Heute gibt es keinen richtigen Blogpost wegen Urlaub, hurra. Fast zwei Wochen frei von Karfreitag bis zum Mittwoch der übernächsten Woche, das ist doch was. Am Donnerstag, 16. April, muss ich wieder arbeiten, meine Trauergruppe moderiert sich nicht von alleine. Obwohl sich die Gruppe in der kommenden Woche ohne mich trifft, selbstorganisiert. Das ist ein Stück Auswilderung auf dem Weg zur Selbsthilfegruppe, ein cooles Konzept, mit dem ich da arbeiten darf.
Heute also nur einen Schnelldurchlauf durch die Dinge, die mir so im Kopf rumschwirren, Erholung hin oder her:
Also, der Wal, das arme Tier, liegt einsam auf seiner Sandbank und man rechnet nicht damit, dass er diese lebend verlassen wird. Alle Rettungsversuche sind am Mittwoch eingestellt worden, weil die beteiligten Menschen mit Expertenwissen sich darüber einig geworden sind, dass jetzt nur noch ein ziemlich großes Wunder dem Tier zurück ins Leben helfen könnte. Alles, was Menschen mit all ihren Möglichkeiten ausrichten können, genügt anscheinend nicht, um den Wal zu retten. Traurige Erkenntnis. Auch scheint es nicht möglich bzw. sicher zu sein, das Tier zu „erlösen“, also zu euthanasieren. Wie ich das finde, weiß ich gar nicht so genau. Mein Gefühl sagt mir, dass auch ein fünfzehn Meter langer und drölfzig Tonnen schwerer Wal ein Recht auf sein eigenes Sterben hat, auch wenn das eventuell mit Leiden verbunden ist. Auf der anderen Seite kenne ich mich und weiß aus Erfahrung, dass ich bei meinen zum Glück sehr viel kleineren und berechenbareren Haustieren bisher fast immer die Entscheidung getroffen habe, sie nicht länger als unbedingt nötig leiden zu lassen. Zum Glück muss ich, was den Wal angeht, nichts entscheiden.

In Hamburg hatten wir ja in dieser Woche noch mehr Spaß mit Wildtieren. Sie wissen schon, der Wolf. Ich habe am Montag ja im Altonaer Hospiz gearbeitet und bin so gegen halb sieben vom Altonaer Bahnhof aus mit dem Bus über die Reeperbahn nach Hause in die Neustadt gefahren. Natürlich will ich nicht behaupten, dass mir der Wolf gefolgt ist, aber es ist schon auffällig, dass er – etwas später allerdings – so ziemlich dieselbe Strecke zurückgelegt hat. Er wurde nach dem Vorfall in der Einkaufspassage in der Altonaer Großen Bergstraße noch auf St. Pauli, an der Feldstraße und an den Messehallen gesehen. Und dann, schon am späteren Abend, von der Polizei am Jungfernstieg aus der Binnenalster gefischt. Die Feldstraße und die Messehallen sind nur einen Katzensprung von meiner Straße entfernt, die Ecke Jungfernstieg/Neuer Jungfernstieg nicht viel weiter. Ich habe den Wolf aber – zum Glück vermutlich – nicht selbst gesehen und auch Fritty McFrittface behauptet, mit der ganzen Sache nichts zu tun zu haben. Inzwischen ist der Wolf in einer Einrichtung in Niedersachsen untergebracht, in der er aber nicht längerfristig bleiben kann. In Hamburg wird nun von Expert*innen und Verantwortlichen darüber beraten, was mit dem Wolf geschehen soll. Ich für meinen Teil hoffe sehr, dass die Jägerfraktion sich nicht durchsetzen wird, die den Wolf gerne tot sehen (oder selbst abschießen) möchte. Ein gefangenes Tier, das einen üblen Horrortrip durch die Großstadt hinter sich hat, zu töten, weil man partout keinen Ort finden kann, an dem man eine Entlassung in die Freiheit „verantworten“ könnte, wäre aus meiner Sicht ein selbstausgestelltes Armutszeugnis für die Entscheider*innen und schlicht größenwahnsinnig. Ein Adjektiv, das jedoch häufiger und häufiger auf Menschen sowie ihre Entscheidungen und Aktionen anwendbar ist.

Schön an der vergangenen Woche war, wie erwartet, das Hamburger Geburtstagskonzert von Klaus Hoffmann. Über zwei Stunden hat er für uns gesungen und zwischendurch ein bisschen gejammert, weil es eventuell doch anstrengend ist, solche Konzerte mehrere Abende hintereinander in unterschiedlichen Städten zu geben. Aber gut bei Stimme und Stimmung war er und das Publikum erwartungsgemäß dankbar und voller Sympathie für diesen Künstler, bei dem Poesie und Quatsch manchmal sehr dicht beieinanderstehen. Ich habe mich über einige meiner alten Lieblingslieder gefreut; er hat zum Beispiel „Berlin“ (letztes Stück des Albums „Was fang ich an in dieser Stadt?“) mal wieder gesungen, das in der Studioaufnahme von 1978 mit großem Orchester daherkommt, live aber meist ziemlich unplugged gespielt wurde. Am liebsten mag ich den Mitschnitt von seiner Konzert-Tournee im Jahr 1980, weil ich da in Hamburg natürlich live dabei war. Da sang er „Berlin“ als allerletzte Zugabe, als die Band schon in der Garderobe war und er nur mit seiner Gitarre noch einmal rauskam. Eigentlich ein schlichtes Lied, aber so atmosphärisch aufgeladen, gleichzeitig voller Spannung und total entspannt. Einfach ein ganz großer und unvergesslicher Moment, der rund drei Minuten dauerte.

Nun also Urlaub. Der große freundliche Mann und der kleine freundliche Hund sind schon gestern aus Bremen angereist. Frl. Leonie Mau hat schon einige Stunden mit dem Hund zusammen im Bett gelegen, natürlich mit einem Meter Abstand. Sie hat sich wirklich entspannt, was den Halbdackel angeht: Inzwischen macht sie beim Schlafen, während er auch in ihrem Bett liegt, sogar manchmal die Augen zu. Fritte findet den ganzen Trubel natürlich herrlich und jagt mehrmals täglich mit einem riesig aufgepuschelten Klobürstenschwanz durch die Wohnung. Immer in der Hoffnung, dass irgendwer mit ihm spielt. So kann es ruhig weitergehen, das finden wir alle. Ansonsten: Frohe Ostern, ihr Hasen!

von ganzem Herzen einen wirklich schönen erholsamen Urlaub wünsche ich
Frohe Ostern an Leonie Mau und Fritte Fritikowski und dein kleinen Hund und an die Menschen auch.
Schönen Urlaub.
Liebe Grüße
Andrea