Zweites Frühstück (ohne Kalorien) auf Katzenart

„Alle verrückt!“, murmelte Gottfritt Frittenfreude-Frittenkuchen. „Die spinnen doch, die Menschen!“

„Ich glaube, das sagen sie über uns auch“, kicherte Frl. Leonie Mau und kuschelte sich gemütlich in ihren Strandkorb, der im Schlafzimmer auf der Fensterbank stand und in den die blasse Morgensonne schien. „Zum Beispiel, weil du immer Zwölftonmusik-Koloraturen singst, wenn du mit dem Essen fertig bist. Oder weil ich ihr immer das Wasser wegtrinke, das sie sich gerade aus der Küche geholt hat, und dabei das Glas so heftig anlecke, dass es hinterher nach Katzenfutter schmeckt. Hihi.“

„Das ist doch pillepalle“, gab Fritte zurück. „Also, gegen das, was die Menschen sich so leisten.“

„Hast du wieder versehentlich die Zeitung gelesen oder eine Nachrichten-App geöffnet?“, fragte Leo interessiert. „Oder was meinst du konkret?“

„Nachrichten! Pah!“, rief Fritte entrüstet. „Das interessiert doch niemanden. Aber die nicht mehr ganz so dicke Frau hat mir gerade mein zweites Frühstück weggenommen.“

„Hast du wieder ein Kichererbsensandwich geklaut?“, fragte Leo amüsiert. „Dann setze ich mir lieber eine Maske auf.“

„Gar nicht!“, murrte Fritte mäßig erheitert, „aber ich habe mein Frühstück ausgekotzt. Gleich nach dem Essen. Es war also noch warm, roch noch fast gar nicht nach Kotze und ich wollte gerade meinen Pommespiekser aus der Bauchtasche holen, da hat sie es einfach mit Klopapier aufgeklaubt und im Klo runtergespült. So eine Gemeinheit.“

„Vielleicht hättest du es nicht auskotzen sollen“, meinte Leo, „du weißt doch, dass Menschen irgendwie komisch sind, wenn sie sehen, dass wir das dann einfach zweites Frühstück nennen und noch einmal essen.“

„Aber warum?“, fragte Fritte verständnislos. „Das ist doch ein genialer Diättrick, den sie ruhig auch mal probieren könnte. Ich meine: Zweimal frühstücken und nur einmal Kalorien zählen müssen!“

„Klingt wie ein Geschäftsmodell“, überlegte Leo. „Fast schon wie ein Werbeslogan. Eventuell könntest du mit der Idee reich werden. Das wäre nicht schlecht.“

„Glaubst du?“, fragte Fritte interessiert. „Aber wenn die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau uns immer unterbricht, wenn ich dir gerade meine Kampagne pitchen will, und meine Materialien konfisziert, kann das ja nicht klappen. Und so was will unsere Mami sein!“

„Unsere Adoptivmami“, korrigierte Leo, „und ich glaube, ihr wird einfach nur übel, wenn sie Katzenkotze sieht.“

„Dann nimmt sie gar keine Kalorien zu sich“, rief Fritte aufgeregt, „statt zweimal zu frühstücken. Mit der Methode könnte sie in kürzester Zeit die überhaupt nicht mehr dicke freundliche Frau sein! Ich glaube, ich bin da einer großen Sache auf der Spur! Wenn ich nur nicht so hungrig wäre. Was hast du eigentlich zum Frühstück gegessen, Leo? Willst du das alles für dich alleine behalten!“

„Vergiss es!“, sagte Leo mit fester Stimme. „Was bezahlt ist, bleibt drin. Und hier vor meinem Strandkorb wird schon mal gar nicht gekotzt.“

„Man kann ja mal fragen“, murmelte Fritte etwas beleidigt. „Dann verhungere ich hier eben still vor mich hin. Aber bevor ich vor lauter Hunger zu schwach werde, singe ich dir noch ein bisschen was vor. Miauauauahuuuaaaauuuiiiiauuuu.“

„Kannst du nicht melodischer singen?“, beschwerte sich Leo. „Von deinem Gejammer kann einem ja schlecht werden.“

„Wirklich?“, fragte Fritte interessiert und holte schon wieder tief Luft.

„Also, ich meine… äh…“, unterbrach ihn Leo hektisch. „Ich meine, taub kann man werden. Nicht schlecht.“

„Hmpf“, sagte Fritte frustriert. „Ich sehe schon, ich werde verhungern.“

„Okay“, ermutigte ihn Leo, „aber bitte nicht so laut.“

„Ich komm gleich zu dir in den Strandkorb!“, drohte Fritte. „Und dann durchsuche ich deine Bauchtasche auf vergessene Leckerlis.“

„Ich glaube, ich mache ein kleines Schläfchen!“, kündigte Leo an, ohne eine Miene zu verziehen. „Wegen der Verdauung, du verstehst. Bis später, Fritte.“

Enttäuscht beobachtete Fritte, wie Leo einen kleinen Paravent aus ihrer Bauchtasche holte und in den Eingang des Strandkorbs stellte. Dann rollte sie sich, geschützt vor Wind, Wetter und Mitbewohnern in Katergestalt, gemütlich zusammen und schloss die Augen. Es geht doch nichts über ein kleines Schläfchen nach dem Frühstück, dachte sie noch. Und: Hoffentlich findet Fritte zur Abwechslung mal eine Beschäftigung, die keinen Lärm macht oder dazu führt, dass das Haus evakuiert werden muss. Ich brauche jetzt wirklich ein bisschen Ruhe.

2 Kommentare

  1. Ein toller Beitrag.

    Herzliche Grüße an Leonie Mau und Fritte Fritikowski und an den kleinen Hund.

    So gemütlich ist es bei euch.

    Andrea

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