Rechenaufgaben mit Kalorien

Mit der Abnehmspritze läuft es übrigens nach wie vor gut. Sogar die einzige gelegentlich auftretende Nebenwirkung, die mir schon einige Male das Leben schwergemacht hat, nämlich die Darmträgheit, die zu heftiger Verstopfung führt, ist besser, seit ich den Tipp mit dem Magnesium ausprobiert habe (Danke, Silke!).

Das Tempo, mit dem ich Gewicht verliere, hat sich anscheinend etwas verlangsamt. Ganz genau weiß ich das nicht, weil ich mich ja nicht wiege, aber die Tendenz ist deutlich erkennbar. Nach gut vier Monaten habe ich knapp zwei Hosengrößen verloren, dagegen ist doch nichts zu sagen. Bisher habe ich nicht das Gefühl, dass sich an irgendwelchen Teilen meines Körpers überschüssige Haut sammelt, und darüber bin ich sehr froh. Schönheits-OPs aller Art kann ich mir für mich einfach nicht vorstellen, aber schlabbernde Hautfalten mit Altersrunzeln stehen auf meiner Wunschliste doch ziemlich weit unten. Um diese nach Möglichkeit nicht auszubilden, spielt das Tempo, in dem die Fettpolster schmelzen, eine große Rolle: Je langsamer, desto besser für die Haut. Ich hoffe, das bleibt so.

Entscheidend für die Geschwindigkeit, mit der man abnimmt, ist das Kaloriendefizit, also die Kalorien, die man – ausgehend vom eigentlichen Energiebedarf, mit dem man weder zu- noch abnimmt – einspart. Den Energiebedarf kann man berechnen, man braucht dafür das Geschlecht, das Alter, die Größe und das Startgewicht (kann auch geschätzt werden). Zunächst berechnet man den Grundumsatz, das ist die Energiemenge, die man braucht, um zu liegen und zu atmen. Dazu kommt die für den jeweiligen Lebensstil bzw. das Aktivitätslevel benötigte zusätzliche Menge an Kalorien. Dann überlegt man sich, in wieviel Zeit man wieviel Gewicht verlieren möchte, und kann sich dann das notwendige Kaloriendefizit für diesen Plan berechnen lassen. Wobei Crashdiäten und mega-ambitionierte Pläne nach der Einschätzung von Expert*innen weder gesund noch vernünftig sind. Jedenfalls nicht für Menschen, die mehr als nur ein paar Pfunde verlieren möchten oder müssen. Menschen wie ich. Was wir brauchen, ist eine längerfristige Planung zur behutsamen Reduzierung des Gewichts. Wegen der Haut, der Restmuskelmasse (falls vorhanden) und auch der psychischen Komponente.

Der bekannte und extrem unbeliebte Jojo-Effekt, den fast alle übergewichtigen Menschen kennen, hat im Allgemeinen körperliche und auch seelische Ursachen, die sich oft nur mühsam auseinander sortieren und getrennt voneinander betrachten lassen. Stichwort: „Emotionales Essen“. Ich bin ja weder Medizinerin noch Wikipedia, also erkläre ich mir den Jojo-Effekt schlicht mit Druck, den Körper und Seele im Verlauf einer Diät aufbauen und der sich vorzugsweise entlädt, sobald man die Regeln für die Ernährung nur ein bisschen lockert. Nicht umsonst sagen viele diäterfahrene Menschen, dass das Abnehmen oft bedeutend leichter sei als das erreichte Wunschgewicht im Anschluss an die Reduktionsphase auch zu halten. Auch im Zusammenhang mit der Abnehmspritze wird viel über diese Problematik gesprochen. So kommt auch die Behauptung zustande, dass man das in der Spritze verwandte Medikament lebenslänglich weiternehmen müsse, um nicht wieder zuzunehmen.

Die Warnung vor dem Jojo-Effekt nach dem Absetzen der Abnehmspritze ist sicherlich nicht ganz unbegründet. Jedoch: Als durchaus diäterfahrene Person – im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte habe ich mehr Diäten ausprobiert als mir lieb ist – habe ich auch mit dem Jojo-Effekt genügend Erfahrungen gemacht. Er ist real und ein ziemlicher Scheißkerl. Trotzdem ist es mir einige Male im Leben gelungen, mein Gewicht zu reduzieren und dann für einige Jahre zu halten. Nicht für immer, leider, da kamen mir dann doch durch emotionalen Hunger, Stress oder Nachlässigkeit ausgelöstes Überessen dazwischen. Eine veritable Essstörung, würde ich von meinem heutigen Standpunkt aus sagen. Die aber im Laufe der letzten Jahre sehr an Vehemenz verloren hat und vielleicht mittlerweile mehr oder weniger abgearbeitet ist. Was mir geblieben ist, sind schlechte Gewohnheiten bezüglich meiner Ernährung und die Sache mit dem „Essen als Belohnung“. Mit beidem, so meine mit Hoffnung gekoppelte Erfahrung, kann man einen Umgang finden. Glaube ich einfach mal, bis zum Beweis des Gegenteils. Und falls der Druck nach dem Absetzen der Spritze irgendwann doch zu groß ist, dann gibt es den Wirkstoff bis dahin hoffentlich auch in Tablettenform, günstiger und leichter zu portionieren. Und dann nehme ich eben die notwendige „Erhaltungsdosis“, so wie die morgendliche Tablette für den Blutdruck und andere Dauermedikamente, an die man sich gewöhnt.

Um ein Kilo Gewicht zu verlieren, muss man übrigens rund 7.000 Kilokalorien einsparen. Das sind zwölf Tafeln Schokolade, sieben Pizzen Margherita, mindestens 70 Äpfel oder 20 Kilo Möhren. Tatsächlich habe ich seit Anfang November keine Pizza mehr gegessen, vorher allerdings auch nicht besonders oft. Schokolade auf der anderen Seite – oder irgendeinen anderen Süßkram – jedoch mehr oder weniger täglich und in durchaus ansehnlichen Mengen. Wenn ich mir jetzt, leicht vereinfacht, mal vorstelle, dass ich seit vier Monaten täglich 600 Kilokalorien in Form einer Tafel Schokolade eingespart habe, also – kreisch! – rund 120 Tafeln Schokolade, auf die ich verzichtet habe, dann stimmt das mit den zwei Hosengrößen bzw. ungefähr 10 Kilo Gewichtsverlust ja sogar so ungefähr. Wahnsinn.

Im Umkehrschluss bedeutet diese Erkenntnis auch, dass es eigentlich genügen müsste, auf Süßigkeiten mehr oder weniger zu verzichten, um weiter abzunehmen bzw. später nicht wieder zuzunehmen. Da man sich die Vorliebe für Süßes aber definitiv abgewöhnen kann – ich merke ja schon jetzt, dass meine Wahrnehmung sich in dieser Hinsicht sehr verändert hat – bin ich eigentlich voller Hoffnung, was meine Ernährung in der Zukunft angeht. Mal davon abgesehen, dass diese noch in weiter Ferne liegt. Erstmal müssen mindestens noch 70.000 Kilokalorien eingespart werden. Ob das nun vier oder sechs oder acht Monate dauert, ist mir eigentlich egal. Der Weg ist das Ziel.

Lesen Sie demnächst: Wieso sinkt der Kalorienbedarf beim Abnehmen auf die Dauer? Wie viele Kalorien hat ein veganer Döner? Was ist eigentlich so schlimm an Zucker-Ersatzstoffen?

3 Kommentare

  1. Ja, das mit dem emotionalen Überessen kenne ich auch..
    Da eine „Ersatzbefriedigung“ zu finden, ist schwer. Aber ich arbeite dran!!
    Vielen Dank in Deine wöchentlichen Einblicke dafür!!

    1. Der Beitrag ist für die Katz.
      Wie geht es deinen felligen Freunden?

      Wie wäre es damit, die Themen Gewicht und Katzen/Hund zu trennen?

      Laut dem Titel handelt der Blog von Haustieren. Ich freue mich, etwas über die beiden zu lesen.

      Liebe Grüße

      Andrea

  2. Glücklicher Mensch = glückliche Haustiere. Und das mit dem Leckerbissen reduzieren ist für beide Seiten schwer. Wobei Katzen noch das Druckmittel ungeahnter Lautstärke und Oktaven haben.

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