Willkommen Lotte Miez und Leonie Mau!

Verfasst am Abend des 14. Dezember 2019.

Sie sind da. Die hypothetischen Katzen sind da. Also, real. Sie sind gar keine hypothetischen Katzen mehr, sondern ganz real. In meiner Wohnung. Unter meinem Bett, glaube ich, wo sie sich nach einem ersten aufgeregten Erkunden der neuen Umgebung für ein kurzes Schläfchen hingelegt haben. Falls sie nicht ganz leise einen Fluchttunnel graben. Wer weiß das schon? Ich habe, taktvoll wie ich nun einmal bin, nicht unters Bett geschaut und zu hören ist nichts. Gar nichts.

Frl. Leonie Mau. Die gut sozialisierte Erstkatze.

Jedenfalls sind die hypothetischen Katzen nicht mehr hypothetisch. Waren sie eigentlich sowieso nie, sie waren von Anfang an ziemlich real. Mit „von Anfang an“ meine ich den 14. November, das war der Tag, an dem Ida gestorben ist. Bereits an diesem Abend erreichte mich die Nachricht einer Hamburger Twitterin, die ich auch persönlich kenne, mit einem Hinweis auf zwei Katzen in ihrem Bekanntenkreis, die dringend ein neues Zuhause suchten. „Wenn das jetzt völlig unpassend ist“, schrieb die Twitterin, „brauchst du mir nicht zu antworten.“

Dieses Foto wurde mir geschickt. Wer hätte da widerstehen können?

Ich dachte: Unpassend? Wieso denn? Mich hat vorhin schon meine Tierärztin, die soeben meine Katze eingeschläfert hatte, gefragt, ob ich denn hoffentlich bald wieder neue Katzen will, und ich habe mit „Ja, natürlich!“ geantwortet. Ich schrieb also zurück: „Ist nicht unpassend. Ich brauche zwar noch etwas Zeit, bin aber theoretisch interessiert. Was sind das denn für Katzen?“

Frl. Lotte Miez. Nicht dick, sondern nur sehr flauschig.

Am nächsten Mittag kamen die ersten Fotos und ich erfuhr, dass es sich bei den beiden heimatlos werdenden Katzen um siebenjährige Schwestern namens Lotte und Leonie handelt.

Lotte und Leonie. Lotte und Leonie Rysanek? Ich war augenblicklich sehr interessiert. Leonie Rysanek war tatsächlich meine Lieblings-Opernsängerin… und sie hatte eine Schwester namens Lotte, die auch Opernsängerin war. Außerdem hatte Leonie R. am 14. November Geburtstag.

Ich bin nicht besonders spirituell oder gar esoterisch veranlagt, aber ich glaube an Zeichen. Mir war von Anfang an klar, dass Ida die Nummer mit diesen beiden Katzen eingefädelt hatte. Es kann gar nicht anders sein, die beiden Fräuleins passen einfach zu gut ins Bild. Und dass Ida mich nicht lange ohne Katzen sehen wollen würde, war ja auch klar.

Hallo? Kraul mich. Jetzt. Los.

Ein paar Tage später besuchte ich Lotte und Leonie in ihrem Noch-Zuhause in Hamburg-Bramfeld. Nur zweimal um die Ecke wohnten damals vor fast zwölf Jahren auch Olga und Ida in ihrer Pflegestelle. Noch ein Zeichen.

Natürlich war ich schon auf den ersten Blick verliebt in Lotte und Leonie. Wie konnte es anders sein? Sie sind ganz außerordentlich wundervolle Katzen. Der liebenswürdige junge Mann, der sich aus persönlichen Gründen von ihnen trennen musste, und ich waren uns schnell einig. Wir gaben uns gegenseitig feste Zusagen: Ich, dass ich die Katzen nehme. Er, dass er mir die Katzen gibt. Dann vereinbarten wir einen Abholtermin drei Wochen später, am 14. Dezember. Genau einen Monat nach Idas Tod (und einen Monat und neun Tage nachdem Olga gestorben ist).

Lotte in voller Schönheit (Archivbild).

Die drei Wochen habe ich genutzt. Mit Warten, Trauern und, nach und nach und jeden Tag ein bisschen mehr, Vorfreude. Ich würde nicht sagen, dass ich in den letzten Tagen nicht mehr schrecklich traurig gewesen wäre – ich habe sehr viel geweint – aber das hat der Vorfreude nicht geschadet. Im Gegenteil. Intensive Gefühle sind intensive Gefühle. Sie gehören zusammen und bedingen sich gegenseitig. Sie sind nicht immer kontrollierbar, aber das müssen sie auch nicht. Meine Freude lebt, meine Trauer lebt und ich lebe. Alles fließt.

Lotte und Leonie sind entzückende Katzen. Sie verdienen ein wunderbares Zuhause mit viel Liebe. Das kann ich ihnen geben. Und ich verdiene entzückende Katzen. Olga und Ida wären die ersten, die das unterschreiben würden. Ich musste diese entzückenden Katzen nicht suchen, sie haben mich gefunden. Weil es so sein sollte.

Sind wir süß oder sind wir süß? (Archivbild)

9 Kommentare

  1. Herzlich Willkommen liebe Fräuleins Miez und Mau,
    hallo liebe Bettina,
    mit Tränen der Traurigkeit und Freude lese ich diesen Text.
    Ich freue mich sehr für euch drei und wünsche euch eine wunderschöne, lustige und lange gemeinsame Zeit!
    Ich freue mich auf die Tweets von euch dreien.
    Viele liebe Grüße und Katzenküsschen,
    Jule

  2. Ich finde beide sehr entzückend. Vor allem natürlich die kleine Pummel-Hummel No. 2 (nach Shiina, Pummel-Hummel No. 1)

    Möget Ihr viele gemeinsame gesunde tolle Jahre haben und viel Freude aneinander! Ich freue mich!

  3. Wer hat denn da gerade Zwiebeln geschnitten??
    Nein, im Ernst, ich wünsche Euch dreien eine angenehme Kennenlernzeit, viel viel Flausch und ganz ganz viel Zeit zusammen!!
    Alles Liebe, auch von Whiskey und Raven..
    (und dem Hund)

    1. Wir müssen jetzt mal mit dem Heulen aufhören! It’s the season to be jolly!
      Vielen Dank für die guten Wünsche und herzliche Grüße, natürlich auch an Whisky, Raven und den Hund.

  4. Liebe Bettina,
    Ja, genauso war es bestellt von Ida und Olga und wie wunderbar, dass Leonie und Lotte direkt in ein neues, wundervolles Zuhause einziehen konnten. Und dem jungen Mann ist mit Sicherheit auch ein Stein vom Herzen gefallen, in dem Wissen, dass es seine beiden Schätze sehr gut haben werden bei dir und geliebt werden. Alles ist im Fluss, wie du auch schon geschrieben hast. Ich wünsche euch viele schöne Jahre miteinander und freue mich weiter hier von euch zu lesen
    Alles Liebe, Manuela

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