Wie spirituell ist Ihre Katze?

Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist, aber in den Zusammenhängen, in denen ich mich so bewege, werde ich gelegentlich auch nach hochnotpeinlichen Dingen gefragt. Zum Beispiel: Wie sieht es eigentlich mit deiner Spiritualität aus?

Ich antworte dann immer ganz automatisch: „Meine Kraftquelle ist Käsekuchen.“

Und wenn das nicht reicht: „Ich habe Katzen. Spiritueller als Katze geht ja wohl nicht.“

Sie kennen das. Katzen sind sowas von spirituell, die müssen das noch nicht einmal ständig erwähnen oder durch das Tragen von handgestrickten Wollsocken und das Benutzen von Deo-Kristallen unterstreichen. Sie können einfach so dasitzen, ihr Hinterbein in die Luft strecken und sich die Kehrseite putzen – und sie sehen dabei so übersinnlich und transzendierend und Heilkräfte verströmend aus, dass ihnen einfach niemand widersprechen kann. Selbst wenn sie beim Putzen vom Sofa fallen, können sie sich einfach auf sehr starke Energien im Raum berufen, denen sie vorübergehend schutzlos ausgeliefert waren.

Im Allgemeinen aber sind Katzen natürlich alles andere als schutzlos, was Energien angeht. Sie sind geradezu die perfekten Negative-Energien-Reinigungskräfte. Dazu benutzen sie statt Staubsauger und Feudel einfach nur ihre riesengroße Aura und ihren festen Blick, mit dem sie bisher noch jede Energie, die ihnen nicht genehm war, in Grund und Boden gestarrt und in ein wimmerndes Etwas verwandelt haben, das nur noch eins wollte: Weg hier.

Katzen sind auch die perfekten Krafttiere: Sie vereinen in sich Selbstbestimmung auch unter ungünstigsten Bedingungen, Sanftmut und Intuition. Von Katzen kann man Achtsamkeit lernen wie von fast niemandem sonst (außer vielleicht dem Dalai Lama). Und dass man sein Frühstück nicht unbewacht herumstehen lassen sollte.

Wie wir alle wissen, haben Katzen einen siebten Sinn, während wir Menschen froh sind, wenn wir unsere fünf Sinne so halbwegs gewinnbringend einsetzen. Katzen wissen immer alles schon, was man ihnen erzählt (jedenfalls behaupten sie das), und sie haben hellseherische Fähigkeiten („Du wirst jetzt gleich in die Küche gehen und mir ein, nein zwei Tütchen servieren!“). Sie wissen, wer vor ihnen hier war, und manchmal auch, wer nach ihnen kommen wird.

In vielen Kulturen und Religionen wird die Katze als heiliges Tier verehrt. Dort kann sie ihre Göttlichkeit ungehindert ausleben und es kommt zu so interessanten Ausformungen wie der altägyptischen Göttin Bastet, die aussieht wie eine Frau mit einem Katzenkopf. Im Buddhismus gelten Katzen quasi als die personifizierte Spiritualität und als FriedensbotschafterInnen.

Und wenn ich mir dann Frl. Leonie Mau angucke, die in ihrem Körbchen neben dem Ess-Schreib-Tisch schnarcht, und Frl. Lotte Miez, die in der Küche die Tütchen zählt, dann fällt mir wieder ein, dass dreifarbige Katzen (Glückskatzen) total eng mit der dreifaltigen Göttin verbunden sind (Weiß steht für die Jungfrau, Rot für die fruchtbare/blutende Mutter und Schwarz für die alte Frau/den Tod), also der allumfassenden (Mutter)-Göttin, die es in verschiedenen Kulturen in unterschiedlichen Gestalten gibt. Was eine weitere Antwort für die Frage wäre, warum dreifarbige Katzen (fast) immer weiblich sind.

Mit diesem ganzen (geheimen) Wissen mein Sofa und mein Bett zu teilen, macht mich doch per se zu einer spirituellen Person, oder?

Natürlich könnte ich Ihnen noch viel mehr über dieses spannende Thema erzählen, aber der Käsekuchen ist fertig und ich muss mal was für meine nachlassenden Kräfte tun. Erzählen Sie doch mal inzwischen: Wie halten Sie es mit der Spiritualität? Erkennen Sie in Ihrer Katze die Göttin? Käsekuchen mit Frischkäse oder Quark?

1 Kommentar

  1. Wenn dieser (sehr lecker aussehende) Halo-bekränzte Käsekuchen nicht spirituell ist, weiß ich auch nicht.
    Von den Katzen müssen wir ja gar nicht erst reden. Jegliche Verehrung ist naturgegeben. Zu Recht.
    Herzliche Grüße und viel Freude weiterhin beim Lernen (Einstieg ist es ja nicht mehr),
    Martina

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