Leo und die Frühjahrsdiät

Aus dem Tagebuch von Frl. Leonie Mau:

Der Frühling hat jetzt auch offiziell begonnen. Okay, während ich dies schreibe, wechseln sich draußen kurze Sonnenphasen mit heftigen Hagelschauern ab, aber der Frühling hat begonnen. Überall knospt und blüht es, so habe ich gehört.

Ich gehe ja nicht raus und der Busch in dem Knick vorm Wohnzimmerfenster blüht noch nicht und die Nachbarn gegenüber haben keine Blumen auf dem Balkon (was vielleicht damit zu tun haben, dass sie keinen Balkon haben). Wir haben auch noch keine Blumen auf dem Balkon, was aber viel mehr damit zu tun hat, dass der Balkon noch nicht frittensicher ist. Zwar gibt es ein Katzennetz am unteren Teil und auch zwei etwas instabile Netze an den Seiten des Balkons, also zwischen Säule und Hauswand, aber die fallen ab und zu ab, wenn das Haus zu tief atmet oder sich schüttelt oder was.

Ich habe ja auch schon mal versucht, über die Seitenteile über eine Stuckrose ein Stück lang an der Wand bis zum nächsten Fenster zu klettern, aber die dicke freundliche Frau hat mich bzw. mein Hinterteil gerade noch rechtzeitig erwischt (also, aus ihrer Sicht, aus meiner war ich einfach zu langsam) und dann hat sie da provisorische Abtrennungen installiert, die aber nicht halten. Früher hatte sie, so sagt sie, von ihrem Vater maßgeschneiderte Gitter aus weißlackiertem Holz, aber dann wurde die Fassade renoviert und danach passten die Gitter nicht mehr. Und an der renovierten Fassade hält das alles nicht so richtig gut, was sie seitdem angebaut hat.

Nicht, dass ich momentan wild darauf wäre, vom Balkon zu klettern. Meine Fassadenklettererinnentage sind vorbei, schätze ich. Schließlich werde ich dieses Jahr schon zwölf Jahre alt und ich bin doch deutlich gesetzter als früher. Was bestimmt überhaupt nichts, aber nicht mal annähernd damit zu tun habe, dass ich mir ein mittelkleines Wohlstandbäuchlein angefressen habe. Ein mittelkleines Wohlstandsbäuchlein, das in den letzten Wochen eventuell auf mittelgroß angewachsen ist. Na und? Der große freundliche Mann stellt immer so merkwürdige Berechnungen an mit Prozent des Körpergewichtes, die ich angeblich zugelegt habe, zweistellig möglicherweise, sagt er, aber was stört mich das? Außerdem hat er ja Jehans köstliches Trockenfutter hier angeschleppt, das die dicke freundliche Frau jetzt immer mit meinem neuen Diätfutter mischt (ja, sie ist Expertin, was Diätfragen angeht).

Wozu braucht eine zwölfjährige Katze, die in einer Wohnung wohnt, eine Bikinifigur, frage ich Sie? Eine Katze, die mit einem aufdringlichen Ex-Straßenkater zusammenwohnt, der offenbar erst nach und nach realisiert, dass seine Eier wirklich unwiederbringlich dahin sind?

Ich bin sicher, Sie werden mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass wir in diesem Zusammenhang nicht von Übergewicht sprechen, sondern von Kampfgewicht.

Fritz, der diese Woche unter dem Namen „Frittelbert Frittelby“ firmiert, ist gar nicht soooo ein übler Kerl, wie ich zunächst dachte, aber von ihm von der Seite anbaggern lasse ich mich ganz bestimmt nicht. Ich bin eine Single-Katze in den besten Jahren und das bleibe ich auch. Mit ein paar Gramm Hüftgold mehr oder weniger, das macht da überhaupt keinen Unterschied. Ich gefalle mir, so wie ich bin.

Allerdings – das sage ich jetzt nur Ihnen, bitte behalten Sie es für sich – werde ich ganz eventuell doch eine kleine Frühjahrsdiät machen müssen, weil ich sonst nicht schnell genug auf die Fensterbank hüpfen kann, wenn Frittelbert Frittelby wieder seine drolligen fünf Minuten hat. Was regelmäßig genug vorkommt. Er kennt dann keine Verwandten, sondern springt alles an, was atmet oder sich bewegt. Auch die dicke freundliche Frau kann davon ein Lied singen. Ein Lied, das ein bisschen nach Schmerzensschrei klingt. Ich glaube, sie hat ziemlich empfindliche Füße und mag es nicht, wenn jemand da seine Krallen reinsteckt.

Also, eine klitzekleine Frühjahrsdiät, so wie sie in diesen Frauenzeitschriften immer angepriesen werden: Man isst vier Tage lang nur grünes Gemüse und nimmt sieben Pfund ab. Oder umgekehrt. Egal. Ich muss ja gar nicht sieben Pfund abnehmen, höchstens ein Pfund. Das heißt, ich muss nur etwa einen guten halben Tag lang grünes Gemüse essen und schon ist die Sache erfolgreich erledigt, oder?

Was ist denn eigentlich grünes Gemüse? Katzengras kenne ich und dann diese komischen Gurken, die die dicke freundliche Frau immer isst, weil sie schneller zuzubereitet sind als Salat. Die riechen schon so muffelig und ich bin nicht ganz sicher, ob ich sie verdauen kann, aber das macht ja auch nichts, denn wenn ich Katzengras gegessen habe, spucke ich ja sowieso alles wieder aus, was noch im Magen ist. Das ist sicher auch gut für die Diät, oder? Und wenn ich dann gekotzt habe und einen halben Tag lang nichts gegessen habe UND TRAURIG GUCKE, dann fängt die dicke freundliche Frau bestimmt an, sich Sorgen um mich zu machen, und das heißt, zum Abendbrot gibt es die doppelte Portion und Leckerlis obendrein. Gar nicht so übel, so eine Frühjahrsdiät.

1 Kommentar

  1. Liebste Leonie, mach dir keine Gedanken um ein bissi Hüftgold. Du siehst super aus für deine 12Jährchen. Und ein stabiles Körpergewicht, Kampfgewicht wie du es nennst, kann nicht schaden. Musst halt nur schauen, dass es nicht viel mehr wird. Dann wird das auch kein Problem mit dem Hoch springen auf die Fensterbank. Liebe Grüße, auch an deine Futterfrau, von Manuela und nd den AlohaKatzen ☺️

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.