„Ich verstehe die Menschen nicht!“, beschwerte sich Mittelfritt von Frittelmitt lautstark. „Wozu soll denn so ein Feiertag gut sein, wenn er auf das Wochenende fällt, an dem du sowieso nicht arbeitest? Das ist doch Beschiss!“
„Ich weiß“, murmelte die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau düster. „das ist wirklich nicht schön. Aber im nächsten Jahr wird es noch schlimmer, da fallen noch mehr Feiertage auf ein Wochenende: Der 1. Mai ist ein Samstag, der Einheitstag und der Reformationstag sind Sonntage und die Weihnachtsfeiertage fallen auch auf Samstag und Sonntag. Entsprechend dann natürlich auch der 1. Januar 2028. Das ist wirklich gemein.“

„Gibt es nicht auch Länder, in denen solche ‚ausgefallenen Feiertage‘ dann am nächsten Werktag nachgeholt werden?“, fragte Frl. Leonie Mau. „Das habe ich irgendwo gelesen.“
„Wirklich?“, rief der kleine freundliche Hund. „Wo gibt es denn sowas?“
„Zum Beispiel in England“, sagte die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau. „Und in Spanien. Und in Italien bekommen Arbeitnehmende quasi für einen Tag mehr Gehalt, wenn ein arbeitsfreier Feiertag mehr stattfindet.“
„Wahnsinn!“, sagte der kleine freundliche Hund beeindruckt. „Und warum gibt es das hier bei uns nicht?“
„Weil dann der Bundeskanzler wieder weint und erklärt, dass wir sowieso alle viel zu wenig arbeiten in Deutschland und dass wir damit auf dem Weltmarkt nicht mithalten können. Wir arbeiten zu wenige Stunden in der Woche, gehen zu früh in den Ruhestand, haben zu viele Urlaubstage und sind auch noch so hinterhältig, uns krankschreiben zu lassen, wenn wir krank sind, um auch dafür noch unser Gehalt zu kassieren.“

„Tja“, sagte Leo mit einer Mischung aus Bedauern und Abfälligkeit, „der ist schon arm dran, der Bundeskanzler. Muss er persönlich dann das Defizit ausgleichen, das durch die Faulheit des deutschen Volkes entsteht?“
„Das könnte man meinen, wenn man ihm so zuhört“, stimmte die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau zu, „aber nein: Er muss das Defizit nicht ausgleichen. Er haftet nicht mit seinem persönlichen Vermögen für die Fehlentscheidungen der Bürgerinnen und Bürger. Er leidet nur ganz schrecklich darunter. Er würde wahrscheinlich am liebsten ein paar Feiertage abschaffen, die gerne auf Werktage fallen, wie z. B. Oster- und Pfingstmontag oder Himmelfahrt, was immer auf einen Donnerstag fällt.“
„Aber das kann er nicht, oder?“, fragte Fritte entsetzt. „Einfach so Feiertage abschaffen.“
„Nein, das kann er nicht einfach“, stimmte Leo zu. „Aber er kann es zumindest versuchen.“
„Bestimmt hätte ihm gefallen, was im Jahr 2008 passiert ist“, sinnierte die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau laut.

„Was ist denn im Jahr 2008 passiert?“, fragten die drei Nicht-Fellnasen wie aus einem Mund.
„Im Jahr 2008 fielen der 1. Mai und Himmelfahrt auf denselben Tag!“
„Wie kann das denn angehen?“, fragte Leo, die schon alle Krallen an ihren Vorder- und Hinterpfoten zum Abzählen benutzt hatte und die jetzt hektisch aufsah.“
„Ist Himmelfahrt nicht viel später als der 1. Mai?“, fragte der kleine freundliche Hund.
„Ist Himmelfahrt nicht gleichzeitig auch Katertag?“, wollte Fritte wissen. „Das wären ja dann sogar drei Feiertage gleichzeitig.“

„Das kann passieren“, erklärte die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau, „wenn Ostern, das sich ja bekanntlich nach dem ersten Vollmond im Frühjahr richtet, ganz früh stattfindet, so wie in diesem Jahr am 23. März. Dann fällt der Himmelfahrtstag, der ja immer an einem Donnerstag 39 Tage nach dem Ostersonntag stattfindet, auf den 1. Mai.“
„Da sparen die Arbeitgebenden ja richtig viel Geld!“, stellte der kleine freundliche Hund fest.
„Genau“, stimmte die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau zu. „Allerdings passiert das nur sehr selten. Das letzte Mal vor 2008 fiel Himmelfahrt im Jahr 1913 auf den 1. Mai – und der war da noch gar kein Feiertag.“
„Und das nächste Mal“, verkündete Leo, die inzwischen das Telefon der dicken freundlichen Frau in der Pfote hielt und angestrengt googelte, „gibt es diese Feiertagskollision erst wieder im Jahr 2160. Es dauert also noch ein bisschen bis dahin und dann gibt es vielleicht einen neuen Bundeskanzler oder besser eine Bundeskanzlerin.“
„Oder es gibt uns alle gar nicht mehr“, fügte der kleine freundliche Hund düster hinzu. „Jedenfalls, wenn wir so weitermachen.“

„Stimmt!“, sagte Leo. „Aber das viele Feiertage auf Wochenenden fallen, das passiert regelmäßig. Wie gesagt: 2027 wird in der Hinsicht sehr arbeitgebendenfreundlich.“
„Was mir an diesem Jahr und ganz konkret an diesem Wochenende so stinkt“, brummelte die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau, „ist nicht nur, dass ich am heutigen Feiertag sowieso nicht gearbeitet hätte. Sondern vor allem, dass ich morgen – am Sonntag! – arbeiten muss.“
„Und das, wo du schon am letzten Wochenende gearbeitet hast“, ergänzte Leo mitleidig. „Das ist wirklich nicht schön. Aber es geht auch vorüber. Und dann massiert Fritte dir die Füße und ich bestelle ganz viel Essen für dich!“
Die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau sah zu, wie Leo das Smartphone in ihrer Bauchtasche verschwinden ließ, und überlegte kurz, ob sie intervenieren sollte. Dann aber fiel ihr ein, dass sie am kommenden nicht arbeitsfreien Sonntag ja ohnehin ihr Dienst-Smartphone mitnehmen musste. Das sollte ja wohl reichen – und vielleicht, wenn Leo die zahlreichen Bestellungen, die sie sicherlich aufgeben würde, zeitlich gut hinbekam, würde auch schon ein köstliches Abendessen auf sie warten, wenn sie abends endlich nach Hause kam. Das war doch ein Gedanke, an dem sie sich festhalten konnte. Vielleicht sogar den ganzen Sonntag lang.

Habt einen schönen Sonntag Leonie Mau und Fritte Fritikowski und eure Menschin auch.
Wie ist das Wetter bei euch?
Bei mir: Sonnig und warm, nächste Woche soll es kühler werden.
Herzliche Grüße
Andrea
Schöne Geschichte, ich habe sie mit Interesse durchgelesen.