Ein Brot ist ein Brot ist ein Brot.

Eines Tages werden die Ernährungswissenschaftler dieser Welt endlich herausfinden, dass Kohlenhydrate nicht die ungesunden Dickmacher sind, zu denen sie derzeit gerne erklärt werden, sondern unsere Freunde. Und dann schlägt meine große Stunde.

Ich war schon immer dick mit Kohlenhydraten. Nee, warte, das kam irgendwie falsch raus. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass Brot, Kartoffeln und Nudeln gut für mich sind. Und unverzichtbar. Ich mag sie und sie mögen mich. (So sehr, dass sie sich auf meinem Hintern und meinen Oberarmen ansiedeln und für immer bei mir bleiben.)

Als guter Twitterer bin ich natürlich in der Lage, in einer Notsituation auch mal Käse mit Käse zu überbacken, um nicht zu verhungern oder irgendein reizloses und nährstoffarmes Junkfood essen zu müssen. So ganz im Privaten allerdings würde ich lieber Nudeln mit Brot überbacken oder Kartoffeln mit Reis. Oder Brot mit Brot.

Brot. Ich könnte ins Schwärmen geraten über Brot. Frisches Roggen-Bauernbrot mit krustiger Kruste oder ein saftiges Schwarzbrot mit Sonnenblumenkernen. Laugenbrezeln. Pizzabrötchen. Oder noch warmes Ciabatta. Entschuldigung, ich muss mir kurz den Sabber abwischen.

Eine Mahlzeit ist für mich keine Mahlzeit ohne Brot. Na gut, Pizza und Kuchen gehen ohne, aber zu allem anderen esse ich sehr gerne noch ein bisschen Brot. Ja, auch zu italienischer Hartweizenpasta. Mein größter Kritikpunkt an asiatischem Essen ist, dass weder vorher noch dazu Brot gereicht wird.

Low-Carb-Diäten aller Art kommen für mich definitiv nicht in Frage. Schon nach etwa achtzehn Stunden ohne Kohlenhydrate fühle ich mich kraftlos und ohne jede Lebensfreude – völlig egal, ob ich sonst alle Leckereien dieser Welt zu mir nehmen darf.

Ich las jetzt zu meiner Überraschung, dass es auch High-Carb-Ernährungsprogramme gibt: Da isst man so viele Kohlenhydrate, wie man möchte, idealerweise viel in Form von Obst und Gemüse, aber auch in Form von Kartoffeln, Nudeln, Reis und Brot. Dafür spart man Eiweiß und Fett ein, wo immer es möglich ist (idealerweise setzt sich die High-Carb-Ernährung kalorienmäßig zu 10% aus Fett, 10 bis 20% aus Eiweiß und ansonsten aus Kohlenhydraten zusammen). Kombiniert mit viel Bewegung bzw. einem angekurbelten Verbrauch des Körpers kann man dann die Kalorienmenge unbedenklich auf 2.500 Kilokalorien täglich (oder noch mehr) erhöhen und auf die Dauer trotzdem an Gewicht verlieren.

Ich finde, das klingt eigentlich ganz sympathisch – mal davon abgesehen, dass es in der Weihnachtszeit schwierig sein dürfte, irgendwo Kohlenhydrate zu finden, die nicht mit Fett angereichert sind… aber ab Januar geht das ja vielleicht wieder. Und möglicherweise probiere ich das dann mal aus.

Und dann esse ich so viel Brot, wie ich kann. Zusammen mit viel Gemüse, etwas Obst und Nudeln. Ein- bis zweimal pro Woche vielleicht auch mit Reis, wenn wir asiatisches Essen bestellen. Aber vor allem Brot. Das wird schön. Vorausgesetzt, ich habe Brot. Denn – und ich bin mir der Tatsache bewusst, dass das schon irgendwie etwas beknackt klingt – ich bin leider komplett unfähig, regelmäßig Brot zu besorgen. Deswegen habe ich sehr häufig keins im Haus und muss dann eben doch Käse mit Käse überbacken.

Brot kaufen ist eine von diesen Sachen, die im Prinzip einfach sein sollten, sich zumindest in meinen Alltag nicht so ohne Weiteres integrieren lassen. Das liegt vor allem daran, dass ich meine anderen Einkäufe im Wesentlichen bei Edeka mache, denn meine Katzen essen am allerliebsten die kleinen gelben, roten und grünen Tütchen mit „Genuss-Happen“, die – weil Edeka-Eigenmarke – nur dort zu bekommen sind. Ich kann mein Katzenfutter also nicht mehr im Großgebinde alle paar Wochen im Zoo-Fachmarkt kaufen oder online bestellen, sondern trage es mehrmals wöchentlich in 100-Gramm-Tütchen mit der Hand nach Hause. Die Katzen wollen es so und – Sie kennen das ja! – Diskussionen mit Katzen über das, was sie essen oder nicht essen, sind ungefähr so sinnvoll wie Diskussionen mit den Sommerreifen darüber, warum sie im Keller immer im Weg liegen, wenn man mal an den Karton mit den Farbresten möchte.

Bei Edeka gibt es vieles, was ich sonst noch so brauche – aber kein vernünftiges Brot. Abgepacktes und vorgeschnittenes Brot mag ich nicht und das sogenannte Frischzeug, das man sich selbst mit der Zange aus wieder zuklappenden Plexiglasbehältnissen fischen muss, ist abends, wenn ich komme, im Allgemeinen entweder ausverkauft oder so pappig, dass ich immer denke, dass ein Stück von der Ladendeko in die zum Verkauf stehende Ware gefallen ist.

Lustigerweise befindet sich in der Nachbarschaft der von mir frequentierten Edeka-Märkte auch kein richtiger Bäcker, dem ich mein Vertrauen schenken möchte. Ich muss also einen Extra-Weg machen, um Brot zu kaufen. Auf meinem täglichen Weg liegen zwei potenzielle Brot-Quellen: Der Drogeriemarkt meines Vertrauens, Budnikowsky, verkauft Bio-Lebensmittel der Alnatura-Kette, die wiederum Brote der in Niedersachsen ansässigen Bohlsener Mühle anbietet. Das Sonnenblumenbrot aus dem Sortiment mag ich richtig gern und es schmeckt auch mehrere Tage lang halbwegs frisch und saftig – was ja in einem Singlehaushalt nicht ganz unwichtig ist. Leider bin ich wohl nicht die einzige Kundin, die dieses Brot schätzt – es ist oft schon ausverkauft, wenn ich komme.

Die andere Möglichkeit bietet sich in Form der guten, alten Hamburger Stadtbäckerei, an deren Hauptquartier ich täglich vorbeilaufe, weil es quasi im Hinterhof der Staatsoper liegt. Hier gibt es ein Bauernbrot mit 80% Roggen und Sauerteig, das sogar in geschnittener Form (und man kann sich dort auch ein halbes Brot schneiden lassen oder es sogar scheibenweise kaufen) mehrere Tage essbar ist. Das Bauernbrot ist selten ausverkauft, aber leider ist der Laden oft so voll, dass ich mich nicht überwinden kann, ihn zu betreten und das Ende der meist verworrenen und mehrmals verknoteten Schlange zu suchen. Dann denke ich: „Ach, das mache ich später, wenn ich wieder hier vorbeikomme!“ – und das war es dann mit dem Brot. Schließlich habe ich ja dran gedacht. Das nächste Mal denke ich dann dran, wenn ich ohne Brot in meiner Küche stehe.

Vor ein paar Jahren hatte ich mal einen Brotbackautomaten und habe versucht, mein Brot selbst zu fabrizieren… damit immer was da ist. Leider – das ist zumindest meine Erfahrung – schmeckt Brot aus dem Brotbackautomaten auch nur, wenn es ganz frisch ist. Am nächsten Tag kann man froh sein, wenn man noch irgendwo im Park eine Ente (die meist aus ländlichen Bezirken zugewandert ist), die die gummiartigen Würfel gutmütig annimmt.

Also, Sie haben einen Eindruck. Im Großen und Ganzen, denke ich, wenn ich heute Morgen etwas ausgeschlafener wäre, könnte ich ganz leicht herleiten und begründen, dass ich nur deswegen zu fett bin, weil der Bäcker in meiner Straße immer schon um 17 Uhr schließt. Was heißt ausgeschlafener? Ich bin ausgeschlafen. Die mangelnde Gedächtnisleistung lässt sich also vermutlich auf Unterzuckerung zurückführen und diese wiederum auf die Tatsache, dass ich wie immer kein Brot im Hause habe. Obwohl ich gestern groß einkaufen war und mit Katzenfutter, Bier und Äpfeln bestens versorgt bin. Meine einzige Hoffnung ist, dass mein Freund dies hier liest und bald mit Brötchen vorbeikommt. Ansonsten: War schön mit Ihnen… Ich bin… leider zu schwach zum Schreib…

3 Kommentare

  1. Ach je, ich habe absolutes Mitleid mit dir. So ohne Brot täglich das ist für mich auch ein absoluter Albtraum /o\ ich hoffe doch das du heut noch Glück hattest und Brötchen bekommen hast 😉

    Einen schönen zweiten Advent
    liebe Grüße Aurelia

  2. Ich schwöre seit Jahren auf „Märkisches Landbrot“, aber die gibt’s, glaube ich, nur in Berlin – aber generell ist meiner Erfahrung nach Bio-Brot, vor allem die Sauerteig- und Backferment-Sorten, auch noch nach einigen Tagen richtig lecker! Ansonsten: für die Notfälle habe ich ein tolles Brotrezept (fast) ohne Arbeit und ohne Kneten und wahnsinnig lecker:
    Abends 320 ml lauwarmes Wasser mit 15 g Frischhefe (geht sicher auch mit Trockenhefe, Menge ausprobieren) vermischen, in einer Schüssel 400 g Mehl (nur weiß, oder halbe-halbe weiß/Vollkorn) mit 1-1,5 TL Salz mischen, Hefewasser-Mischung drauf (bei VK-Anteil etwas mehr Wasser), nur grob umrühren, Schüssel abdecken, ab in den Kühlschrank für mindestens 6-8 Stunden!
    Am nächsten Morgen den Ofen auf 250°C vorheizen – meiner Erfahrung nach dauert das am längsten an dem ganzen Rezept, bis der Ofen auf Temperatur ist – dann den Teig aus dem Kühlschrank auf ein bemehltes Brett fallen lassen (nicht kneten!), den Teig (durchaus etwas klebrig bis matschig) mit Schwung umdrehen, so dass er von allen Seiten bemehlt ist, den Kloß in drei Teile teilen und in drei baguette-artige Leibe auseinanderziehen. Ich bastele mir immer Baguette-Formen aus Backpapier, man kann Baguette-Formen auch kaufen – oder, nächstes Mal will ich ausprobieren, eine Portion in einer Kastenform, die nächste rund an den Rand meiner Springform zu packen und mit dem dritten Teil irgendwas anderes Kreatives zu machen, weil das Falten der Papierformen ein bisschen umständlich ist. Nach Bedarf mit Körnern oder ähnliches bestreuen, theoretisch können auch Kräuter in den Teig (dann schon abends mit dem Mehl vermischen) und die ganze Chose, je nach Herd, 10-15 Minuten bei 250°C backen – fertig, wenn der Laib beim unten Dranklopfen hohl klingt.
    Wirklich, wirklich ultralecker!! Und das schöne ist, dass Hefe und Mehl das „Kneten“ nachts im Kühlschrank selbst erledigen! Schmeckt frisch sehr gut und meiner Erfahrung nach auch noch Abends, lässt sich einfach einfrieren, habe auch schon öfters das Rezept halbiert oder verdoppelt, je nach Bedarf…
    Wenn man den Teig nach der Kaltführung (so nennt man das, glaube ich) mit etwas mehr Mehl vermengt, bis er eine knetbare Konsistenz hat, dann kriegt man übrigens einen superleckeren Pizzateig…

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