Gastbeitrag von @esistok: Jette und Jehan

Hallo und Herzlich Willkommen zum ersten Gastbeitrag von @esistok (das ist der Mann, der in meinem Buch „Sebastian“ genannt wird und mit zweitem Vornamen auch tatsächlich so heißt) über seine Katzen Jette und Jehan. Ich habe ihm zugesichert, dass Sie sich freuen werden, diesen Text lesen zu dürfen.

Jette und Jehan

Irgendwann Mitte 2017 fand ich, dass ich Katzennachschub benötige. Meine letzten beiden Katzen sind Ende 2014 bzw. Mitte 2015 eingeschläfert worden, Kaspar, weil er nicht mehr konnte, und Sina, weil sie nach 8 Monaten Dauergabe von übel schmeckenden Herzmedikamenten keine Lust mehr auf das Zeug hatte. Leider ging es nicht ohne die Medis – und in meiner Trickkiste war nichts mehr drin.

Die Trauerphase war mit fast 2 Jahren für meine Verhältnisse recht lang, und nun drängte es mich und Fr. @Keinzahnkatzen ins Hamburger Franziskus Tierheim, um nach neuen Katzen für mich Ausschau zu halten.

Gesagt, getan. Ich arbeitete schon in Bremen, wohnte aber noch auf St. Pauli. Bald hatten wir in dem Tierheim Kontakt zur Katzenbeauftragten aufgenommen und ein Doppelpack an Katzen aus dem schönen Friesland ausgespäht. Die Tiere wurden dem Heim von der Nichte einer verstorbenen Katzenbesitzerin angedient. Und zwar so einige. Ich wollte gern 2 haben, damit sich niemand langweilt, wenn der Mensch das Katzenfutter verdient.

Wir lernten also Jehan kennen, der relativ katatonisch auf dem obersten Regalbrett lag, sich aber über mehrere Besuche irgendwann von mir streicheln und kämmen ließ. Die Jette ließ sich nicht so einfach kennenlernen und erst recht nicht streicheln. Sie bewohnte eine von diesen Kratztonnen und das Tierheim hatte ihr sogar einen hübschen Vorhang in Form eines Handtuchs spendiert. Nahm man den Vorhang zur Seite, war man besser schnell, denn Jette hackte sehr effizient und unmittelbar auf die Hand, die den schützenden Vorhang bewegte, ein. Und fix war sie, die Gute. Autsch.

Trotzdem fand ich die beiden klasse und wollte sie gern mitnehmen. Das ist ok, sagte unsere Kontaktfrau, aaaaber die Zähne wolle man vorher noch sanieren. Vielleicht am besten am Vormittag des Tages, an dem wir sie abholen? Dann wäre das mit dem in den Korb bekommen auch nicht so schwer. Hm. Na gut. Dass die beiden schon 11 Jahre alt waren, war für mich völlig in Ordnung.

Wir holten die bedröhnten und frisch operierten Tiere also nachmittags ab und brachten sie in meine Wohnung. Transportbox auf. Und sahen den völlig dichten Jehan sehr erschreckt aus der Box flitzen, gegen eine Glasscheibe prallen, die den Eingangsbereich vom Wohnzimmer trennte, und dann richtig Fahrt aufnehmen und ins Bad pesen. Dort wollte ich nach ihm schauen, das nahm er zum Anlass sich erneut bedroht zu fühlen und in der Küche nach Verstecken zu suchen. Kein sicherer Platz dort, also wieder ins Bad – zugedröhnt wie er war auf glattem Boden wirkte das ziemlich slapstickmäßig.

Aber zum Lachen war uns nicht zumute, der Kater tat uns leid und wir waren froh, als er sich nach einigem Hin und Her für die Duschwanne entschied, wo er sich hinkauerte und wahrscheinlich das nächste Jahr verbringen wollte. Jette hingegen verzog sich unters Bett. Da waren sie nun und hatten an einem Tag recht viele Zähne verloren und ein unbekanntes Zuhause gewonnen.

Tja. Wir schauten uns an und besprachen, dass es für die Kleinen jetzt erstmal reicht. Fr. @Keinzahnkatzen und auch ich sind langjährige Katzenbesitzer, aber diese Situation war für uns beide auch neu.

Nun gut. Nach recht kurzer Zeit (so 1, 2 Tage, meine ich) war Jette schon interessiert an der neuen Umgebung und schaute sich um. Das Futter und das Klo hatten die beiden eh schon gefunden, als ich schlief. Jette entpuppte sich als richtige Neugiernase und kam dann auch bald zu mir aufs Sofa. Sie, die im Tierheim richtig angriffslustig war, wurde sehr schnell richtig schmusig. Geradezu distanzlos, möchte ich sagen.

Jehan brauchte sehr viel länger, bei ihm waren es 2 bis 3 Wochen, bis auch er ankam. Und im Gegensatz zum Tierheim war Streicheln schon mal gar nicht drin. Er fing dann an zu boxen. Er brauchte sehr lange, bis er die Angewohnheit ablegte und selbst jetzt, 4 Jahre später, darf ich ihm streicheltechnisch nicht zu schnell kommen, sonst verfällt er doch noch mal in den Boxmodus.

Nach einigen Monaten ergab es sich, dass ich nach Bremen ziehen wollte. Ich fand auch eine kleine, nette Wohnung. Leider mochten die beiden Transportboxen immer noch nicht. Nach zwei sehr sportlichen Runden durch mein Schlafzimmer hatte ich Jette zu fassen. Danach kam Jehan an die Reihe. Was soll ich sagen, es war nicht der erste lederne Arbeitshandschuh, durch den eine Katze mich in die Hand gebissen hat.

In Bremen hatte ich die Küche soweit mit Katzenklo, Näpfen, Katzengras und -spielzeug, Körben sowie Decken ausgestattet. Ich dachte, eine Nacht ohne Mensch schaffen sie. Am nächsten Tag sollten dann die Möbel mit einem Umzugsunternehmen gebracht werden. Wir kamen also am nächsten Tag vor den Umzugsleuten in Bremen an, sahen nach den Katzen… und keiner da. In der Küche waren die beiden nicht zu sehen. Oookay.

Die beiden hatten also die Zierleiste unter den Küchenmöbeln abgebaut um, wie Fr. @Keinzahnkatzen sofort vermutete, einen Fluchttunnel nach Westberlin zu graben. Der war aber noch nicht ganz fertig geworden, und so kauerten sie unter der Küchenzeile.

Mittlerweile sind sie aber rausgekommen. Eigentlich direkt, nachdem die Möbelpacker weg waren. Und seitdem machen sie dort einen sehr zufriedenen Eindruck. Meine Wohnung liegt in Oberneuland, falls Sie Bremen kennen, in einem sehr ruhigen Stadtteil. In einer sehr ruhigen Wohnanlage. Das ist für Mensch und Tier ein großer Unterschied zu Hamburg- St. Pauli. Wenn Sie auf St. Pauli einmal Silvester erlebt haben, können Sie nachvollziehen, wovon ich spreche.

Nun. Alle lebten zufrieden und glücklich… bis ich in eine Reha musste. Was tun mit den Katzen? Fr. @Keinzahnkatzen bot heldenmütig an: „Die können zu mir.“. Danke!

Nach einigen Tierarztbesuchen (Allgemeinkontrolle, Katzenschnupfen bei Jehan) in Bremen war klar, dass Jette und Jehan immer noch keine Transportboxen mögen. Ich bereitete also alles vor, Näpfe, Futter, Gras schon mal in Reichweite. Aber bitte so, dass die Tiere nichts merken. Dann probierte ich bei Jette meinen neuesten Trick aus: den Muttergriff im Nacken (heißt der so?). Funktionierte jedenfalls prächtig. Jette war in der Box. Jehan nicht. Handschuhe? Warum Handschuhe? Das Ende vom Lied war, dass Jehan auch in einer Box war, ich meine Hände einigermaßen verpflastert hatte (eine Narbe wird allerdings zur Erinnerung bleiben) und wir uns auf nach Hamburg machten.

Nun sind die beiden vergesellschaftet mit Frl. Mau und Frl. Miez, den beiden Katzen von Fr. @Keinzahnkatzen, und terrorisieren und beflauschen einander und die beiden Fräuleins und deren Besitzerin. Und zwar aufmerksam verfolgt von der halben deutschen Twittergemeinde, weil Fr. @Keinzahnkatzen dort sehr aktiv ist. Auch ich kann so wenigstens ab und zu den Abenteuern des Katzenhaushaltes zusehen.

Gern hätte ich an den Wochenenden die ganze Bagage besucht und Fr. @Keinzahnkatzen und Jette und Jehan und die Fräuleins geherzt, aber: nicht in Corona Zeiten. Da darf man nämlich überhaupt nicht nach Hause fahren. Und keinen Besuch empfangen.

Ein überzeugendes Konzept, nur … die fehlen mir alle schrecklich.

Dass die Reha für 13 Wochen angesetzt ist, macht es wirklich nicht besser. Allerdings hat auch die längste Reha ein Ende. Und das ist am kommenden Freitag. Ich habe schon getankt und werde mit einem Zwischenstopp in Bremen (um die Wohnung betriebsfertig zu machen) gen Hamburg eilen und dort alle wiedersehen.

Ich hoffe jetzt nur, dass mich außer Fr. @Keinzahnkatzen noch jemand erkennt.

1 Kommentar

  1. jausa, das wird ein wiedersehn…sie wissen ja, wie sehr du unter der trennung gelitten hast…auch wenn mann das janur schwer zugeben mAch

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