Stoppis Adventsgeschichte 2021. Teil 1.

Hallo und herzlich willkommen zu meiner Adventsgeschichte 2021. Wie Sie sehr bald bemerken werden, handelt es sich um reine Fiktion, die mit dem sogenannten wirklichen Leben nichts, gar nichts zu tun hat. Was der Dynamik deutlich zugute kommt, wie ich in aller Bescheidenheit anmerken möchte. Also: Nehmen Sie Platz, einen Keks und Anteil an den inneren und äußeren Dialogen einer Person – na gut, nennen wir sie Frau – und ihrer flauschigen Mitbewohnerin göttlicher Herkunft – nennen wir sie der Einfachheit Katze. Und schon geht es los. Viel Vergnügen wünscht
Ihr
Stoppi in the Name of Love

K: Was ist nur wieder mit der Frau los? Heute Morgen war sie schon unausstehlich, dann war sie stundenlang weg und nun kommt sie nach Hause, um weiter schlechte Laune zu verbreiten? Sie riecht nach Stress, Verzweiflung und Erschöpfung. Nicht angenehm. Aber was soll ich machen? Ich war hier den ganzen Tag alleine und das war langweilig. Wenn ich noch länger schönheitsschlafe, dann blende ich alle, die mich sehen, mit meiner Erscheinung so sehr, dass sie mich nicht mehr sehen. Alle? Na ja, die Frau. Mehr Menschen kommen hier ja gar nicht rein. Jedenfalls will ich als pflichtbewusste Hauskatze sie ein bisschen aufmuntern, steige ihr also freundlich schnurrend auf den Schoß, da schubst sie mich doch glatt wieder runter und sagt, sie muss erst duschen. Vorher kann sie sich nicht entspannen. Okay, denke ich, dann geh duschen, ich warte hier auf dich. Aber denkste, Puppe, sie steht nicht auf, sondern bleibt klebrig und müffelnd auf dem Sofa hocken und glotzt auf ihr Smartphone. Und ich???

F: Uff. Endlich zu Hause und auf dem Sofa. Puh, ich stinke. Muss duschen. Gleich. Erst einen kleinen Moment sitz… Ah, die Katze. Hallo Süße, das ist lieb, dass du kommst, aber bitte nicht auf den Scho… nein, geh weg. Sitz neben mir. Ich muss erst duschen. Das war so ein grässlicher Scheißtag, den muss ich erst abwaschen. Und dann machen wir es uns gemütlich. Schade, dass du mir kein Abendbrot machen möchtest. Ich wette, du könntest das, wenn du nur wolltest. Aber nein, du bist die Prinzessin und du möchtest bedient werden, auch wenn du den ganzen Tag nur auf dem Sofa rumgelegen hast. Nicht mal Staub gesaugt ist. In meinem nächsten Leben werde ich Katze. Nein, nicht auf den Schoß. Ich sagte doch, ich bin auf dem Weg ins Badezimmer. Muss nur noch ganz schnell eben Twitter checken.

K: Twitter checken. Ich glaube, ich spinne. Als ob die nicht ohne dich zurecht kämen! Und als ob du die App nicht die ganze Zeit im Büro laufen gehabt hättest. Das sehe ich doch an den Interaktionen. Ich bin ja nicht blöd. In meinem nächsten Leben werde ich Me… du stehst auf? Hey, das ist eine gute Idee, aber vielleicht könntest du vor dem Duschen noch eben mit mir in die Küche und mich füttern? Und erzähl mir nicht wieder, dass du auch Hunger hast. Dafür bin ich nicht zuständig. Das steht nicht in meinem Vertrag.

F: Kannst du mal aufhören, mir vor den Füßen rumzulaufen? Hast du denn das Futter, das ich dir beim Heimkommen vor zwanzig Minuten gegeben habe, überhaupt aufgegessen? Nein, natürlich nicht. Aber Nachschub fordern. Schrei mich nicht an, ich kann dich sehr gut hören. Das gelbe Tütchen oder das rote?

K: Das gelbe Tütchen, bitte. Und in einem sauberen Napf und nicht einfach auf die uralten Reste von vor zwanzig Minuten. Und klapper nicht so laut mit dem Geschirr, ich bin eine Katze und schreckhaft. Und beeil dich mal! Wie lange kann man denn brauchen, um eine Portion Katzenfutter in einen Napf zu tun? Was soll das heißen: Du kriegst das Tütchen nicht auf? Wozu hast du eigentlich diese Hände mit den Wunderdaumen? Meine Güte. So viel Zeit wie du möchte ich auch mal haben!

F: Wie hysterisch kann man eigentlich sein? Wie lange machen wir das mit der Essensübergabe jetzt schon? Und ist es schon ein einziges Mal schiefgegangen? Natürlich nicht. Aber du führst dich hier wirklich auf, als würde ich es mir regelmäßig im letzten Moment anders überlegen und dich dann doch nicht füttern. Als ob ich das jemals wagen würde. Meine Güte, so gut wie du hätte ich es gerne mal, wirklich. So, hier ist dein Zeug, Himmel, das stinkt aber auch ekelhaft. Guten Appetit, meine Süße.

K: Glaub ja nicht, dass ich Ironie nicht verstehen würde. Ich bin eine Katze, ich habe Ironie quasi erfunden. Und Sarkasmus sowieso. Und nun lass mich endlich in Ruhe essen. Wolltest du nicht duschen? Geh schon vor, ich komme gleich nach und stalke dich dabei! Omnomnomnom.

F: Endlich duschen. Ach, wie herrlich ist heißes Wasser. Könnte ich doch für immer hier bleiben und einfach nur Wasser über mich laufen lassen. Herrlich. So entspannend. Nichts mehr von dem Scheißtag erinnern und nicht mehr hören außer dem Rauschen des Wass… Was?

K: Miau! Was machst du da?

F: Ich dusche. Lass mich.

K: Ist das nicht unangenehm mit dem ganzen Wasser? Kann ich es auch mal versuchen?

F: Gehst du weg? Glaubst du, ich will lauter Katzenhaare an den Beinen kleben haben? Und im Abfluss. Ja, nun bist du nass. Das hast du nun davon. Sieh zu, wie du wieder trock…

K: Igitt, Wasser! Jetzt bin ich doch tatsächlich nass geworden, dabei wollte ich die Frau doch bloß ein bisschen ärgern. Sie ist aber auch ein Trampel. Da geschieht es ihr ganz recht, wenn ich mich jetzt in ihr warmes, weiches, trockenes Bett lege und mich in aller Ruhe wieder trockenputze. Ah, herrlich!

F: Liegst du etwa in meinem sauberen Bett, du blöde Kuh?

K: Natürlich. Was hast du denn gedacht? Komm doch und jag mich weg. Aber vielleicht solltest du dich erst abtrocknen.

F: Du verarschst mich doch!

K: Äh… ja…?

F: Weißt du, ein bisschen dankbar könntest du schon sein. Schließlich schufte ich mich den ganzen Tag in diesem elendigen Büro ab, muss nett zu lauter Volldeppen sein und bekomme dafür viel zu wenig Geld. Und das alles vor allem, damit du hier gemütlich im warmen Bettchen – meistens in meinem, obwohl du vier eigene Bettchen hast – rumliegen kannst und meckerst, wenn es nicht dreimal täglich warme Mahlzeiten gibt. Wirklich, so gut wie du möchte ich es auch mal haben.

K: Weißt du eigentlich, wie langweilig es hier tagsüber ist, wenn du nicht da bist? Kann ich was dafür, wenn du keine reiche Erbin bist, sondern für dein, naja mein Geld arbeiten musst? Ich warte hier den ganzen Tag darauf, dass du endlich nach Hause kommst und mich unterhältst. Und dann kommst du endlich und bist müde, hungrig, schmutzig und deprimiert. Ich würde dich ja aufheitern, wenn ich nicht so schrecklich hungrig wäre, weil du mich so gut wie nie fütterst. Und nie nimmst du mich mit ins Büro zu den Volldeppen – ich würde die schon einnorden und dafür sorgen, dass du mehr Geld bekommst. Auf dem Weg könnten wir Hunde beschimpfen und Mäuse fangen! In diesem Draußen ist so viel los und ich muss immer hier drinnen bleiben. Mann. Das ist doch gemein. Und dann heulst du auch noch jedes Mal rum, wenn du raus darfst. Wirklich, so gut wie du möchte ich es auch mal haben.

F: So, ich bin jetzt fertig und gehe aufs Sofa. Kommst du mit? Bitte! Du darfst auch bestimmen, welche Serie wir angucken.

K: Nö, keine Lust. Hier im Bett ist es sehr gemütlich und du kritisierst mich ja immer nur.

F: Nun komm schon. Bitte!

K: Pah.

F: Ignorierst du mich etwa, du undankbare Kröte?

K: Sprichst du mit mir?

F: Vergiss das mit den Kaustangen. Ich habe zwar extra welche gekauft, die mit dem Grillgeschmack, die du so gerne magst. Aber wenn du nicht mit mir auf dem Sofa sitzen willst…

K: Hallo, ich liebe dich, darf ich auf dir sitzen, ich liebe dich, wo sind die Kaustangen?

F: So nicht, Fräulein. Leg dich doch wieder ins Bett.

K: Kaustangen!

F: Vergiss es!

K: Du bist gemein.

F: Du bist gemein.

K und F: DEIN LEBEN MÖCHTE ICH HABEN!

F und K: WAS IST PASSIERT?

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