Flaute im Kopf (und im Blog).

Worüber würden Sie denn so bloggen, wenn Ihnen gerade überhaupt nichts einfällt?

Wenn sich in Ihrem Kopf idiotische Ohrwürmer wie „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich“ (weil die Leiterin der Trauerbegleitungs-Ausbildung uns das zum Abschied fast vorgespielt hätte) oder „Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen“ (weil ich neulich „Inas Nacht“ sah und die Fassung von Bully Herbig und Ina Müller echt lustig fand) abwechseln und jeden aufkeimenden Gedanken im Keim ersticken (und Sie so eine keimliche Wortwiederholung in der Eile gar nicht mehr bemerken). Wenn Sie im Job so viel zu tun haben, dass Sie davon so heftig bis in die Nacht verfolgt werden, dass Sie Ihre Träume eigentlich als Überstunden aufschreiben müssten. Gar keine schlimmen oder unerfüllbaren Aufgaben, aber sehr viele Kleinig- und Großigkeiten. Die meisten davon mache ich gerne … wenn ich nur dazu komme.

Wenn Sie kaum Gelegenheit haben, all die hastig hingekritzelten Notizen auf Zetteln, Unterarmen und Servietten auf eine vernünftige To-Do-Liste zu übertragen. Wenn Sie ständig in irgendwelchen halbtägigen Besprechungen herumlungern, die zwar interessant, aber auch extrem zeitraubend sind. Wenn Sie an zwei verschiedenen Standorten arbeiten, die gut zwanzig Kilometer voneinander entfernt liegen und von denen einer eher dürftig an das Netz des öffentlichen Nahverkehrs angeschlossen ist (wenn meine Kolleg*innen nicht so unfassbar großartig wären, mich ständig irgendwo einzusammeln und notfalls abends direkt vor die Haustür zu fahren, obwohl sie nicht im selben Stadtteil wohnen wie ich, wäre ich wohl schon in ein Schließfach am Hauptbahnhof umgezogen, um etwas Zeit zu sparen). Wenn Sie einen Job machen, der eigentlich für zwei Personen vorgesehen war und – irgendwann! – auch wieder von zwei Personen gemacht werden wird, von denen Sie idealerweise nur eine sind.

Wenn die Katzen Ihre Überforderung mit der Gesamtsituation spüren und sich unfassbar artig, pflegeleicht und zugewandt benehmen, um es Ihnen nicht noch schwerer zu machen. Das ist schön, wirft aber irgendwie auch kein Thema für einen Blogpost ab.

Wenn Sie irgendwann am Anfang der Woche denken: Ich sollte mir wenigstens schon mal überlegen, worüber ich überhaupt bloggen will! Und dieser Gedanke dann am Freitagabend wieder auftaucht, natürlich ohne dass Sie sich etwas überlegt hätten.

Worüber würden Sie denn dann bloggen? Na? Na?

Genau. Es tut mir ja auch leid, dass Sie nun an diesen unergiebigen Überlegungen teilhaben müssen. Ich verspreche, heute ein längeres Interview mit Jette und Jehan zu führen, und hoffe, die beiden haben gute Geschichten zu erzählen. Schließlich führen sie ein aufregendes Leben auf ihrem Bremer Sofa und ich bin auf dem Weg dorthin, also jetzt gerade. Mit etwas Glück haben sie einen Igel getroffen oder dem großen freundlichen Mann ein Stück Käsekuchen geklaut oder eine neue Serie bei Netflix entdeckt. Wir dürfen gespannt sein.

Wenn Sie eine gute Idee haben: Gerne her damit. Falls nicht: Haben Sie Geduld. Mein Hirn wird sich schon irgendwann wieder einkriegen. Bis dahin: Schönen Sonntag!

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