Zu Hause bleiben. Die zweite Woche.

Nun geht schon unsere zweite Woche im Homeoffice zu Ende. Stoppi, die Katzen und ich haben eine Weile darüber diskutiert, wer diesen Blogpost schreiben darf – letztendlich habe ich mich, weil ich ja diese Woche Geburtstag hatte, durchgesetzt. Und es werden ja voraussichtlich noch mehr Homofiss-Wochen für Stoppi und vermutlich auch Warum-ist-die-Frau-eigentlich-die-ganze-Zeit-zu-Hause-Wochen für Frl. Miez und Frl. Mau werden.


Ich habe mich in dieser Woche quasi selbst isoliert und bin tatsächlich nur zweimal ganz kurz draußen gewesen, um Müll runterzubringen, ein paar Schritte zu gehen und frisches Brot zu kaufen. Zwar bin ich ziemlich sicher, dass ich mich nicht am vorletzten Montag im Büro mit dem Virus angesteckt habe – so nah ist mir der infizierte Kollege dann doch nicht gekommen und unsere Begegnung war nur kurz – das Risiko war aber groß genug, um vorsichtshalber nicht ins Hospiz gehen zu können. Klar, die Kollegen und die Gäste dort können es wirklich so gar nicht brauchen, dass man ihnen etwas einschleppt.
Andere triftige Beweggründe, die Wohnung zu verlassen, hatte ich einfach nicht. Wenn die Sonne scheint, tut es mir zwar leid, drinnen zu hocken (manchmal, kurz), aber ich wohne nun einmal mitten in der Stadt und in den kleinen Straßen, dem wirklich nahe gelegenen Park und den Supermärkten sind mir einfach zu viele Menschen unterwegs, denen die Ansteckungsgefahr einfach egal ist und die sich einen Scheiß darum scheren, wem sie zu nahe kommen. Nicht böswillig, aber einfach sorglos-blöd. Bei meinem letzten Besuch im Supermarkt in der Vorwoche waren dort so viele ganze Familien unterwegs, deren Kinder frei durch die Gänge liefen, dass ich vor lauter Konzentration auf Abstand und Ausweichen die Hälfte der Dinge, die ich hätte kaufen wollen, vergaß und den Laden völlig genervt verließ.


Und niemand, wirklich niemand, trägt in der ach so coolen Hamburger Neustadt einen Mundschutz. Weder letzte Woche noch diese. Auch nicht die zahlreichen Menschen, die auf der Straße vorbeilaufen, während ich drinnen auf dem Sofa sitze.
Einzig das ältere Ehepaar in dem kleinen türkischen Geschäft um die Ecke macht sich genug Sorgen, um in ihrem engen Laden nicht ohne Mundschutz und Desinfektionsspray zu arbeiten. Dort kaufe ich nun frisches Brot und Gemüse ein. Als ich zum ersten Mal mit meinem frisch erworbenen Mundschutz dort auftauchte, hätte die Inhaberin vor Rührung beinahe geweint.
Den Mundschutz zu bekommen, war nicht so einfach. Ich bin leider das Gegenteil von bastelbegabt und selbst mit einer einfachen Nähanleitung zur Herstellung eines waschbaren Mundschutzes noch überfordert. Musste also im Internet welche, sehr hübsche sogar und gar nicht so teure, bestellen und ein paar Tage warten. – Mittlerweile habe ich auch eine Anleitung gefunden, um eine ziemlich gut aussehende Maske aus Küchenpapier und Klebeband zu basteln, mit der eventuell sogar ich zurande käme. Aber nun bin ich ja auch erstmal versorgt, zumindest mit einfachen Mundschutzen.
Wünschen würde ich mir ja, dass die Kostümabteilung der Staatsoper auch Mundschutze nähen würde – wie es ja in vielen Theatern der Republik zurzeit schon gemacht wird. Das könnten die Kollegen möglicherweise sogar an ihren Nähmaschinen zu Hause machen und damit viele Einrichtungen in Hamburg, wie z. B. Ambulante Pflegedienste und Senioreneinrichtungen beglücken. Und natürlich die Mitarbeiter der Staatsoper, die irgendwann demnächst wieder arbeiten sollen.
Mein Arbeiten von zu Hause funktioniert einigermaßen gut, was eventuell damit zu tun hat, dass ich nicht an der Nähmaschine arbeiten muss. Mein privater Laptop gibt sich redlich Mühe, bricht aber in unserer täglichen Abteilungs-Skype-Konferenz regelmäßig zusammen. Nächste Woche werden wir mal probieren, ob Zoom ihn weniger stresst. Da ich weder ein Diensttelefon noch einen Dienstlaptop habe, muss es ja irgendwie so gehen. Stillarbeit mit Fernzugriff auf die Büroserver funktioniert auch ganz gut und ich habe schon verschiedene Excel-Dateien in unsere Theatersoftware übertragen. Überwiegend auf dem Sofa, denn auf den Stühlen am Esstisch kann ich nicht lange sitzen und einen Bürostuhl besitze ich nicht mehr. Wenn ich aber dran denke, mich regelmäßig anders hinzusetzen und zwischendurch auch mal aufzustehen, geht es auf dem Sofa eigentlich ganz gut.


Mein Geburtstag am Freitag war etwas eigenartig. Zwar habe ich meine Geburtstage in früheren Jahren durchaus manchmal alleine und ohne Feierlichkeiten verbracht, aber das war freiwillig und etwas ganz anderes. So, ohne dass ich es mir selbst so ausgesucht hätte, fühlte es sich durchaus etwas merkwürdig an. Zwar schickten die Kollegen Blumen, sangen per Skype (so heftig ist der Laptop noch nie abgestürzt, sage ich Ihnen!) und gaben sich auch sonst Mühe, mich bei Laune zu halten, aber so richtig toll war es alles nicht. Natürlich riefen viele liebe Menschen an und am Abend haben mein Freund und ich auch stundenlang videotelefoniert, aber das ist irgendwie nicht dasselbe.
Es war auch der erste Geburtstag, an dem meine Mutter mich nicht angerufen hat. In ihrem Heim ist ja schon seit Wochen ein Besuchsverbot in Kraft und sie kriegt es alleine und ohne Erinnerung nicht mehr auf die Reihe, sich bei uns zu melden. Ich kann natürlich in ihrem Wohnbereich anrufen, mich nach ihrem Befinden erkundigen und sie manchmal auch ans Telefon holen lassen, aber zu häufig geht das auch nicht. Da ich auch nie weiß, wie sie gerade drauf ist, versuche ich auch nicht sehr oft, sie zu erreichen. Mein Bruder ist da gelassener als ich – mich macht es wütend und traurig, wenn wir blöde Telefonate führen.
Meinen Freund habe ich schon seit drei Wochen nicht mehr gesehen, um bloß kein Risiko einzugehen, uns gegenseitig anzustecken. Anlässlich meines Geburtstages hätten wir vielleicht noch einmal überlegt, uns trotzdem zu treffen, aber natürlich erhielt mein Freund genau an diesem Tag die Information, dass es in seinem direkten Arbeitsumfeld einen positiv getesteten Fall gibt und verschiedene Kollegen, mit denen er täglich zusammenarbeitet, angesteckt sein könnten. Na super. Damit waren unsere Überlegungen wieder vom Tisch und wir hoffen sehr, dass er nicht betroffen ist.
Manchmal liege ich nachts wach und stelle mir vor, dass einer von uns beiden erkrankt und ins Krankenhaus muss. Und wie der andere dann erstmal zwei Katzen zu sich holen und vorübergehend aufnehmen muss, damit diese nicht einsam und hungrig in einer verlassenen Wohnung sitzen. Von allen anderen Unannehmlichkeiten mal ganz abgesehen.
Ansonsten schlafe ich aber halbwegs gut. Frl. Lotte Miez und Frl. Leonie Mau sind sehr gute Mitbewohnerinnen und mir noch viel mehr als ohnehin schon ans Herz gewachsen. Ohne sie – und ohne Stoppi natürlich – könnte ich nicht verhältnismäßig entspannt in meiner Bude sitzen und der Dinge harren, die da kommen oder auch nicht. So kann ich es. Meistens.
Wie ist es bei Ihnen? Dürfen/müssen/wollen Sie raus? Wie geht es Ihnen damit?

3 Kommentare

  1. Einen herzlichen guten Morgen. Ich bin jetzt seit 5 Wochen zu Hause. Zuerst freiwillig weil ich stark erkältet war. Dann kam die Ausgangssperre für Risikopersonen wie mich. Das heißt, ich durfte nicht einmal mehr einkaufen. Ist aber okay. Meine Angst zu erkranken ist größer da ich weiß, dass ich es nicht überleben würde. Ich bekomme einmal in der Woche eingekauft und mein Bio Dealer bringt mehr Gemüse.
    Da ich Gott sei Dank schon immer gerne alleine war, seit meinem Schlaganfall auch gezwungenermaßen mit sehr beschränkten Sozialkontakten ( niemand bindet sich gerne eine Schwerbehinderte Person ans Bein), geht es mir immer noch gut. Außerdem wohne ich sehr privilegiert inmitten der Natur. Meine Tiere sorgen gut für mich.
    Was mich momentan sehr traurig macht, ist, dass ein sehr guter Freund gerade stirbt und ich ihn nicht mehr sehen werde. Er ist einer der gutmütigsten Menschen, die ich je kennenlernen durfte.
    Passt auf Euch auf und bleibt gesund.

    1. Auch einen guten Morgen und danke für diesen Einblick in dein Leben. Keine Angst vor dem Alleinsein zu haben, ist auf jeden Fall gut – und mit Tieren um uns herum sind wir ja auch nicht wirklich allein.
      Dass du deinen Freund nicht mehr besuchen kannst, tut mir sehr leid. Aber wenn das Risiko zu groß ist, musst du wohl vernünftig sein. Ich hoffe, du bekommst es auch auf die Entfernung hin, für dich einen Abschied zu gestalten. Aber es ist schwer, das ist mir bewusst.
      Ich wünsche dir ein möglichst entspanntes Durchhalten und schicke gute Gedanken!

  2. Hallo Stoppi/Hallo Bettina,Danke euch für den Einblick.Deine Idee das die Kostümabteilung der Staatsoper sich daran beteiligen könnte, den Mangel an pSA zu minimieren, finde ich großartig und müsste weiter verfolgt werden.Müsste,müsste, ich bin auch nicht so die Macherin .Euch 2 & 4 Beinern alles Liebe

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