Aua. Mein Knie. Aber pssst.

Mein Knie tut weh. Aber so richtig. Leider das rechte, das „gute“ Knie. Gut natürlich nur im Vergleich zu meinem linken Knie, das sowieso hoffnungslos kaputt ist. Das rechte Knie, das im Gegensatz zu meinem linken Knie noch keine spektakulären Unfälle hatte („Wenn das Klo meinen Sturz im Badezimmer nicht gebremst hätte, wäre ich hin gewesen!“) und sich bis vor kurzem eigentlich auch ruhig und halbwegs kooperativ verhalten hat.

Aber vielleicht wollte das rechte Knie – so ähnlich wie Katze 2 – auch mal im Mittelpunkt stehen oder es hatte die Schnauze voll von schlechten und belastenden Schonhaltungen zugunsten von Knie 1 äh dem linken Knie. Jedenfalls tut es jetzt so richtig weh, unvermittelt und hässlich. Und durchgehend, Tag und Nacht. Auch wenn ich schlafe, muss ich alle halbe Stunde die Position wechseln, um mich nicht festzuliegen. Beim Aufstehen tut das Knie auch weh, die ersten paar Schritte sind immer die Hölle, dann wird es ein bisschen besser, bis irgendwann – wegen der angespannten Schonhaltung vermutlich – die Wade und der Fuß krampfen.

Tagsüber geht es mal besser und mal schlechter. In Bewegung bleiben ist im Prinzip gut, aber das Knie belasten ist nicht gut. Hm. Man sollte viel mehr in warmem Wasser liegen und träge mit Armen und Beinen wedeln. Alle weiteren Aktivitäten, die Fortbewegung beinhalten, überlege ich mir im Moment genau. Und wäge ab: Wenn ich abends zu Fuß nach Hause gehen muss, weil der Bus wegen einer Innenstadt-Demo nicht fährt, kann ich keine Einkäufe mitnehmen oder gar auf dem Weg noch einkaufen. Wenn ich einkaufe und Sachen zu tragen habe, muss ich ohne weitere Umwege zur nächsten Bushaltestelle und heim. Wenn ich zum Sport gehe und vorsichtig eine halbe Stunde im Pool hüpfe, muss ich einkalkulieren, dass mir am nächsten Tag alles weh tut – meine Kondition ist nicht besonders toll im Moment. Wenn ich im Büro im Laufe des Tages viele Treppen gehen muss, dann kann ich am Abend nicht noch fünf Kilo Katzenfutter nach Hause tragen. Auch nicht zwei.

Es ist ein bisschen wie die Geschichte mit den Löffeln: Man hat eine begrenzte Anzahl Löffel für den Tag. Jede Aktivität verbraucht einen oder mehrere Löffel. Irgendwann sind die Löffel alle und man fragt sich, wie man jetzt nach Hause kommt oder wo man, ohne sich zu bewegen, was zu essen herkriegt oder wie lange der Müll wohl noch auf dem Balkon lagern kann, ohne dass Aliens aus dem Sack kriechen.

Mein Freund, wenn er mich krauchen sieht, tut immer schrecklich vernünftig und fragt, ob ich nicht endlich mal zu Arzt gehen wolle. Und ich sage: „Auf gar keinen Fall.“

Das letzte Mal, als ich mein Knie (das linke, nach einem Glatteis-Unfall vor knapp zehn Jahren) einem Orthopäden zeigte – ein Knie das komplett blau war und ungelogen den doppelten Umfang hatte – wollte dieser mir nicht mal Krücken verschreiben. Er meinte, dass ich damit ja nur wieder auf die Fresse fallen würde. Er hat das Knie geröngt, eine Distortion und Arthrose festgestellt, ein Schmerzgel verschrieben und das war es. Keine weiterführenden Untersuchungen, keine Therapie. Nichts gegen die Flüssigkeit, nichts für den Knorpel. Noch nicht mal: „Nehmen Sie bitte erstmal fünfzehn Kilo ab, bevor wir hier reden!“

Damit hätte er ja vollkommen recht gehabt, das hätte ich ihm bestätigt. Und versucht zu erklären, dass Abnehmen – auch aus gesundheitlichen Gründen – nicht soooo einfach ist. Erst recht nicht, wenn man gerade keinen Sport machen darf. Und dass ich trotzdem ein Mensch bin, der sich mit Hilfe seiner unteren Gliedmaßen fortbewegt und der im Krankheits- oder Verletzungsfall den einen oder anderen guten Tipp brauchen kann.

Aber – so zumindest meine Theorie – der Orthopäde traut sich nicht, etwas über mein Übergewicht zu sagen, und deswegen sagt er sicherheitshalber gar nichts. Ich weiß nicht genau, was „passiv-aggressiv“ bedeutet, aber es fühlt sich genau so an.

Egal. Wer braucht schon Orthopäden? Bisher haben meine Knie immer irgendwann wieder aufgehört wehzutun, von alleine. Wie viel Schmerzgel und Heilerdeumschläge im Einsatz waren, war eigentlich unerheblich. Es hat nur einfach eine Weile gedauert, dann ging die Schwellung von alleine zurück. Ich hoffe auch diesmal darauf, dass es dem rechten Knie irgendwann langweilig wird, möglichst bevor das linke Knie wegen der ungesunden Schonhaltung auch anschwillt. Mal sehen.

1 Kommentar

  1. Nee, das ist auch keine Lösung. Gerade wenn Du vermutest, dass Du Dein Knie gerade schredderst wegen der Schonhaltung des anderen Knies, ist Physiotherapie (also wieder richtig gehen lernen) die einzige Option – und somit: ab zum Orthopäden! (Und das sage ich, die diese Fachdisziplin ebenso sehr verabscheut!)

    Capice?!

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