Corona-Schutzimpfung. Die zweite. Hurra.

Am Dienstag der vergangenen Woche war es endlich so weit: Ich durfte mir meine zweite Corona-Schutzimpfung abholen. Wieder im Impfzentrum bei der Hamburger Messe, also quasi in der Nachbarschaft. Diesmal war schönes Wetter, kalt aber sonnig, und so bereute ich schon nach kürzester Zeit meine Entscheidung, die Winterjacke anzuziehen. Aber das Impfzentrum kennt mich ja quasi schon im aufgelösten, verschwitzten, hochrot leuchtenden Zustand – warum also noch Neuerungen einführen?

Es war bedeutend voller als bei meinem ersten Besuch, aber Logistik und Organisation im Impfzentrum funktionierten noch immer perfekt. Wie wahrscheinlich die meisten Mit-Impflinge, immer noch zum größten Teil Ü-80, war ich etwas früh dran, wurde aber direkt eingelassen und musste an keiner Station länger als zwei Minuten warten. Wie beim ersten Mal waren alle Mitarbeiter, mit denen ich zu tun hatte, super-freundlich und super-effektiv. Die Arztberatung fand diesmal auch an einem verglasten Schalter statt und nicht mehr in derselben Kabine, in der ich wenig später meine Spritze erhielt, aber der freundliche Arzt versicherte mir, dies habe eher logistische Gründe und nicht mit einer zunehmenden Furcht vor den ansteckenderen Virus-Mutanten zu tun.

Ich wurde zur ersten Impfung und eventuellen Nebenwirkungen befragt (von denen ich außer einem minimalen Druckgefühl an der Einstichstelle keine hatte) und noch einmal über die möglichen Risiken aufgeklärt. Auch darüber, dass die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen bei der Zweitimpfung etwas größer sei als bei der Erstimpfung. Das hatte ich schon gelesen und mir meine Termine in dieser Woche extra so gelegt, dass ich in den nächsten zwei Tagen nichts Dringendes zu tun hatte und meine Wohnung nicht unbedingt verlassen musste. Auch meine Mutter würde ich erst in der nächsten Woche wieder besuchen, dann sicher ohne Nebenwirkungssymptome, die das Empfangspersonal im Seniorenheim unglücklich machen, dafür aber mit vollständigem Impfschutz. Hurra.

Nach der Beratung durch den freundlichen Arzt durfte ich durchgehen in den Wartebereich vor den Impfkabinen. Ich hatte wieder einen neunseitigen Laufzettel mitbekommen, der nicht geknickt werden sollte, weil er beim Checkout wieder eingescannt wird. Vom letzten Mal wusste ich aber, dass er sehr wohl sauber in der Mitte gefaltet werden kann, ohne dass später der Scanner streikt. Dadurch konnte ich den mittlerweile auf über zwanzig Seiten angewachsenen Papierwust (bestehend nunmehr aus zwei neunseitigen Laufzetteln, zwei Terminbestätigen, einem Informationsblatt der Stadt Hamburg für Mitarbeiter in der stationären Pflege, einer Bestätigung vom Hospiz, dass ich dort ehrenamtlich tätig bin, und meinem Impfpass sowie vorsichtshalber diversen Katzenimpfpässen, die in der Eile irgendwie in den Stapel gerutscht sind) wieder in einer Hülle in meiner Handtasche verstauen und hoffentlich nicht so viele Schweißflecken auf dem Papier hinterlassen. Meinen Personalausweis hatte ich schon früher wieder einstecken dürfen und nach der Krankenversicherungskarte wurde gar nicht erst gefragt.

Kaum saß ich im Wartebereich, da öffnete sich auch schon eine der Kabinentüren und ich durfte eintreten. Eine sehr freundliche Dame vergaß zwar , sich mit Namen oder auch einer Berufsbezeichnung vorzustellen, nannte mich dafür aber „Schätzelchen“ und beschloss nach einem Blick auf meine Figur und vor allem auf meine Oberarme, eine andere Kanüle zu brauchen.

„Um durch den Speck zu kommen?“, fragte ich freundlich, während sie noch überlegte, wie sie mir das politisch korrekt erklären kann. Sie stimmte mir erleichtert zu. Schließlich soll der Impfstoff ja in den Muskel und nicht nur unter die Haut. Schon klar, dachte ich und dann: Und wieso hat die freundliche Ärztin das letztes Mal nicht auch gemacht? Dann erinnerte ich mich, dass die Ärztin, die mir die Erstimpfung verpasst hat, sich ja als Onkologin und Spritzexpertin vorgestellt hatte. Sie wird also wohl gewusst haben, was sie tat.

Die freundliche Ärztin heute kam mit der längeren Kanüle zurück und erzählte mir, dass sie selbst nach der ersten Impfung so gut wie keine Nebenwirkungen hatte, ihr dafür aber nach der zweiten Impfung fast der Arm abgefallen wäre. Ich verkniff mir die Frage, ob sie sich die zweite Impfung selbst gegeben habe, und wiederholte meine Aussage, dass ich mich heute und morgen schonen werde und – so zumindest mein aktueller Wissensstand – keine Impfung dieser Welt so schmerzhaft sein kann wie die Tetanusimpfung, die ich letztes Jahr von meinem Hausarzt erhielt. Nach der hatte ich mir nämlich gewünscht, der Arm möge abfallen.

Dann knetete sie ein bisschen an meinem fetten Oberarm herum und schob mir die Kanüle bis zum Anschlag hinein. Aua. Spritzte dann aber mit Gefühl. Machte die richtigen Aufkleber (ich bekam wieder den Biontech-Impfstoff wie bei der ersten Imfpung) in den Impfpass sowie das Impfzertifikat und schickte mich – „Sieben Tage bis zur vollen Immunität, Schätzelchen!“ – hinten raus in den Erholungsraum. Dort musste ich wieder meinen Laufzettel zeigen, bekam einen Platz angewiesen und sollte eigenverantwortlich eine Viertelstunde auf mich und mein Befinden achten. Dann erhielt ich die erforderlichen Häkchen auf den Laufzettel und durfte weiter zum Checkout.

Die freundliche Mitarbeiterin dort scannte wieder alles ein, händigte mir den Papierkram aus und entließ mich mit guten Wünschen in die Freiheit.

Draußen schien immer noch die Sonne und mir war warm. Aber ich brauchte Brötchen zum Frühstück und hatte mir auch irgendwas Schönes zum Abendessen versprochen. Etwas, das keine große Zubereitung erfordert für den Fall, dass mir der Arm abfällt. Also musste ich zum Supermarkt, das war ja nur ein kleiner Spaziergang vom Impfzentrum aus.

Mir war warm. Ich schwitzte. Außerdem war ich müde (das würde sich im Laufe des Tages übrigens noch verstärken bis zur Schläfrigkeit und am nächsten Tag noch anhalten). Falls mir der Arm abfiele, müssten die Katzen wohl ihre Klos selber saubermachen (er fiel nicht ab, er tat aber ein bisschen weh am Abend und über Nacht, länger nicht). Aber: Ich war nun vollständig geimpft und würde in nur sieben Tagen dann so immun gegen das Corona-Virus sein, wie man nur sein kann. Wenn das kein Grund zum Feiern ist, dann weiß ich auch nicht!

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