„Haben sich die Menschen jetzt bald auf einen Film oder eine Serie geeinigt?“, fragte der kleine freundliche Hund leicht genervt. „Es kann ja wohl nicht angehen, dass wir immer nur die ersten zwei Minuten von irgendwas sehen und dann, wenn ich gerade kapiert habe, worum es geht, schon wieder was Neues suchen. So bekomme ich noch ADHS.“

„ADHS ist nicht ansteckend, soweit ich weiß“, meinte Frl. Leonie Mau, die ganz gemütlich in ihrer Kratzbaumkugel lag und nur mit einem Auge auf den kleinen Fernseher in der Zimmerecke schaute. „Und so ist das nunmal, wenn es gerade keine gute neue Krimiserie gibt und der eine Mensch dann gerne was Flaches mit Action gucken möchte und der andere Mensch gerne eine Literaturverfilmung mit schönen Kostümen. Wobei es irgendwann mal einen Film mit Jane Austen und Zombies gab – vielleicht wäre das was gewesen.“
„Ich will auch was Flaches mit Action!“, rief Kurt-Frittolin Frischfritt begeistert. „Von mir auch mit Zombies im schönen Kostüm und wer ist überhaupt Jane Austen?“
„Nicht dein Ding“, vermutete Leo. „Zu viel Dialog und mehr Action als ein Postbote, der nachts an die Tür klopft und alle aufweckt, gibt es auch nicht. DAS haben wir schon gesehen!“
Der letzte Satz von Leo war an die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau gerichtet, die wieder völlig planlos durch Netflix zappte. „Das sehe ich jetzt auch“, erwiderte sie. „Aber bei diesen kleinen Kacheln in der Galerie konnte ich das vorher nicht sehen.“
„Was eventuell damit zu tun hat“, mischte sich Fritte ein, „dass unser Fernseher ungefähr so groß ist wie das Display deines Smartphones.“
„Aber er funktioniert noch“, gab die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau zurück. „Da kann ich ihn doch nicht wegschmeißen!“

Der große freundliche Mann hatte inzwischen die kleinen Kacheln bei N*tflix verlassen und arbeitete sich durch eine öffentlich-rechtliche Mediathek. Da waren die Kacheln auch nicht größer, dafür aber blau unterlegt. „Hier, hattest du das nicht neulich erwähnt?“
Die nicht mehr ganz so dicke freundliche Frau und die drei Keinfellnasen kniffen die Augen zusammen und starrten auf den Monitor. „Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“, las die nicht mehr ganz so dicke Frau vor. „Ah, das ist die Doku über Element of Crime!“
„Von Charly Hübner“, ergänzte Leo. „Den hätten wir uns fast im Kino angeguckt.“
„Ich war noch nie im Kino!“, sagte der kleine freundliche Hund betrübt. „Können wir nicht mal ins Kino gehen?“
„Mit den Menschen?“, fragte Fritte misstrauisch. „Dann kriegen wir bestimmt nur Kinderfilme zu sehen.“
„Ich möchte lieber einen Katzenfilm“, wünschte sich Leo. „Kinder sind doch langweilig. Wusstet ihr übrigens, dass in ganz vielen Songs von Element of Crime Katzen vorkommen?“
„Wirklich?“, fragte Fritte interessiert. „Sind das die wahren kriminellen Elemente?“

„Zum Teil“, antwortete Leo ausweichend, die gerade an die zwanzig Katzen, die den Pitbull-Terrier im Erdbeerbeet ausbuhten, dachte. „Es gibt sogar ein Lied mit einer Katze im Titel. Und eine Playlist bei Sp*tify, die „Songs mit Katzen drin“ heißt.“
„Und was ist mit Hunden?“, fragte der kleine freundliche Hund, der sich ein bisschen abgehängt fühlte. „Haben die nichts über Hunde im Programm?“
„Doch, klar!“, versicherte ihm Leo. „Sogar mehrfach. Aber es gibt einfach mehr Katzen.“

„Die sind ja auch krimineller“, erläuterte Fritte. „Und was tun die so in den Songs?“
„Sich künstlerisch betätigen zum Beispiel“, erwiderte Leo:
‚Die Schildkröte wird sich
Im Garten verschanzen
Die Katze wird ihren Namen tanzеn
Und dann kommst du wieder ‘“
„Nicht schlecht“, fand Fritte, „wenn auch nicht besonders kriminell. Okay, lasst uns die Doku angucken!“
Zum selben Schluss waren offenbar auch die Menschen gekommen, denn sie ließen die Doku jetzt starten und setzten sich gemütlich zurecht. Sofort hüpfte der freundliche kleine Hund auch wieder aufs Sofa und setzte sich zwischen die Menschen. Fritte folgte und machte sich auf dem Schoß der nicht mehr ganz so dicken freundlichen Frau breit, während Leo, noch immer gemütlich in ihrer Kratzbaumkapsel, ihre Fernsehbrille aus der Bauchtasche holte. „Still jetzt!“
Die nächsten neunzig Minuten war tatsächlich Ruhe. Zwei Menschen und drei Haustiere schauten konzentriert die Doku auf dem klitzekleinen Fernseher der nicht mehr ganz so dicken freundlichen Frau. Was für die Qualität der Doku spricht (die übrigens noch eine Weile in der blauunterlegten Mediathek zu finden ist).

Damit der kleine freundliche Hund sich nicht so benachteiligt fühlt, könnte ihm jemand „Ich wünsch mir ne kleine Miezekatze“ von Wum vorspielen …
Netflix.
Interessant.
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Wie wäre es mit Cats/Aristocats oder einem anderen Katzenfilm?
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Herzliche Grüße an Leonie Mau und Fritte Fritikowski und den kleinen Hund.
Andrea