Umzug mit Katzen (leicht gemacht).

Am Montag dieser Woche hatte mein Freund seine Besitzstände weitgehend in Umzugskartons verpackt und zwei kleine flauschige Katzen streiften sehr beunruhigt durch die sich verändernde und zunehmend ungemütliche Wohnung. Obwohl mein Freund seit Wochen die Transportkörbchen in die täglichen Vertrauensübungen und Leckerli-Fangspiele eingebunden hatte, war klar, dass es ihm nicht gelingen würde, Katze 4 (Kater 1) per Leckerchen in einen mit Feliway-Reisespray präparierten Korb zu locken UND SICH DIESEM KORB DANN WEIT GENUG ZU NÄHERN, UM DIE TÜR ZU SCHLIESSEN.

Und Katze 3 kam auch mit den köstlichsten Catsticks freiwillig nicht einmal in die Nähe eines Körbchens, auch wenn sie ansonsten eine zutrauliche und begeisterte Schoßsitzerin und Kampfschmuserin geworden ist.

Das Umzugsunternehmen war für den frühen Mittwochmorgen bestellt und uns war klar, dass die Katzen da schon aus der alten Wohnung raus sein und in der neuen Wohnung in einem Safe Room sitzen mussten. Nur wie wir sie da hinkriegen sollten, war uns nach wie vor nicht klar.

Ich kann Ihnen kaum sagen, wie erleichtert ich war, als mich am Dienstagvormittag dann plötzlich eine Nachricht erreichte: „Wir fahren jetzt los!“

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„WIR WOLLEN NICHT ZURÜCK INS TIERHEIM. Wir kotzen dir auch nie wieder in die Schuhe!“

Natürlich überlegte ich kurz, ob vielleicht Katze 3 diese Nachricht geschrieben haben könnte und mein Freund jetzt wohl gerade versuchte, sich aus einem viel zu engen Katzenkörbchen zu befreien. Aber nein, Fotos bewiesen es: Die Katzen waren verpackt. Und Blut konnte ich auf den Bildern nicht entdecken.

Wie ich später erfuhr, hatte mein Freund „einfach“ das Schlafzimmer, in dem die Katzen sich aufhielten, komplett mit Umzugskartons verrammelt, dann das Bett hochkant gestellt, sich eine dicke Jacke und Lederhandschuhe angezogen und mit einem nicht eleganten, aber effektiven Überrumpelungsmanöver erst Katze 3 und dann Katze 4 (Kater 1) geschnappt und eingekerkert. Halleluja!

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„Wo sind wir denn hier gelandet? Jehan? Jehan, bist du da?“

In der neuen Wohnung hatte er am Tag zuvor bereits die Küche mit Feliway und einem Haufen Katzenmöbeln vorbereitet. Die Küche ist ein vom Wohnzimmer zu erreichendes gefangenes Zimmer am Ende der Wohnung und wir hatten uns überlegt, dass die Katzen da von dem ganzen Umzugsmanöver am wenigsten gestört werden – auch wenn wir dann möglicherweise später die schwerste Waschmaschine aller Zeiten („Miele – nur echt mit zwei Zentnern Wackersteinen im Bauch“) selbst dort würden reinschleppen müssen.

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„Kein Kommentar.“

Am Mittwoch kamen wir dann gegen Mittag und mit etwa einstündigem Vorsprung vor dem Umzugsunternehmen in der neuen Wohnung an. Ein vorsichtiger Blick in die Küche ergab: Keine Katzen, weder in den Körben noch in irgendwelchen Höhlen, Tonnen oder im Katzenklo. Dafür aber eine ABGERISSENE Verblendung vor der Spüle. Ein Blick unter die Spüle zeigte vier glühende Augen in der hintersten Ecke der Dunkelheit.

Immerhin, die Katzen waren da. Ob sie jemals wieder ans Tageslicht kommen würden? Wir waren nicht ganz sicher. Möglicherweise hatte Katze 4 (Kater 1) ja, nachdem er ohne Werkzeug die Blende abmontiert hatte, ja auch schon begonnen, einen Fluchttunnel zu graben… „Wo geht es denn hier nach Westberlin?“

„Hier ist Bremen, Kater 1, nicht Berlin“, rief ich in die Dunkelheit, aber dann mussten wir die Unterhaltung unterbrechen, weil der Möbelwagen vorfuhr.

Stunden später stand die Wohnung dann voll mit Möbeln und Kartons und das Umzugsunternehmen rückte wieder ab. Mein Freund und ich waren fix und fertig, die Katzen nach wie vor unsichtbar. Da wir uns beide nicht mehr in der Lage fühlten, viel zu tun, nahm ich also den nächsten Zug nach Hamburg und mein Freund eine lange und heiße Dusche in seinem neuen Badezimmer.

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Eine Katze auf dem neuen Teppich.

Schon bevor ich in Hamburg aus dem Zug ausstieg, erreichten mich erste Fotos von Katze 3, die sich ganz mutig wieder ans Tageslicht begeben hatte und sich nun voller Interesse ihre neue Wohnung anschaute. Große Erleichterung, um so mehr, als sie kurz darauf auch kurz auf dem Sofa und meinem Freund vorbeischaute. Katze 4 (Kater 1) würde länger brauchen, vermuteten wir – aber hoffentlich nicht wieder Wochen wie nach dem Umzug aus dem Tierheim. Auch, so dachten wir, könnte das Leben unter der Spüle ja auch irgendwie bedrückend sein, zumal am nächsten Tag der Klempner erwartet wurde, um eben diese Spüle wieder gebrauchsfähig zu machen.

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Zwei Katzen auf dem neuen Teppich.

Doch noch am selben Abend traute sich auch Katze 4 (Kater 1) wieder ans Licht. Mein Freund ließ alle Türen in der Wohnung offen, als er ins Bett ging, und die Katzen nutzten die Nacht, um sich mit ihrem neuen Heim vertraut zu machen. Am Freitag war Katze 4 (Kater 1) schon so mutig, dass er kurz auf dem Sofa vorbeischaute und ein paar kurze Streicheleinheiten abforderte. Unnötig zu erwähnen, dass Katze 3 schon lange vor ihm da war und nicht bereit war, ihren Platz auf dem Knie meines Freundes zu räumen.

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„Was soll das heißen, du musst aufs Klo? Ich sitze jetzt hier, auf dir.“

Mein Freund hat sehr den Eindruck, dass die neue Wohnung, die erheblich größer ist als die alte, den Katzen sehr gut gefällt. Katze 4 (Kater 1) kann sich zurückziehen, wenn er genug Kontakt hatte, das tut ihm sicherlich gut. Und Katze 3 ist anhänglich wie eh und je und einfach eine flauschige Knutschkugel. Die Freude meines Freundes darüber, dass seine Katzen, die ja vor einem halben Jahr einen wirklich schweren Start hatten, ihm mittlerweile so sehr vertrauen, dass sie einen stressigen Umzug ohne gravierende Folgen wegstecken, ist groß und ansteckend. Katze 1, Katze 2 und ich freuen uns jedenfalls mit, und zwar sehr.

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So sieht Katze 4 (Kater 1) nämlich aus, wenn er nicht wie ein geprügelter Hund aussieht.

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