Knüppel auf den Kaffee

Ich weiß auch nicht mehr genau, wer das gesagt hat und wo, aber irgendjemand hat gesagt, dass Hafermilch im Morgenkaffee keine gute Idee sei. Warum? Weil sie nicht nur, zumindest in der aufschäumbaren Barista-Variante, verhältnismäßig viele Kalorien hat, sondern weil sie auch sehr viele Kohlenhydrate mitbringt, die den Blutzuckerspiegel blitzartig ansteigen lassen, bevor der dann wieder, und das auch sehr rasant, in den Keller geht. Und – die meisten von uns kennen das – ein sehr niedriger Blutzuckerspiegel kurz nach einem sehr hohen Blutzuckerspiegel löst Heißhungerattacken und Müdigkeit aus.

Hm, dachte ich, als ich das neulich mal wieder las, egal wo. Das mit dem Blutzucker ist mir momentan relativ egal, der ist durch die Wirkstoffe der Spritze ja recht ausgeglichen, aber das mit den Kalorien ist natürlich schon ein Thema. Mein bevorzugter Haferdrink in der Barista-Edition hat 61 Kalorien auf 100 Milliliter – und für einen vernünftigen großen Café latte brauche ich 250 ml. 153 Kalorien, das ist gar nicht mal so wenig. Mandelmilch z. B. enthält viel weniger Kohlenhydrate und hat somit auch viel weniger Kalorien, in der ungesüßten Bio-Version nur 14 Kalorien auf 100 ml.

Bei meiner letzten Bestellung klickte ich also – nur zum Ausprobieren – die Bio-Mandelmilch an; sicherheitshalber aber zusätzlich zu den beiden Packungen Hafermilch, die ich in der Woche verbrauche. Gestern Morgen war es dann soweit: Ich musste eine neue Packung Pflanzenmilch in Betrieb nehmen und entschied mich für die Mandelmilch. Soweit, so gut. Weiße Flüssigkeit mit ein bisschen mehr Blaustich als meine Hafermilch, kein wahrnehmbarer Geruch, Gesamtausstrahlung: neutral. Beim Erhitzen auf ca. 65 Grad kein Unterschied zur Hafermilch. Da es sich nicht um eine Barista-Ausgabe mit etwas erhöhtem Fettgehalt für die bessere Aufschäumbarkeit handelte, erwartete ich diesbezüglich nicht viel und wurde positiv überrascht: Schon nach wenigen Stößen in meinem handbetriebenen Milchschäumer bildete sich ein sehr stabil wirkender Schaum, der auch nach dem vorsichtigen Umfüllen in meinen Kaffeebecher nicht zusammenfiel. Nicht übel, dachte ich noch, doch dann nahm ich den ersten Schluck…

Kennen Sie das, wenn Sie in irgendwas reinbeißen oder einen Schluck von irgendwas nehmen und sofort das Gefühl von Knüppel auf den Kopf verspüren? So ging es mir gestern Morgen bei meinem ersten Schluck Mandel Latte. Und das lag nicht etwa daran, dass jetzt ein starker Mandel- oder gar Marzipan-Geschmack meinen Kaffee dominierte. Im Gegenteil, von einem starken Eigengeschmack der Mandelmilch konnte nicht die Rede sein. Eigentlich schmeckte sie nach gar nichts oder ungefähr so wie komplett fettbefreite Kuhmilch: Ein bisschen wie Spülwasser und extrem unlecker. Der eigentlich stabile Schaum rief in mir eine Assoziation von müder Schaumkrone auf seit Tagen unbewegter Ostsee hervor. Und der Kaffee, mein guter Bio-Espresso aus der Edelstahl-Bialetti, schmeckte vor lauter Schreck auch so, als hätte er tagelang in einer ungewaschenen Kanne auf einer Herdplatte herumgestanden.

Es machte mir Mühe, den Kaffee auszutrinken, und ich brauchte anschließend sofort ein Pfefferminzbonbon gegen den nun schon nicht mehr überraschenden, extrem unattraktiven Nachgeschmack. Örks. Und das am frühen Morgen.

 

Heute Morgen habe ich die geöffnete Packung mit der Mandelmilch im Kühlschrank schlicht ignoriert und stattdessen eine Hafermilch aufgemacht. Ach, war das schön. Wunderbarer cremiger Schaum, harmonischer Duft und köstlicher leicht süßer Geschmack mit leichtem Hafer-Touch. Jede einzelne Kalorie wert. Und was ist nun mit dem Blutzucker? Also, falls ich irgendwann mal nicht mehr die Spritze nehmen sollte? Ich googelte.

Nun ist es ja so, dass Haferflocken, geschickt mit anderen Nahrungsmitteln kombiniert, noch immer als gesundes und sättigendes Frühstück gelten. Wieso gilt das also nicht für Hafer im Kaffee? Im Vergleich zu Haferflocken hat Hafermilch übrigens verschwindend wenig Kohlenhydrate, etwa ein Achtel. Und in Kombination mit Eiweiß und Fett steigt der Blutzuckerspiegel nicht blitzartig an, sondern langsamer, denn Eiweiß und Fett verhindern das zu schnelle Verwerten der Kohlenhydrate. Das klingt doch schon besser. Schließlich nehme ich zu meinem Kaffee am Morgen oder direkt anschließend mein Haferflocken-Müsli zu mir. Für dieses Müsli werden die Haferflocken nicht gekocht, sondern nur kurz eingeweicht, bevor ich sie mit Skyr und Früchten anrichte und zu mir nehme. Schmeckt lecker und hält mich mindestens bis zum Nachmittag satt, ohne dass ich mich zwischendurch unterzuckert fühle.

Gut, das kann alles anders sein, wenn ich irgendwann die Spritze nicht mehr nehme. Vielleicht hat ja bis dahin auch jemand eine Mandelmilch erfunden, die nicht wie Spülwasserknüppel auf den Kopf schmeckt. Wir werden sehen.

 

2 Kommentare

  1. Hafermilch auf die 10!
    Mein Tag fängt genau so an, Kaffee aus der Bialetti mit Barista Hafermilch.
    Und dann auch der Haferflocken-Joghurt-Früchte-Mix.
    Es muss mir egal sein, dass das Zeug Kalorien hat, weil, mein HDL Cholesterinwert sinkt seit ich das so zu mir nehme, leicht aber stetig. Keine Statine mehr nötig, das ist es doch schon wert.
    Die Alternativen schmecken bei weitem nicht so gut wie Hafermilch.

  2. „Köstliche“ Beschreibung der Mandelmilch-Erfahrung!
    Ich habe alle Alternativen durchprobiert, mit ähnlichen „bäh“-Erfahrungen und bin bei Hafermilch geblieben. Beim letzten Check fragte meine Hausärztin, was ich geändert hätte, weil der böse Cholesterinwert zwar noch nicht okay, aber auffällig gesunken sei …
    Und dann gibt es ja noch diese Studie der Uni Bonn: https://www.uni-bonn.de/de/neues/017-2026

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