S. Die Smileys sind geschluckt worden.
Der Beitrag über Fritte bringt mich zum schmunzeln.
Herzliche Grüße
Andrea