Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Lange vor dem Urlaub. Sehr lange.

Und schon ist es wieder passiert: Der Urlaub war vorbei, der Wecker klingelte, ich raffte mich mühsam auf und kam kaum vierzig Minuten später in meinem Büro wieder zu mir. Um mich herum fröhliche Kollegen, die tagelang allem in einem Fünf-Kilometer-Radius rund ums Opernhaus jedem eine schöne neue Spielzeit wünschen – das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, nicht dass man jemanden, den man vielleicht (noch) nicht zuordnen kann, übersieht und damit mindestens sieben Jahre Unglück auf sich lädt.

Das war am Donnerstag. Am Mittwoch war ich noch einmal in Bremen, kurz die Freiheit riechen und das nunmehr schon ziemlich gefriergetrocknet aussehende Maisfeld besuchen, außerdem natürlich Katze 3 und Katze 4 (Kater 1) sowie meinen Freund. Das war schön und ein guter Abschluss des Urlaubs, abends mit Sonne und einem Glas Wein auf der Terrasse. Später, im Zug, merkte ich, dass die Abende schon wieder deutlich kürzer werden. Als ich kurz vor zehn in Hamburg ankam, war es schon komplett dunkel. Bald werde ich wohl auch um acht im Dunkeln in den Zug steigen (und vorher versuchen, bei der Abkürzung durch Mais- und Weizenfeld auf dem Weg zum Bahnhof) nicht auf die Fresse zu fallen.

Der Donnerstag im Büro war nicht weiter schlimm. Ich habe ja eine neue Chefin und war somit den größten Teil des Tages damit beschäftigt, mich mit den Kollegen und ihr über die Dinge abzustimmen, die uns in den nächsten Monaten beschäftigen werden. Abgesehen vom Praktischen wie Türschildern, richtigen Namen im Telefondisplay und Büroschlüsseln – zwei von drei dieser Punkte konnten übrigens noch nicht erledigt werden. Spaß hatten wir auch und viel gearbeitet wurde noch nicht.

Am Donnerstagabend fand ich zu Hause auch den freundlich-sachlichen Brief des Mammographie-Screening-Zentrums vor, der zum Glück gleich im ersten Satz mit der erhofften Nachricht, dass es nichts zu berichten und schon gar nichts weiter abzuklären gebe, herausplatzte. Nichts anderes hatte ich erwartet – und trotzdem fiel mir mal wieder ein Stein vom Herzen.

Der Freitag war ebenfalls okay. Ich war pünktlich im Büro, weil meine Chefin ja ohne eigenen Schlüssel sonst nicht hereingekommen wäre, und viel mehr lässt sich über den Arbeitstag auch schon fast nicht sagen. Ein früher Feierabend um halb fünf ließ sich mühelos einrichten und so konnte ich noch einen neuen Hospizgast besuchen. Herr X. ist in dieser Woche erst ins Hospiz gekommen, direkt aus dem Krankenhaus und nur mit den Klamotten, die er auf dem Leib trug. Er hat offenbar keine Verwandten oder Freunde, gar keine, nichts, niemanden.

Fast unvorstellbar, finde ich. Wie kann es sein, dass man ein ganz normales Leben führt, berufstätig ist, sich für Dinge interessiert und dann zum Schluss gänzlich ohne Kontakte dasteht? Und das nicht, weil man versehentlich 110 Jahre alt geworden ist und Kinder nebst Enkeln dummerweise überlebt hat. Nein, Herr X. ist im Alter meiner Eltern. Er ist sehr lieb und dankbar, aber auch recht reserviert (vermutlich auch nicht unbedingt an vertraute Unterhaltungen gewöhnt) – ich bin sehr gespannt, ob er mir bei den nächsten Besuchen ein bisschen über sein Leben und seine Umstände erzählen wird. Am Montag werde ich ihn wieder besuchen, das habe ich ihm versprochen.

Den gestrigen Samstag verbrachte ich mit Katze 1 und Katze 2 auf meinem Sofa. Ein bisschen aufgeräumt und eingekauft habe ich, aber ansonsten gammelten wir einfach hemmungslos rum, aßen so viel wie möglich und guckten Serien. Im Moment schaue ich übrigens bei Amazon (mit einem kostenlosen zweiwöchigen Probeabo des Cirkus-Channels) die letzten drei Staffeln von „Der junge Inspektor Morse“, der mir ganz ausßerordentlich gut gefällt.

Heute fahre ich wieder nach Bremen zu meinem Freund, Katze 3 und Katze 4 (Kater 1). Hoffentlich haben die drei einen Platz auf dem Sofa für mich, denn es soll nicht viel wärmer werden als gestern und wir werden wohl keine größeren Unternehmungen in diesem Draußen starten. Ein Buch für die Rückfahrt, wenn ich im Dunkeln nicht mehr aus dem Zugfenster schauen kann, habe ich mir schon in die Handtasche gesteckt. Morgen klingelt dann wieder der Wecker zu einer Zeit, die es eigentlich gar nicht geben sollte, und ich werde die Kollegen im Büro vielleicht mit einem leicht hysterischen, aber optimistischen „Ich weiß nicht, was ihr wollt – den größten Teil der Spielzeit haben wir doch schon wieder geschafft!“ begrüßen.

Ihnen einen schönen Sonntag!

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