Ein Ausflug

„Was stinkt denn hier so?“, fragte Frl. Leonie misstrauisch und schnüffelte mit angeekeltem Gesicht.

„Diesmal bin ich es nicht!“, rief Frittopher Streetfritt empört. „Das ist die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau. Sie putzt das Badezimmer. Mit richtigem Putzmittel.“

„Igitt!“, rief Leo zurück. „Das ist ja wohl voll eklig. Ist das Jahr schon wieder um?“

„Sie putzt das Badezimmer nur einmal im Jahr?“, erkundigte sich der kleine freundliche Hund interessiert und hielt nun auch die Nase in den Wind, der durch die Wohnung strich.

„Natürlich nicht“, erwiderte Leo, die sich jetzt angewidert die Nase zuhielt. „Aber normalerweise benutzt sie ein Bio-Putzmittel, das nicht stinkt, dafür aber auch nicht wirkt. Und einmal im Jahr geht sie dann mit so einem fiesen Zeug daran, um den Dreck aus den Fugen zu bekommen, wie sie sagt. Mir tränen allerdings die Augen davon.“

Auch der kleine freundliche Hund wischte sich eine Träne aus dem Auge und sah sich zweifelnd in der Wohnung um. „Lasst uns auf den Balkon gehen. Oder noch besser: Nach draußen.“

„OH JA!“, schrie Fritte begeistert. „Wir machen einen Ausflug! Können wir zum CSD, Leo? Bitte?“

„Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du nicht queer bist, sondern schräg?“, fragte Leo streng. „Das ist ein großer Unterschied.“

„Aber… aber… guck mal, wie lieb ich meinen Kumpel Sean habe?“, versuchte es Fritte und versuchte, dem kleinen freundlichen Hund einen Arm um den Hals zu schlingen. Der kleine freundliche Hund sah dabei ein bisschen besorgt aus, sagte aber nichts. Vielleicht, weil er nicht so gut Luft bekam.

„Solange du ihn noch Kumpel nennst“, gab Leo geduldig zurück, „ist die Gefahr nicht so sehr groß, dass euch jemand für schwul hält, glaube ich. Wir könnten natürlich als Zuschauende hingehen, Fähnchen schwenken und den Demonstrierenden zujubeln.“

„Oh ja!“, rief Fritte entzückt. „Und auf dem Weg gehen wir noch bei dem neuen Pizzaladen vorbei. Ich habe nämlich schon wieder schrecklichen Hunger.“

„Das ist eine sehr gute Idee!“, stimmt der kleine freundliche Hund zu. „Mir knurrt auch schon wieder der Magen.“

„Von mir aus“, genehmigte Leo den Plan. „Aber nicht, dass ihr wieder zu viel esst und dann in allen Regenbogenfarben auf die Straße kotzt. Wenn hier jemand kotzt, dann bin ich das, und zwar Sommerfell… nee, Winterfell… nee, Sommerfell. Nee, warte. Keine Ahnung, irgendein Fell eben, das bei den Temperaturen des heutigen Tages nicht mehr passt.“

„Könntest du nicht stattdessen vielleicht dein Frühstück auskotzen?“, fragte der kleine freundliche Hund hoffnungsvoll. „Ich bin immer ganz aufgeregt, wenn du die ersten Zwerchfell-Hub-Geräusche machst, und dann ganz traurig, wenn wieder nur eine Haarwurst rauskommt.“

„Orrrr!“, machte Leo und beschloss, das Thema zu wechseln. „Also, wir gehen in zehn Minuten los. Bis dahin ist die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau von dem Stinkezeug im Badezimmer bewusstlos und wir können ganz entspannt die Tür nehmen, statt aus dem Fenster oder vom Balkon zu klettern.“

„Cool!“, rief Fritte und stand auf. „Ich ziehe nur schnell mein Paillettenkleid an.“

„Du hast ein Paillettenkleid?“, fragte der kleine freundliche Hund überrascht, aber fasziniert. „Würde mir so was auch stehen?“

„Vielleicht ist er schräg und queer“, überlegte Leo. „Könnte ja sein. Und vielleicht finden wir das heute heraus. Happy Pride allerseits!“

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert