Miau. Die Wahrheit, die reine Wahrheit und nichts als… Miau.

Aufmerksame Leser wissen es: Am Wochenende gibt es bei mir nicht nur einen Blogpost, sondern auch zwei Miau-Dialogtweets. Diese erscheinen nicht zu einer halbwegs verträglichen Uhrzeit, sondern in den allerfrühesten Morgenstunden WEIL DAS NÄMLICH DER ZEITPUNKT IHRER ENTSTEHUNG IST.

Ich bin keine gute Schläferin, war ich nie. Ich wache oft zwischendurch auf (und meine Blase behauptet immer, sie habe nichts damit zu tun!), wühle furchtbar im Bett rum, ersticke gelegentlich an meinen eigenen Schnarchgeräuschen und habe nur wenige uneingeschränkt erholsame Tiefschlafphasen. Selbst in guten Nächten komme ich mit acht Stunden Schlaf gerade mal so aus.

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„Bist du wach? Nein? Du siehst aber wach aus!“

Die Katzen finden das ziemlich praktisch. Also, dass sie mich eigentlich nie mit viel Mühe aus tiefem Schlaf zerren müssen, wenn sie mal Lust auf einen kleinen Snack bekommen. Sie warten dann einfach die fünf bis zehn Minuten, bis ich mich das nächste Mal im Halbschlaf hin und her wälze. Dann reicht möglicherweise schon ein ganz leises Miau oder ein ganz kurzer tödlicher Blick, um mich vollends wach zu machen und auf den bestehenden Missstand hinzuweisen: Die armen kleinen Katzen haben schrecklichen Hunger.

Die armen kleinen Katzen haben eigentlich durchgehend schrecklichen Hunger. Und das immer. Sie schlafen ja tagsüber, wenn ich im Büro bin und die Mäuse für uns verdiene. Nachts freuen sie sich über meine Anwesenheit und nutzen jede Gelegenheit für Interaktion. Vor allem, wenn es um Snacks geht.

Die Miau-Tweets am Wochenende geben nur die Spitze des Eisbergs wieder. Im Grunde genommen führen wir die ganze Nacht lang immer wieder, etwa alle drei Stunden, solche Unterhaltungen. Und viele davon sind um einiges länger als 140 Zeichen. Gut, manchmal gibt es Gesprächspausen (wenn ich wieder einpenne oder Katze 1 beschließt, sich zwischendurch mal ein bisschen das Hinterteil zu lecken), aber im Grunde sind wir immer im Trialog miteinander.

Die Katzen teilen die Arbeit dabei übrigens, ihren Vorlieben und Abneigungen, entsprechend, untereinander auf: Katze 1 klettert auf mir rum, schnurrt mich liebevoll oder streng an, steckt mir die Zeigekralle ins Auge, die Schnurrhaare ins Ohr (was kitzelt) oder ihren Hintern in den Mund. Katze 2 rennt währenddessen durch die ganze Wohnung und schreit in regelmäßigen Abständen von etwa zwei Sekunden heiser: „Miau!“

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„Ja ja, meine Niedlichkeit ist eine tödliche Waffe. Aber das glaubt mir ja nie jemand.“

Sie können sich das ungefähr folgendermaßen vorstellen:

Vorsicht! Hier folgt der ultimative, ungekürzte Miau-Tweet!

„Miau.“
„Was ist?“
„Miau.“
„Du hast Hunger? Es ist viertel vor drei!“
„Miau.“
„Zeit für einen kleinen Snack?“
„Miau.“
„Anständige Katzen schlafen um diese Zeit!“
„Miau.“
„Anständige Katzen sind für uns kein Maßstab?“
„Miau.“
„Ich kann nicht. Lass mich.“

*dreht sich auf die andere Seite und zieht sich die Decke über den Kopf*

„Miau.“
„Hab‘ ich geschlafen?“
„Miau.“
„Kannst du mal aufhören, mir immer die Decke wegzuziehen?“
„Miau.“
„Wenn ich aufhöre, auf deinem Schwanz zu liegen? Den hast du mir doch mit Absicht unter die Schulter geschoben!“
„Miau!“
„Gegen die Schmerzen würde eine kleine Mahlzeit helfen?“
„Miau.“
„Orrr.“
„Miau.“

*steht auf, stolpert in die Küche, reißt ein Tütchen auf, verteilt den Inhalt in und neben zwei Näpfe, stolpert zurück ins Schlafzimmer, fällt falschrum ins Bett, hält das für eine kluge Taktik und schläft schnell wieder ein*

„Miau!“
„Ach, das ist ja schön, dass du mich gefunden hast!“
„Miau?“
„Entschuldige. Ich habe wieder vergessen, dass du mit Ironie nichts anfangen kannst.“
„Miau?“
„Oh. Natürlich verstehst du Ironie. Besser als die meisten Menschen. Ist klar.“
„Miau.“
„Und dieses Miau war ironisch gemeint?“
„Was soll das heißen, ich soll mich nicht über dich lustig machen?“
„Miau.“
„Du machst mich fertig. Essen?“
„MIAU!“

*steht auf, rennt gegen den Kleiderschrank, stolpert in die Küche, spritzt sich den größten Teil des Tütcheninhalts ins Gesicht, kippt den Rest irgendwo hin, dreht um, rennt gegen die Badezimmertür, fällt ins Bett und wimmert leise*

„Miau.“
„Hat’s geschmeckt?“
„Miau.“
„Eigentlich warst du schon satt?“
„Miau.“
„Das ist kein Wunder. Du hast heute Nacht auch schon zwei Tütchen gegessen.“
„Miau.“
„Das letzte Tütchen muss schlecht gewesen sein?“
„ÖRG ÖRG ÖRG…. HURRPFFFÖRKS.“

*Ja, das war das Geräusch einer kotzenden Katze. Einer ins Bett kotzenden Katze*

„Wer war das?“
„…“
„Ich mache jetzt das Licht an.“
„…“
„Ach so, ihr schlaft hier ganz friedlich. Und die Kotze hier auf der Bettdecke stammt von einer fremden Katze, die durch den Briefschlitz reingekommen ist?“
„Miau.“
„Und das Licht von der Nachttischlampe ist dir zu grell? Natürlich. Entschuldigung.“
„Miau.“

*steht auf, rennt gegen den Schrank und die Badezimmertür, holt eine Rolle Küchenpapier, rennt gegen die Badezimmertür und den Schrank, sammelt die Kotze notdürftig von der Bettdecke, fällt ins Bett und schließt erschöpft die Augen*

„Miau.“
„Wie, wo ich gerade stehe, kann ich dich auch füttern?“
„Miau.“
„Ein Witz? Ein Witz? Sehr lustig. Sehr, sehr lustig.“
„Miau.“

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„Da hast du dir ja was Lustiges ausgedacht, hm? Toll. Und nun füttere uns!“

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