Lebensmittel retten. Die Mohnschnecken bitte zu mir.

Am Freitag habe ich mal wieder was gemacht, was ich schon länger nicht mehr getan hatte: Ich habe mit der App Too Good to Go eine sogenannte Magic Bag bestellt und mir damit mein Abendessen gesichert.

Sie kennen Too Good to Go? Nein? Dann lassen Sie mich sagen, dass das eine gut umgesetzte Idee ist: Restaurants, Imbisse, Supermärkte, auch Vertriebe – alle Institutionen, die Lebensmittel in irgendeiner Form anbieten – können ihre Reste über diese App vertickern, statt sie in den Müll zu werfen. Das können übriggebliebene Gerichte vom Mittagstisch sein, Reste vom Catering oder vom Frühstücksbuffet, aber auch Lebensmittel rund ums MHD oder Gemüse mit leichten Transportschäden. Sogar Bier, Tee oder Süßigkeiten. Die App zeigt an, was es wo wann gibt und was es kostet (und zum Vergleich den vermuteten oder realen Originalpreis). Meistens zahlt man ungefähr ein Drittel des normalen Verkaufspreises.

Vor der Pandemie habe ich die App gelegentlich genutzt, um mir in einem der in meiner Nähe befindlichen Hotels ein Frühstück zu kaufen. Ich wohne ja sehr städtisch und Hotels gibt es in Gehweite jede Menge. Die meisten davon haben ein recht anständiges Frühstücksbuffet, das bis zum Ende des offiziellen Hotelfrühstücks immer wieder aufgefrischt wird. Und dann ist das Hotelfrühstück vorbei und das Buffet noch da. Da kommt die App doch wie gerufen, hier macht man noch Menschen glücklich, muss nichts oder wenigstens nicht so viel wegschmeißen und bekommt sogar noch ein bisschen Geld dafür. Mit der App reserviert man sich vorher (manchmal empfiehlt sich, das schon am Abend vorher zu tun) seine Portion, zeigt dann im Hotelrestaurant sein Telefon vor, löst die Zahlung aus und bekommt dann eine To-Go-Verpackung und darf sich am Buffet nehmen, was man möchte.

So war es zumindest vor der Pandemie. Dann war natürlich erst einmal Schluss mit Buffets. Inzwischen gibt es wohl wieder solche Angebote, die interessieren mich aber im Moment noch nicht wieder, weil ich mich ja nicht irgendwo drängeln möchte.

Interessant sind aber nach wie vor die Magic Bags, die Restaurants oder Supermärkte fertig packen und die man sich dann kurz vor Ladenschluss nur kurz rausholt. Da kann man sich dann zwar die Inhalte nicht selbst aussuchen, dafür sind die Portionen oft sehr großzügig bemessen, weil einfach alle Reste auf die vorliegenden Bestellungen verteilt werden.

Was schön ist: Es gibt inzwischen wesentlich mehr rein vegetarische Angebote als vor zwei Jahren. Manche Supermärkte packen sogar explizit Gemüse-Tüten, Backwaren-Tüten und Sonstiges-Tüten. Da muss man nicht unbedingt eine unvegetarische Katze im Sack kaufen.

Nun ja. Ich hatte die App nun schon eine Weile nicht mehr genutzt, aber ab und zu mal reingeschaut, um zu checken, wer da inzwischen so was anbietet und ob mich davon was interessiert.

Und siehe da: Der neue Coffeeshop in meiner Straße, der zur Kette Copenhagen Coffee Lab gehört, macht bei Too Good To Go mit. Der Laden ist, so sagt die App, 24 Meter von meinem Sofa entfernt. Es werden dort Magic Bags für 3,30 Euro angeboten, der Originalverkaufswert der enthaltenen Teile wird mit 10 Euro angegeben.

Ich sollte vielleicht erwähnen, dass das Copenhagen Coffee Lab sehr gute Backwaren anbietet. Den Kaffee dort habe ich noch nicht probiert, weil es im Laden und vor dem Laden meistens recht voll ist und ich mich dann immer entscheide, mir meinen Kaffee in 24 Metern Entfernung dann doch einfach selbst zu kochen (wenn ich ein echtes Coffeeshop-Feeling brauche, trinke ich ihn dann aus meinen tragbaren Büro-Becher). Aber die süßen Teilchen und die Brötchen… omnomnom. Neulich musste ich noch nicht einmal etwas kaufen: Ich hatte nur ein dort gelandetes Paket abgeholt und bekam dazu eine Mohnschnecke geschenkt, die – was soll ich Ihnen sagen – so außerordentlich köstlich war, dass ich noch heute mit viel Liebe an sie denke. Brötchen haben wir dort am Wochenende schon häufiger geholt und auch die ganzen Brote (mit Sauerteig und so) sollen sehr gut sein.

Ich war also sofort Feuer und Flamme für eine Magic Bag. Es dauerte trotzdem einige Tage, bis ich dann wirklich zur Tat schritt. Eine Tüte voller Backwaren am Abend muss ja auch passen – nicht, dass ich nachher etwas wegwerfen muss. Und manchmal sind die Tüten für die Abend auch schon am Morgen ausverkauft.

Am Freitag aber war ich früh wach und es gelang mir, meine Magic Bag für den Abend zu reservieren. Abholzeit: 18.15 bis 18.30 Uhr. Ich stellte mir vorsichtshalber einen Wecker, war aber auch den ganzen Tag so voller Aufregung und Vorfreude, dass ich den Wecker gar nicht gebraucht hätte.

Da der Freitag sonst etwas chaotisch war, verpasste ich wegen verschiedener Telefonate die Gelegenheit zum Einkaufen. Ich hatte also kein Brot und auch sonst nichts richtig Abendbrottaugliches im Haus. Um so höher meine Hoffnungen auf die Magic Bag… sehr spannend.

Pünktlich um 18.15 Uhr betrat ich den Coffeeshop. Es saßen noch letzte Gäste an Tischen, aber hinter dem Tresen wurde schon fleißig weggeräumt und geputzt. Hinten auf der Arbeitsplatte konnte ich schon die aufgereihten Magic Bags sehen, eine ganze Reihe stand da. Ich war die zweite Kundin, die dem freundlichen Mitarbeiter die App vor die Nase hielt, unter seinen Augen klickte und swipte und dann eine randvoll gepackte Tüte erhielt, die fast nicht mehr zuging. Wow.

Schnellschnell trug ich meine Schätzchen die 24 Meter nach Hause und breitete sie in der Küche aus. Nochmal wow: Sieben Teile: 3 Brötchen, 3 süße Teilchen und ein Brot. Der Originalpreis für diese Tüte war mit Sicherheit höher als 10 Euro.

Das Brot wanderte zunächst in den Brotkasten. Zum Abendessen gab es die 3 Brötchen, die übrigens auch am Abend noch frisch und knusprig waren, und später eins der süßen Teilchen. Dieses entpuppte sich als Kardamomknoten, nicht allzu süß, aber von herrlicher Konsistenz und sehr würzig. Köstlich! Schon für dieses Abendbrot hätte ich gerne mehr als 3,30 Euro bezahlt. Auch die anderen süßen Teile und das Brot waren wirklich sehr gut – und ich bin in dieser Hinsicht wirklich anspruchsvoll.

Schauen Sie doch mal in die App, ob es da in Ihrer Gegend auch gute Angebote gibt. Klar, in der Großstadt ist die Wahrscheinlichkeit höher, aber es machen immer mehr Läden mit. In Bremen-Oberneuland sind die Möglichkeiten schon etwas weiter entfernt (und die guten Sachen in Bremen sind offenbar am Vorabend meistens schon ausverkauft, da muss man schnell sein).

Die Idee der App – Lebensmittel retten – ist super, finde ich. Es steht den teilnehmenden Betrieben ja frei, gleichzeitig auch übriggebliebene Lebensmittel an wirklich Bedürftige zu verschenken. Viele tun das auch, zumindest in Hamburg. Aber alles, was dazu führt, dass gute und brauchbare Lebensmittel nicht im Müll landen, ist gut und unterstützenswert. Zumindest sehe ich das so. Ich werde das Copenhagen Coffee Lab also wieder beehren. Zumindest solange, bis sie mir endlich eine Mohnschnecke in die Magic Bag packen.

4 Kommentare

  1. „Aber alles, was dazu führt, dass gute und brauchbare Lebensmittel im Müll landen, ist gut und unterstützenswert“
    Sorry hab nen Schreib (Sinn?)fehler entdeckt..
    Ansonsten stimme ich Dir voll und ganz zu!!

  2. Liebe Bettina,
    wir haben auch To Good To Go schon in Anspruch genommen.
    Einige male vom Backwerk, ein Cafe, das es auch in Bahnhöfen gibt.
    Man spart dadurch eine Menge Geld und rettet Lebensmittel. 2,50 für ein Teilchen ist ja auch nicht gerade wenig. ich finde das Angebot auch für Familien mit Kindern interessant.
    Liebe Grüße
    Gitte

  3. Danke für diesen Tipp. Habe mir die App gerade heruntergeladen. Wie zu erwarten war, ist das Angebot hier auf dem Land eher klein und ich müsste in den meisten Fällen in die nächste Stadt fahren. Aber ich werde das weiter beobachten. Vielleicht kommt ja noch einiges hinzu.

Schreibe einen Kommentar zu gitte Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.