Dass ich mein Abnehmspritzen-Medikament gewechselt habe, habe ich ja schon erzählt. Nachdem ich Mounjaro nun einen Monat lang ausprobiert hatte und meine Verdauung besser funktionierte, habe ich es mir kürzlich noch einmal aufschreiben lassen und besorgt. Außer dass Mounjaro noch 15 Prozent teurer ist als das auch nicht gerade billige Wegovy, hat es noch eine interessante Besonderheit: Der Pen wird ohne Nadeln geliefert. Die muss man extra kaufen. Begründung des Herstellers: Wir stellen keine Nadeln her, warum sollten wir sie also mitverkaufen? Was sich für mich liest wie: Uns doch egal, ob die Nutzenden das Dinge benutzen können oder nicht.
Natürlich wissen die Menschen, die in Apotheken arbeiten, dass Wegovy mit vier Nadeln für vier Injektionen kommt und Mounjaro ohne. Als ich meine erste Portion Mounjaro holte, fragte mich die Apothekerin also freundlicherweise, ob ich denn auch Nadeln bräuchte. Ja, richtig, sagte ich. Ich hatte das vorher zwar schon mal gelesen, hätte es aber im Moment des Kaufvorgangs vor Aufregung glatt vergessen. Aufgeregt war ich weniger wegen des Medikaments und eher, weil ich in einer sehr ungemütlichen Apotheke mit viel Gewusel relativ lange hatte warten müssen, bis ich endlich dran war und mein Rezept rüberreichen konnte. Abnehmspritzen gibt es ja nicht überall, sondern nur in einigen wenigen Apotheken (und im Internet natürlich, was aber für mich keine Option ist, weil das Medikament gekühlt werden muss und ich im Allgemeinen nicht zu Hause bin, wenn Paketboten aller Art klingeln).

Beim zweiten Kauf eines Mounjaro-Kwikpens nun fragte ich den mir immer etwas unheimlich vorkommenden Apotheker, der mein Rezept entgegennahm und schon mehrfach zwischen Kassenterminal und Kühlschrank hin- und hergelaufen war, ohne sich zu einer weiteren Aktion durchringen zu können, direkt nach Nadeln. Er nickte, ohne zu antworten oder gar zu lächeln, holte vier Nadeln mit Kappe aus einer Schublade im Ladentisch, tippte weitere 2 Euro in die Kasse und bot mir sogar noch Desinfektionstücher an.
Erst zu Hause und auch erst am Dienstagabend, als ich mir meine wöchentliche Spritze verabreichen wollte, fiel mir auf, dass die Nadeln, die ich mitgebracht hatte, anders aussahen als die, die ich vorher verwendet hatte. Die Nadel, deren Kappe ich entfernt hatte, war richtig, richtig lang, von mir spontant geschätzt etwa 1,5 Zentimeter (wie ich später erfuhr, war die exakte Länge 1,27 Zentimeter, also war ich relativ dicht dran), und sehr dünn.

„Ach du Schreck!“, sagte ich zu Frl. Leonie Mau, die mir beim Spritzen immer zur Seite steht (während Fritslav Frittoidze vorsichtshalber weggesperrt ist, damit er sich nicht einmischt) und auch mit großen und besorgten Augen auf die Nadel schielte. „Wie soll das denn gehen?“
Ich war relativ ratlos, denn der Gedanke, mir 1,5 Zentimeter Nadel in den Oberschenkel zu rammen, ließ mich definitiv erschaudern. Zumal der Mounjaro-Pen noch eine weitere Besonderheit hat, die ich bisher noch nicht erwähnt habe: Die Wochenportion, die man vor dem Spritzen einstellt, lässt sich nicht mal eben so mit einem kräftigen Knopfdruck injizieren wie beim Wegovy-Pen, sondern braucht mehrere Sekunden lang einen relativ konstanten Druck auf den Auslöser, während das Medikament wie in Zeitlupe aus der Patrone in die Nadel und dann unter die Haut gespritzt wird.
Ich war spontan zu gestresst und genervt, um zu googeln (dämlich von mir, ich weiß, zumal ich sonst immer alles erst googele, bevor ich zur Tat schreite), sonst hätte ich vielleicht gelesen, dass man eine längere Nadel nicht unbedingt senkrecht ansetzt, sondern eher in eine abgehobene Hautfalte spritzt. Was bei genauerer Betrachtung aber auch nicht hilfreich gewesen wäre, weil ich weder am Oberschenkel noch am Oberarm oder am unteren Bauch Hautfalten abheben oder hochziehen kann. Da hängt immer ein Klumpen Fett dran.

Ohne weitere Recherchen schraubte ich also die Nadel auf den Pen, desinfizierte eine Stelle auf meinem rechten Oberschenkel, stellte auf dem Pen die Portion ein, hackte mir die Nadel so mitteltief ins Bein, schrie „Aua!“ und versuchte, beständig und mit genau der richtigen Intensität auf den Knopf des Pens zu drücken, während ich mit der anderen Hand versuchte, die Spritze nicht näher an mein Bein zu bringen bzw. die Nadel nicht noch tiefer eindringen zu lassen. Aua. Es tat wirklich elendig weh.
Das nächste, was passierte, war, dass ich eine Flüssigkeit an meinem Bein herunterlaufen fühlte. Eine Mischung aus Blut und einer klaren Flüssigkeit, also Mounjaro, meinem Medikament, das 50 Euro pro Portion kostet. Fluchend versuchte ich, die Flüssigkeit mit dem Desinfektionstupfer aufzufangen, brauchte aber doch ein Taschentuch (ich wollte auch nicht, dass das Medikament irgendwo in der Wohnung landet, wo Fritte es auflecken kann). Um ans Taschentuch zu kommen, musste ich die Spritze aus meinem blutigen Oberschenkel ziehen. Davon blutete es gleich noch etwas mehr. Ein Blick auf den Pen ergab, dass noch ungefähr die Hälfte des Medikaments dort drin war.
Leise weinend und fluchend hackte ich mir also die Riesennadel wieder ins Bein und wiederholte die Prozedur. Wieder ging ein Teil des Mediments daneben und mein Oberschenkel fing an, sich durchlöchert zu fühlen. Beim dritten Anlauf bekam ich den Pen dann endlich leer und konnte mich daran machen, das Schlachtfeld zu säubern. Die Einstichstelle am Bein sah abenteuerlich aus. Ich klebte kurzfristig ein Pflaster drauf, brachte den Pen zurück in den Kühlschrank und überlegte, ob ich jetzt für die Riesennadel einen Extra-Gefahrgut-Entsorgungsbehälter brauche. Und natürlich auch, ob ich den Apotheker anschreien sollte, wenn ich morgen wieder in der Apotheke aufschlage, um mir die normalen Nadeln verkaufen zu lassen (die, so ergab eine spätere Recherche, nur 4 Millimeter lang sind). Danach entließ ich Fritte aus dem Wohnzimmer und ließ mich von ihm und Leo trösten und in den Schlaf schnurren.
PS 1: Die Einstichstelle sieht heute, fünf Tage nach der INjektion, noch immer sehr eindrucksvoll aus, finde ich.
PS 2: Natürlich hatte ich, um das Thema noch ein bisschen abzurunden, in der abgelaufenen Woche mal wieder an einem Tag Verstopfung. Vielleicht weil der Körper nicht genug Mounjaro bekommen hat? Fragen über Fragen.

Eine 100er-Packung „kurze“ Nadeln kostet bei A*azon ca 20 €.
Funktioniert.
Ich nutze Ozempic und meine Ärztin hat mir von Anfang an einen „großen “ Pen verschrieben, bei demnach meine Portion durch Klicks einstellen muss. Designed ist er für 4×1 ml Wochenportionen und am Anfang nimmt man nur 0,5 ml. 4 Wochenportionen kosten hier in Finnland das gleiche (ca 112€), egal ob man einen 0,25ml-pro-Woche-Pen braucht oder einen 1ml-pro-Woche-Pen. Dabei sind immer 4 Nadeln. In der Apotheke habe ich für 10 Extranadeln knapp 10€ bezahlt, da schaut man schnell nach Alternativen.
LG Claudia
Interessant, aber Leonie Mau und Fritte Fritikowski werden nur am Rande erwähnt.
Herzliche Grüße an Leonie Mau und Fritte Fritikowski und den kleinen Hund.
Andrea
Interessant. Wie lange ist denn der große Pen haltbar? Bei Wegovy/Ozempic gibt es hier auch Nadeln dazu, aber bei Mounjaro eben leider nicht. Ich muss da online nochmal gründlicher recherchieren. Danke dir!
Der Pen, den man hier in Finnland bekommt enthält maximal 4 x 1ml, also 4 Wochenportionen.
Wenn man weniger nimmt pro Woche, zb 0.5ml (36 Klicks, halbe Dosis), bekommt man 8 Portionen, also 8 Wochen.
Der Pen ist ohne Kühlung 56 Tage/8 Wochen haltbar. Ich bewahre den im Kühlschrank auf und das längste waren 9 Wochen am Anfang.
Im Internet findet man allerdings Berichte, daß auch noch nach 12 Wochen die Wirkung da war, wenn der Pen gekühlt war.
Liebe Grüße
Claudia
Ich würde die Nadeln auch online bestellen. Da hast Du einen Vorrat und genau das, was Du brauchst. Kein nerviges Nachfragen und günstiger könnte es auch noch sein. Die Dinger müssen ja nicht gekühlt werden.
Das habe ich überlegt und zunächst verworfen, weil bei den Versandhändlern, bei denen ich einen Account habe, irgendwie nur Gebinde ab 100 Stück verfügbar sind. Zumindest bei einer schnellen Recherche… Vielleicht muss ich das nochmal in Ruhe wiederholen. Danke für die Erinnerung!