Geschichten von den hungrigsten Katzen der Welt

Kennen Sie etwas Schöneres als die Gewissheit, zu Hause erwartet zu werden? Erwartet von den zwei hungrigsten Katzen der Welt, die Sie, wenn Sie nach Feierabend zügig und ohne unnötige Umwege nach Hause eilen, gerade noch vor dem sicheren Hungertod bewahren können? Erwartet von zwei entsetzlich eingefallen aussehenden Katzen (in deren Kalender Sie täglich zwischen 16 und 18 Uhr den Eintrag „Eingefallen aussehen üben“ finden können)? Erwartet von zwei flauschigen kleinen Katzen, die reizend, lieb und zugewandt sind, die Sie auf Schritt und Tritt begleiten, die auf jede Regung, jede Geste, jedes Wort Ihrerseits reagieren – bis sie Ihren sorgfältig gefüllten Napf hastig leergefressen haben und sich nun satt, zufrieden und schläfrig zurückziehen, wobei sie ein „Bitte nicht stören!“-Schild an ihr Eigenheim hängen? Natürlich nicht. Was könnte es auch Schöneres geben?

Angeblich sind die Mahlzeiten ja die unbestrittenen Höhepunkte im Leben der meisten Wohnungskatzen. Toll, finde ich, drei bis fünf Höhepunkte am Tag hätte ich auch gerne mal wieder. Ansonsten haben die armen Kerlchen ja nichts anderes zu tun als Schlafen, Fernsehen, Schmusen (miteinander oder auch mal mit sich selbst), Rausgucken, VorsichhinStarren, AufsSofakotzen, RadiergummisundLippenstifteverstecken, Schubladenausräumen und mit meiner Kreditkarte bei Zalando neue Schuhe bestellen (ja, immer zwei Paar pro Katze, schließlich hat jede vier Pfoten).

Katze 1 und Katze 2 sind also immer ehrlich erfreut, wenn ich nach einem langen Tag endlich nach Hause komme. Katze 1 ist von entgegenkommendem Wesen, sie drängelt sich normalerweise an mir vorbei durch die offene Tür ins Treppenhaus. Dort lauscht sie nach oben und schnüffelt nach unten und tut wahnsinnig beschäftigt, während ich versuche, sie wieder rein zu locken, bevor der Harndrang, der mich immer beim Heimkommen überfällt, mich komplett überwältigt und mich zwingt, die arme Katze einfach zu packen und zurück in die Wohnung zu zerren. Dann wirft sie sich vor mir hin oder köpfelt mir entgegen, bis ich zumindest einmal über sie gestolpert bin. Sehr niedlich und sehr gefährlich.

Katze 2 kommt nicht zur Tür; ich sehe von ihr beim Reinkommen immer nur die Schwanzspitze, während der Rest der Katze schon unterwegs in die Küche ist, wo sie sich dann aufbaut, mich finster anstarrt und nach mir ruft. Ich winke ihr dann zu und begrüße sie freundlich, was sie dazu veranlasst, mich anzuschreien, ich solle mich gefälligst beeilen und ich könne ja nun wirklich auch später aufs Klo gehen.

Ich weiß, die meisten Frauen meines Alters bedauern immer mal wieder, dass sie die Empfehlung ihres Frauenarztes, regelmäßig ihre Kegelübungen etc. zu machen, damals nicht so richtig ernst genommen haben. Bei mir tritt dieses Bedauern sehr regelmäßig jeden Abend beim Heimkommen auf. Mit zusammengepressten Beinen und Lippen hüpfe ich hektisch und meist noch mit Schal und Mantel in die Küche und versuche, den Katzen die erste Ladung Katzenfutter auf die Teller zu werfen, bevor meine Beckenbodenmuskulatur sich endgültig verabschiedet. Die Alternative, nämlich schnell aufs Klo zu gehen und die Katzen so lange warten zu lassen, hat sich nicht bewährt. Die entsetzten Gesichter der Katzen, als ich einmal versuchsweise an der Küche vorbei und ins Badezimmer eilte, verfolgten mich monatelang und ließen mich weder schlafen noch in Ruhe pinkeln.

MIAUUUU!
„Ja. Moment noch!“

Beide Katzen schreien mich in diesen kritischen Sekunden lautstark an, wohl um bei mir den Fütterungsdrang anzuregen bzw. mich davon abzuhalten, es mir im letzten Moment anders zu überlegen und mir, schon in der Küche angekommen, doch erst selbst ein Käsebrot zu machen. Sie schreien auch und noch immer mit unverminderter Heftigkeit, wenn ich schon ihre Tellerchen auf der Arbeitsplatte stehen habe und das erste Katzenfuttertütchen aufreiße. Katze 1 springt schreiend an mir, an allen Küchenmöbeln und ihrer Schwester hoch, während Katze 2 sich einfach schreiend um sich selbst dreht. Sehr motivierend, wirklich. Ohne diese lautstarke Unterstützung würde ich das mit dem Abendessen möglicherweise gar nicht hinkriegen.

MIIIAAAUUUU!
„Ich komme sofort. Muss nur eben noch den Absatz fertigschreiben.“

Wenn die Katzen dann endlich ihre Tellerchen bekommen haben und in Windeseile den ersten Gang ihres Abendessens inhalieren, habe ich endlich kurz Zeit, aufs Klo zu gehen, Jacke und Schuhe auszuziehen und meine Handtasche an die Garderobe zu hängen. Danach steht Katze 1 meistens schon wieder neben mir und schreit nach dem zweiten Gang. Da Katze 2 zu diesem Zeitpunkt meistens noch weiter in ihrem Tellerchen rumlutscht, habe ich vielleicht auch noch Zeit, meine Klamotten zu wechseln. Dann wird es aber definitiv Zeit für den zweiten Gang. Wenn ich schlau bin, gieße ich mir vor dem Servieren ein Glas Wasser ein. Falls ich das versäume, muss ich warten, denn Katze 2 schätzt es nicht, wenn sich jemand in der Küche bewegt, während sie gerade isst.

MIIIIIAAAAUUUUU!
„Habt ihr nicht schon gegessen? Ihr könnt doch unmöglich schon wieder Hunger haben!“

Nach der zweiten Portion ist dann erst einmal Ruhe; die gesättigten Damen ziehen sich in eins ihrer Eigenheime zurück und beginnen mit dem Verdauen. Ich habe jetzt kurz Zeit für Hausarbeit oder die Vorbereitung meines eigenen Abendessens. Später verlangen die Katzen dann noch einen dritten Gang; ich versuche aber meistens, dies etwas rauszuzögern, denn je später am Abend die Katzen ihren letzten Snack vertilgen, desto später am Morgen bekommen sie Hunger. Natürlich, man weiß das ja, sind Katzenmägen sehr klein und können maximal genug Essen für sechs Stunden aufnehmen. Die achtstündige Nachtruhe, die manche Menschen gerne ungestört verbringen, sind für Katzen

MIIIIAAAUUU!
„Hat jemand was gesagt?“

also quasi lebensgefährlich. Das Mindeste, was Mensch also für sie tun kann, ist es also, spätestens um sechs Uhr morgens einmal kurz in die Küche zu stolpern, ein Tütchen aufzureißen und irgendwo in der Nähe der Katzenessplätze auf den Boden zu kippen. Dann darf Mensch sich wieder hinlegen und bis zum Weckerklingeln weiterschlafen. Sollte Mensch es versäumt haben, den Katzen vor dem Schlafengehen einen kleinen Mitternachtssnack anzureichen, kann die kleine Überbrückung bis zur nächsten Mahlzeit, nur aus medizinischen Gründen, versteht sich, natürlich auch vor sechs Uhr morgens notwendig werden.

Ich habe viel Erfahrung damit, die Katzen schon vor dem Aufstehen zu füttern. Meistens werde ich dazu nicht einmal wach. Da die Katzen, von Natur aus kriminell wie sie nun einmal sind, dies natürlich auszunutzen versuchen und mir zwei und/oder drei und/oder vier Stunden später dann einreden wollen, sie hätten seit dem letzten Abend nichts mehr bekommen, habe ich mir angewöhnt, zum Beweis für meine kurzzeitige Aktivität

MIIIAAAUUUU!
„Du bist aber auch niedlich, wenn du so rumbrüllst… AUA!“

zu nachtschlafender Zeit einen Tweet abzusetzen. Im Allgemeinen geben diese Tweets einfach die Dialoge zwischen meinen Katzen und mir wieder, die dazu führen, dass das kätzische All-you-can-eat-Buffet schon gegen vier Uhr morgens eröffnet wird.

Gehören Sie auch zu den Menschen, die versuchen, ihre Katzen möglichst hochwertig zu ernähren? Das habe ich hinter mir. Die verwöhnten kleinen Bestien wissen das nämlich einfach nicht zu schätzen. Und ich bin aus zu weichem Holz geschnitzt, um den enttäuschten und verächtlichen Blicken von zwei Katzen, denen man das falsche Futter vorgesetzt hat, standzuhalten. Jahrelang habe ich versucht, sie zucker- und getreidefrei zu ernähren. Jahrelang fanden die Katzen das zum Kotzen. Und wissen Sie was? Ich verstehe die armen kleinen Tiere. Ich kann und will ja auch nicht zucker- und getreidefrei leben, im Gegenteil. Gut, da enden dann die Gemeinsamkeiten auch schon wieder, denn die Katzen wollen Fleisch und ich nicht (kennen Sie den Blick, den eine Katze Ihnen zuwirft, wenn sie erfolgreich den Mülleimer ausgeräumt hat und darin dann Tofureste findet???). Also, ich glaube, dass die Mädels Fleisch wollen. Es muss aber nach Junkfood schmecken und nicht zu fleischig.

MIAAAUUU!
„Ja. Gleich.“

Seit einigen Jahren verlangen Katze 1 und Katze 2 ausschließlich ihre Tütchen. Und zwar gelbe, rote und grüne Tütchen, „Genuss-Happen, fein mariniert“, in 100-Gramm-Portionen, von Edeka. Es gibt auch türkisfarbene Tütchen, aber da scheint Fisch drin zu sein und das lehnen meine aus einer spanischen Hafenstadt stammenden Katzen natürlich ab. Die gelben, roten und grünen Tütchen haben angeblich die Geschmacksrichtungen Hühnchen, Rind und Lamm. Die Genusshappen sehen aber komplett identisch aus und unterscheiden sich auch nicht am Geruch. Die Katzen lieben diese Tütchen und nur diese Tütchen. Und da fangen die Probleme schon an. Es gibt zwar in meinem Umkreis verschiedene Edeka-Märkte, aber nur einer von vieren hat alle vier Tütchen-Sorten im Angebot. Die anderen drei Supermärkte, in denen ich gelegentlich einkaufe, haben höchstens eine oder zwei der gewünschten Sorten, natürlich plus die türkisen Fischtütchen. Die gibt es überall, obwohl ich noch nie gesehen habe, dass jemand welche davon kauft. Aber die drei zulässigen Sorten, die muss ich mir im Laufe der Woche immer mühsam zusammenkaufen.

MIIIIAAUUU!
„Oh, du siehst ja schon ganz eingefallen aus!“

Trotz der einseitigen Ernährung mit nicht allzu hochwertigem Katzenfutter sind meine Katzen übrigens nicht übergewichtig, sie haben glänzendes Fell und klare Augen. Schlechte Zähne können sie ja ohnehin nicht bekommen. Und sie essen immer alles auf. Wenn ich mir überlege, wieviel von dem hochwertigen Katzenfutter früher immer stehengeblieben und nachher im Klo gelandet ist… Heute gibt es einfach überhaupt keine Reste mehr. Eigentlich müsste ich nicht einmal die Tellerchen abspülen, die sind nach dem Essen so sauber, dass sie direkt in den Schrank kön…

MIAUUUUUUUUUUU!

Entschuldigen Sie mich bitte. Ich muss in die Küche. Offenbar ist das All-you-can-eat-Buffet schon fast leergegessen und ich muss dringend gelbes und grünes Tütchen nachlegen. Schönen So…

MIIIAUUU!

 

5 Kommentare

  1. Tja.. so sind sie unsere Fellnässchen… meiner hat zu seinen Lebzeiten immer Baucheinziehend und mickrig Gucken geübt.. sehr jämmerlich.. hoi hoi gejauuuuhauuult mit piepsigem Stimmen.. und das obwohl er ein grosses Tier war und knapp 6 kg auf die Waage brachte.. Manchmal hat er sich einfach im Flur fallengelassen vor Schwäche… 🙂 und mein Ex Freund hat immer gesagt : wer war das ?????? Sofort wieder aufstellen das Tier :-))) und wir lachten während der Kater uns entsetzt anstarrte ? Ich ??? War das nicht ! Fiiiiiep.. Warum sich Katzen nachts slurpend putzen müssen weiss auch keiner.. bevorzugt zwischen 3 und 4 Uhr.. ach ja.. ich ertappe mich manchmal dabei, dass ich das vermisse…
    hopless verfallen .. deswegen hab ich aktuell auch keine eigenen Katzen..
    Gruß S.
    P.S: grünes Tütchen bitte.. aber nicht wenn da Kaninchen drin ist…

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