Mein Ehrenamt: Eine Märchenprinzessin.

Letzte Woche ist mein aktueller Hospizgast gestorben. Nicht unerwartet, aber sehr plötzlich.

Ich habe Ihnen bisher, obwohl ich meinen Gast seit ihrem Einzug ins Hospiz Anfang August regelmäßig besucht habe, nicht viel von dieser Begleitung erzählt. Und dabei hat sie mir sehr viel Freude gemacht… und meinen Horizont erweitert.

Sie – mein Gast war eine Frau – war eine Prinzessin. Eine verzauberte Märchenprinzessin. Märchenhaft und verzaubert waren auch die Stunden mit ihr.

Sie war eine Frau mit Down-Syndrom und hatte einige der typischen Begleiterscheinungen, vor allem aber einen schweren Herzfehler. Dieser machte sie in ihrer letzten Lebensphase bettlägrig und sorgte dafür, dass sie nicht alt werden durfte. Sie bekam ständig Sauerstoff über eine Maske und wurde trotzdem blau im Gesicht und an den Händen, sobald sie sich anstrengte oder aufregte.

Sie liebte Katzen und Eichhörnchen, das Sandmännchen, die Bäume draußen vor dem Fenster und ihre Adventskalender. Vor allem aber liebte sie Märchen.

Sie hatte ihre eigene Sprache und zum Glück viel Geduld, um ihren Mitmenschen deutlich zu machen, was sie gerade brauchte. Sie war lieb, aber sehr eigensinnig – sie wusste genau, wie die Dinge für sie zu sein hatten. Nach einer kurzen Zeit des Aneinandergewöhnens fand ich sie außerordentlich klar in ihrer Kommunikation. Auch wenn ich nicht jedes Wort verstand.

Sie hatte sich eingerichtet mit einer großen Kiste voller Stifte und ihrem Malblock und konnte stundenlang hingebungsvoll Szenen aus den Märchen, die wir ihr vorgelesen hatten, malen. Fast jeden Tag konnte ein weiteres Bild an die Wand ihres Hospizzimmers gehängt werden.

Wenn ich ihr nicht stundenlang aus Grimms Märchen vorlas, dann spielten wir. Sie hatte verschiedene Memory-Spiele, ein sehr schwieriges mit maritimen Gemälden, bei dem ich manchmal knapp gewann. Etwas weniger gemein war das Memory mit den Erdmännchen Henry und Jan. Obwohl ich immer haushoch verlor, wünsche ich mir jetzt doch dringend ein Erdmännchen zu Weihnachten.

Sie wusste, dass es nicht gut um sie stand, machte auf mich aber immer den Eindruck, als lebe sie gut mit dem Wissen, dass in ihrem Leben, wie ja auch in den meisten Märchen, der Tod allgegenwärtig war. Ich habe nicht mit ihr darüber gesprochen, aber ich glaube nicht, dass sie Angst hatte. Sie lebte komplett im Jetzt und Hier. Ohne Wenn und Aber. Mit Vertrauen.

Ich fühle mich geehrt und bereichert, weil sie auch mir vertraute. Weil wir so viel Spaß miteinander hatten und sie mich bei dem schweren Memory manchmal gewinnen ließ. Ich habe sicherlich nicht mehr alle Facetten ihrer Persönlichkeit kennengelernt, aber genug um zu wissen: Die vielen Einschränkungen, mit denen sie sich ihr Leben lang arrangieren musste, haben ihre Persönlichkeit und ihre schöne Seele nicht kleiner, nicht weniger großartig gemacht. Vielleicht sogar im Gegenteil. Sie war eine Märchenprinzessin, verzaubert aber echt. Ich werde die Zeit mit ihr nicht vergessen.

Falls Sie noch etwas Geld für einen guten Zweck einsetzen möchten…

Wo ich gerade bei meinem Ehrenamt und meinem Hospiz bin: Falls Sie noch eine Weihnachtsspende tätigen möchten und einen guten Zweck suchen… Das Hamburger Hospiz im Helenenstift wird umgebaut, es soll noch schöner und zweckmäßiger werden.

Ich zitiere hier einen Text von der Hospiz-Website:

MEHR RAUM FÜR LEBENSWERTE ZEITEN

Bei unserem Bauvorhaben geht es darum, das Hospiz als Ort der Begegnung erlebbar zu machen: Viele Angehörige und Freunde, Kinder und Enkel besuchen die Hospizgäste und finden nicht immer genug Platz – der räumliche Bedarf für Begegnungen am Lebensende steigt. So begegnen wir den Anforderungen in unserem Projektplan:

Im Zuge des Umbaus werden zunächst grundlegende Renovierungsmaßnahmen am Gebäude umgesetzt, u.a. Schäden an der Fassade behoben, Fußböden im Gebäude erneuert und der Brandschutz verbessert.

Kern der Maßnahmen ist jedoch die Vergrößerung unserer 16 Zimmer. Diese werden wir auf eine Größe von durchschnittlich 20 m² mit jeweils einem eigenen modernen Bad erweitern, sodass merklich mehr Bewegungsfreiheit zur Verfügung steht. Bisher teilten sich einige Gäste jeweils zu zweit eine Sanitäreinheit. Zudem werden wir weitere Balkone anbauen und eine neue, ruhig gelegene Terrasse schaffen. Im Erdgeschoss wird überdies ein Raum entstehen, der der lang erwarteten Erweiterung der ambulanten Hospizarbeit zu Gute kommen wird.

Ermöglichen wird dies ein Umbau im Bestand und ein seitlicher Anbau, der die architektonische Gestaltung unseres historisch bedeutsamen Gebäudes sensibel aufgreift und auch der Nachbarschaft wie der Kirche der Stille und der Nyegaard-Stiftung gerecht wird.

Mehr Infos finden Sie auf den Websites
www.lebenswerte-zeiten.de
www.hamburger-hospiz.de

Ich möchte nicht betteln, aber doch jede*n prinzipiell spendenwillige*n Leser*in ermutigen, mal zu schauen, ob das nicht ein passender guter Zweck sein könnte. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich – mit Ihrer Hilfe – dazu beitragen könnte, das gesteckte Ziel bald zu erreichen. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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