Essen im Urlaub

Wie schön es doch ist, mehrmals im Jahr Urlaub nehmen zu können! Ich habe das ja früher immer schon dumpf geahnt (und andere Menschen, die nicht am Theater arbeiten, darum beneidet), aber nun weiß ich es aus eigener Erfahrung: Nicht elf Monate auf den nächsten Urlaub, egal wie lang der dann ist, warten zu müssen, ist ein Stück Lebensqualität.

Mein letzter Urlaub liegt gerade erst sechs Wochen zurück und der nächste winkt bereits im August. Und jetzt gerade, in diesem Moment, befinde ich mich auch im Urlaub. Herrlich.

Ein ganz wichtiger Aspekt an mehreren kürzeren Urlaubseinheiten statt eines langen Jahresurlaubs im Sommer ist für mich, dass ich mich selbst viel weniger unter Druck setze. Ich muss nicht mehr jeden einzelnen Tag, an dem ich nicht arbeite, so gründlich und nachhaltig ausnutzen und genießen wie nur möglich. Ich kann auch mal einfach so rumgammeln und Tage entspannt verstreichen lassen, während ich neue Serien ausprobiere, im Internet rumdaddele und mit den Katzen über Zeitpunkt und Größe der nächsten Mahlzeiten diskutiere. Es ist nicht so, dass ich das früher, in meinem einzigen sechswöchigen Jahresurlaub, nicht getan hätte, aber ich hatte irgendwie immer ein schlechtes Gewissen dabei. Weil ja klar war: Wenn dieser Urlaub vorbei ist – und das geht immer schneller als erhofft – dann dauert es wieder verdammt lange bis zur nächsten Gelegenheit, meine Tage komplett selbstbestimmt zu gestalten.

Obwohl heute erst der dritte Urlaubstag ist, fühle ich mich schon sehr entspannt und fast ein bisschen erholt. Das hat bestimmt damit zu tun, dass ich gestern im Schwimmbad war und eine Weile im Wasser herumgehopst bin. In meinem wunderschönen schwarzen und mit Zitronen gemusterten Tankini. Der erste Eindruck, den ich letztes Jahr von diesem Teil hatte, nämlich dass es aus ziemlich viel Stoff besteht und somit auch echt schwer wird, wenn es nass ist, hat sich nicht wirklich bestätigt: Ich hatte nicht das Gefühl, fast nicht mehr aus dem Becken rauszukommen, weil mein nasser Tankini zwei Zentner wiegt und mich wieder zurück ins Wasser zieht. Zum Glück. Vielleicht habe ich mir das im letzten Jahr nur eingebildet? Oder die Tatsache, dass ich dieses Jahr etwas weniger wiege, hilft auch beim Verlassen des Wassers. Jedenfalls sitzt der Tankini gut und das Herumhüpfen im Wasser – früher nannte ich das Aquafitness, aber momentan bin ich von Fitness ungefähr so weit entfernt wie vom Mond – macht Spaß. Schwimmbadumkleiden mit tropischem Klima und glotzenden Kindern in jeder Ecke sind noch immer nicht mein bevorzugter Lebensraum und werden es wohl auch nie werden, aber wenigstens haben sie mich in diesem Jahr noch nicht so traumatisiert, dass ich mich am liebsten nie wieder hineintrauen würde.

Mit der Abnehmspritze geht es auch weiterhin gut. Um mir ein bisschen eine Perspektive für den Tag, an dem ich sie vielleicht mal absetzen möchte, zu erarbeiten, habe ich jetzt eine begleitende Ernährungstherapie angefangen, deren Kosten zum Teil freundlicherweise meine Krankenkasse übernimmt (im Gegensatz zur Spritze, die ja weiterhin ein „Lifestyle-Dingsi“ ist). Letzte Woche hatte ich meine erste Sitzung, die natürlich vor allem der Anamnese diente, und als Hausaufgabe habe ich gestern ein Ernährungsprotokoll für die letzten Tage eingereicht. Da ich ja fast alle Lebensmittel bestelle und mir in der Bestell-App für jedes Teil auch die Nährwertangabe anschauen kann, war das gar nicht so kompliziert.

Was mir selbst schon klargeworden ist, auch bevor ich das Protokoll mit der Ernährungsberaterin besprochen habe, ist, dass ich an den Tagen, an denen ich alleine bin und für mich selbst koche, wirklich gut im Kaloriendefizit liege und meistens auch fast genug Eiweiß zu mir nehme. Immerhin. Das ist an den Tagen, an denen ich gemeinsam mit dem großen freundlichen Mann esse, naturgemäß ein bisschen anders: Da frühstücke ich nicht mein proteinreiches, sättigendes und eher kalorienarmes Müsli, sondern Käsebrötchen. Nicht mit übermäßig viel Käse und mit wenig bis gar keinem Schmierstoff (wenn, dann wenig Frischkäse), aber eben doch mindestens drei Brötchenhälften. Ergänzt um Gurke, Tomate und Apfel liege ich damit schon bei mindestens 800 Kalorien. Wenn wir dann noch abends Essen bestellen – und das tun wir meistens – endet der Tag im Allgemeinen nicht im Kaloriendefizit, sondern eher in der Nähe des Grundumsatzes. Das ist zwar nicht weiter schlimm, denn wichtiger als das Kaloriendefizit ist es mir, nicht mehr zu essen als geplant. Und das kann ich auch weiterhin ohne Probleme einhalten. Keine Snacks zwischendurch und keine richtig fiesen Sachen wie Pizza oder Pommes. An manchen Tagen aber eben doch eher zwei Falafel-Wraps als einer, weil einer mich nicht satt macht – aber an Tagen mit Käsebrötchen zum Frühstück sind das insgesamt dann doch ganz schöne viele Kalorien! Vielleicht muss ich daran noch was optimieren. Am Dienstag ist mein nächster Termin mit der Ernährungsberaterin, mal sehen, was sie so sagt.

Wie gesagt, mir geht es bei der Aktion Ernährungstherapie neben der Optimierung meiner derzeitigen Ernährung vor allem darum, mir gute Grundlagen zu schaffen für den Moment, in dem ich ein Gewicht erreicht habe, das sich stabil anfühlt und in dem die Extras, die mein Übergewicht so mit sich bringt wie z. B. der ständigen Druck meines Bauches auf den Beckenboden, sich eventuell ein bisschen verringert (oder sogar verpisst – Vorsicht, Wortwitz!) haben. Vielleicht gibt es bis dahin ja eine bezahlbare Semaglutid-Erhaltungsdosis in Tablettenform, vielleicht aber auch nicht. Und vielleicht bin ich ja bis dahin auch selbstsicher genug, es ohne medikamentöse Unterstützung versuchen zu wollen, das erreichte Gewicht zu halten. Wer weiß? Auf jeden Fall finde ich den Austausch mit einer Fachperson sehr hilfreich, vor allem, wenn sie mich auf Denkfehler (nicht sooo wahrscheinlich!) oder auf Milchmädchenrechnungen (sehr viel wahrscheinlicher!) aufmerksam macht.

Natürlich sind Urlaubstage, an denen ich essen kann, wann ich will, und nicht erst am mittelspäten Abend ausgehungert nach Hause komme und dann Essen bestelle, weil ich mich nicht mehr zum Kochen aufraffen kann, potenziell auch bessere Abnehm-Tage. Außer natürlich, wenn ich sie mit dem großen freundlichen Mann und dem kleinen freundlichen Hund gemeinsam gestalte. Aber das ist völlig okay, denn schließlich will ich meinen Urlaub auch in guter Gesellschaft verbringen.

Was wollte ich noch sagen? Ach ja. Der Zeitpunkt und die Größe der nächsten Mahlzeit. Herr Edelfritt von Frittentüt und Frl. Leonie Mau haben da einen ganz klaren Standpunkt: Erstens bald und zweitens so groß wie möglich. In diesem Sinne: Guten Appetit.

2 Kommentare

  1. Tolle Bilder.
    Besonders der kleine Hund erfreut mich.

    Schwimmen?
    Wie warm ist das Wasser und wie warm ist es draußen?

    Bei mir in der Nähe ist der See zu kalt , zum schwimmen.

    Herzliche Grüße an Leonie Mau, Fritte Fritikowski und den kleinen Hund.

    Andrea

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