Fritte an Kichererbsen

„Was riecht denn hier so?“, fragte Edelfritt Frittundfisch und runzelte die Nase. „Das ist sehr unangenehm.“

„Ich fürchte, das bist du“, sagte Fräulein Leonie Mau, die sich schon seit mindestens drei Minuten äußerst damenhaft die Nase zuhielt. „Jedenfalls riecht es hier, seit du das Katzenklo benutzt hast. Ist alles in Ordnung mit deiner Verdauung?“

„Ich kann doch nichts dafür“, jammerte Fritte, während er Kopf und Hals reckte, um vorsichtig an seiner Kehrseite zu schnuppern. „Keine Ahnung, warum ich Durchfall habe. Aber ich habe mir allergrößte Mühe gegeben, alles einzbuddeln.“

„Ich weiß“, erwiderte Leo trocken, die sich gut an das minutenlang andauernde und möglicherweise sogar heftiger werdende Scharrgeräusch aus der Küche erinnerte. „Du hast dein Möglichstes getan. Aber eventuell reicht das nicht.“

Fritte hatte sein Hinterteil akribisch untersucht und erleichtert festgestellt, dass sein blütenweißes Fell nicht in Mitleidenschaft gezogen worden war. „Ekelhaft. Und ich habe keine Ahnung, woher das kommt.“

Leo lächelte etwas spöttisch. „Du glaubst nicht, dass das halbe Falafel-Sandwich, das du gestern geklaut und verschlungen hast, etwas damit zu tun haben könnte?“

„Natürlich nicht“, antworte Fritte mit Überzeugung. „Das hat köstlich geschmeckt und mir keinesfalls geschadet.“

„So so“, meinte Leo. „Und du bist sicher, dass dir Kichererbsen, Tsatsiki, Zwiebeln und Krautsalat nichts ausmachen?“

„Unsinn!“, sagte Fritte. „Bisher habe ich noch immer alles vertragen. Was sind eigentlich Kichererbsen und warum heißen die so?“

„Kicher kommt aus dem Lateinischen und heißt, dass dein Darm beim Verdauen unanständige Geräusche macht.“ Leo beobachtete Fritte aus dem Augenwinkel, während sie sich scheinbar völlig ungerührt die linke Vorderpfote manikürte. „Sie gehört zur großen und lautstarken Familie der Hülsenfrüchte.“

„Was du alles weißt!“, wunderte sich Fritte nicht zum ersten Mal. „Aber sie ist nicht giftig, oder?“

„Nicht, wenn sie gekocht wurde“, beruhigte ihn Leo. „Zwiebeln hingegen…“

„Was ist mit Zwiebeln?“, fragte Fritte, bemüht, sich seine Nervosität nicht anmerken zu lassen.

„Zwiebeln sind für Katzen giftig“, erklärte Leo, „und sie machen Mundgeruch. Örks.“

„Nun komm mir nicht mit Zähneputzen!“, giftete Fritte und grinste sein zahnloses Grinsen. „Das ist verschwendete Liebesmüh, was mich angeht. Und außerdem habe ich keinen Mundgeruch.

„Dann hast du wohl doch keine Zwiebeln gegessen oder nur ganz wenig.“

„Aber genug, um dauernd pupsen zu müssen“, murmelte Fritte, der seinem Hinterteil noch einen erzürnten Blick zuwarf, aufstand und sich einen anderen Sitzplatz suchte.“

„Nein“, verbesserte ihn Leo, die sich mit der frisch manikürten Pfote Luft zufächelte. „Das sind die Kichererbsen. Solange es nur das ist, ist es nicht schlimm und geht vorbei. Wir müssen nur darauf achten, dass das Fenster offen bleibt. Wenn du aber zu viele Zwiebeln gegessen hättest, wäre das nicht gut, das ist nicht gut für Katzen. Und für Hunde auch nicht. Aber das hast du dann wohl nicht. Ich weiß sowieso nicht, warum die immer alles essen musst, was du findest. Das Ding war doch in Alufolie eingewickelt, oder?“

„Äh ja… wieso?“, fragte Fritte. „Das ist doch kein Hindernis für einen entschlossenen und sehr hungrigen Kater wie mich.“

„Aber wieso warst du denn schon wieder so hungrig?“, fragte Leo. „Du hattest doch Frühstück und alles. Und die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau nicht. Sie hatte sich so auf das übriggebliebene Falafel-Sandwich gefreut und war so traurig, als fast nichts mehr davon übrig war.“

„Das tat mir ja auch leid“, gab Fritte zu. „Aber ich konnte einfach nicht widerstehen. Das ist der Straßenkater in mir, weißt du?“

Leo betrachtete Fritte, der sich auf einem weichen Kissen gemütlich eingerollt und seine unfassbar sauberen Pfoten angewinkelt hatte. „Wie du so lange auf der Straße überleben konntest, ist mir nach wie vor ein Rätsel.“

„Ich habe da nicht nur überlebt!“, behauptete Fritte mit Nachdruck. „Ich war der König der Straßenkatzen, der Begründer einer Dynastie. Du wirst sehen, eines Tages, wenn ich genügend Geld geklaut oder gespart habe, fahre ich mit einem leeren Bus runter nach Rumänien und hole ein paar von meinen Verwandten rüber. Da kann sich das organisierte Verbrechen in Hamburg warm anziehen.“

„Ich bin gespannt“, sagte Leo, „ob die alle so aussehen wie du, grau-weiß-kariert.“

„Natürlich, alle“, bestätigte Fritte. „Sogar die Hunde.“ Er verzog schmerzlich das Gesicht. „Ich glaube, ich muss schon wieder aufs Klo. Verdammte Kichererbsen!“

Leo unterdrückte ihr Kichern, bis Fritte aus dem Zimmer gehuscht war und aus der Küche das bereits bekannte Scharrgeräusch ertönte. Dann lachte sie einen Moment lang herzhaft und streckte sich entspannt auf ihrem Kopfkissen aus. Ein kleines Nickerchen noch, bis die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau nach Hause kam und es endlich Abendessen gab, das war doch noch drin!

3 Kommentare

  1. Schön, wie elegant Du „Der Kater hat mir mein Sandwich geklaut!“ beschreiben kannst! Immer wieder ein Genuss!!

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