Mit der Regionalbahn nach Bremen. So schön. Zurzeit noch schöner als normalerweise, weil ja die Menschen, die von Hamburg nach Hannover wollen, auch über Bremen fahren. Weil auf der Strecke nach Hannover gebaut wird und weil der Schienenersatzverkehr so gut versteckt ist, dass er auch unsichtbar sein könnte. Oder es gibt gar keinen Schienenersatzverkehr, das könnte auch sein, ist aber schwer zu beweisen.
Außerdem ist mir der Ersatzbus nach Hannover ohnehin piepegal, denn ich will ja gar nicht nach Hannover. Sondern nach Bremen, wie alle anderen Bahnreisenden, die am Hamburger Hauptbahnhof den Bahnsteig und alle Zugänge verstopfen, auch. Nur dass ich kein Gepäck dabeihabe, dafür aber auch am Abend gleich wieder zurück nach Hamburg will.
Zweimal am Tag mit dem Metronom von Hamburg nach Bremen oder umgekehrt, das heißt natürlich auch, das Schicksal ordentlich herauszufordern. Dass beide Fahrten stattfinden und wenigstens im Großen und Ganzen in die richtige Richtung fahren und irgendwann auch mal ankommen, ist vielleicht einfach zu viel verlangt. Schließlich steht der Metronom ganz unten in der Nahrungskette der Eisenbahnschienenbenutzer, gleich hinter dem historischen Sambawagen von 1812 und einem mit Muskelkraft angetriebenen Draisinendingsi. Alle anderen haben Vorfahrt oder Vorrang, selbst Güterzüge, die gerade aufs Abstellgleis umgeleitet werden. Da muss man auf einer 80-Minuten-Fahrt schon zwei-, dreimal warten, bis die „Zugüberholung“ stattgefunden hat oder der Gegenverkehr aufhört, dem Lokführer die Sicht zu versperren.
Von Signal-, Tür-, Weichen- oder nicht näher benannten weiteren technischen Störungen ganz zu schweigen, die gehören zum Programm, wurden quasi mit dem Deutschlandticket erworben (ich hätte vielleicht doch das Kleingedruckte lesen sollen) und stehen nun auf jeder Checkliste fürs Bahnfahren.
Dass Reisende zwischen Hamburg und Bremen das Wort „Oberleitungsschaden“ zum Unwort des Jahres 2026 erklären lassen wollen, ist möglicherweise ein Gerücht. Möglicherweise aber auch nicht.

Riesig erleichtert bin ich darüber, dass der große freundliche Mann und der kleine freundliche Hund nicht in der Bremer Innenstadt leben, sondern im fast schon ländlichen Bremen-Oberneuland, das eine eigene Metronom-Haltestelle hat. Im Vergleich mit dem Bremer Hauptbahnhof ist der Hamburger Hauptbahnhof nämlich quasi ein Kindergarten, so eng und überfüllt geht es in Bremen zu. Und die Züge von und nach Hamburg nutzen selbstverständlich das Gleis in der Mitte, sodass man auf jeden Fall das volle Bahnhofserlebnis mitnehmen kann. Man kann auf diesen Hamburg-Bremen-Bahnsteigen erwiesenermaßen direkt vor der Treppe aussteigen und trotzdem noch zehn Minuten brauchen, bis der Menschenstau sich aufgelöst hat und man endlich weiterkommt. Vom Erreichen des Aufzugs will ich lieber gar nicht sprechen. Im Gegensatz dazu ist der Bahnhof Oberneuland eine reine Idylle, ebenerdig, barrierefrei und wenn mal mehr als 10 Menschen gleichzeitig ein- oder aussteigen, kommt schon ein Lokalreporter und fragt, was los ist.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Eigentlich fahre ich gerne Bahn. Ich fühle mich dort wohler und sicherer als in einem Auto, ich gucke gerne in die vorbeiziehende Landschaft und ich mag die bescheuerten Namen der „Unterwegsbahnhöfe“: Klecken, Sprötze, Scheeßel, Sagehorn. Sagehorn ist die letzte Haltestelle vor Oberneuland und immer, wenn ich das Bahnhofsschild lese, sage ich: Horn. Und texte an den großen freundlichen Mann und den kleinen freundlichen Hund: Horn. Dann wissen sie, dass ich möglicherweise gleich da bin. Gestern haben die beiden jungen Menschen, die neben mir saßen, denselben albernen Witz gemacht und laut „Horn!“ gerufen, da waren sie mir fast ein bisschen sympathisch. Noch besser fand ich aber die Teenagerin, die beim Anblick eines startenden Storches auf der Wiese, keine zehn Meter vom Metronom entfernt, laut „Oh, ein Dachs!“ rief.
Dass ich abends wieder zurückfahre und nicht in Bremen übernachte, liegt natürlich an Frl. Leonie Mau und Fritthilf Frittensreich. Ohne die beiden und ohne mein Bett kann ich nämlich nicht schlafen. Jedenfalls behaupten sie das immer und ich traue mich nicht zu widersprechen. Schließlich haben die kleinen Tiere immer schrecklichen Hunger, wenn ich abends wiederkomme und jede Minute, die sich der Metronom auf dem Heimweg verspätet, könnte die sein, die irreversible biochemische Prozesse auslöst und Katzenfettlebern produziert. Sagt Fritte. Und solchen Argumenten kann ich natürlich nicht widersprechen. Ich bin doch nicht völlig irre, auch wenn es sich beim Bahnfahren manchmal so anfühlt. Also: Los geht’s. Zurückbleiben bitte!

Oje, bezogen auf die Deutsche Bahn.
Wie wäre es stattdessen mit dem Auto zu fahren?
Oder mit dem Besen zu fliegen.
Spaß beiseite: Herzliche Grüße an Leonie Mau und Fritte Fritikowski und den kleinen Hund.
Andrea