Intervallfasten oder die Suche nach dem inneren Knie

Nun endet schon die zweite meiner sechs Urlaubswochen und so langsam habe ich mir einen Überblick verschafft. Einen Überblick über das Chaos, das mein Leben in den letzten Jahren beherrscht hat. Das Chaos, das mich immer fröhlich winkend und rufend begrüßt, sobald ich meine Wohnung betrete (nein, damit meine ich nicht Katze 1 und Katze 2), und das Chaos in mir. Das immer da ist und das eigentlich nur die Klappe hält, wenn ich im Büro bin. Aus Vernunftsgründen, weil ich im Büro ja dafür bezahlt werde, mich mit dem Chaos anderer Leute zu beschäftigen – und das Geld brauchen wir schließlich, mein privates Chaos und ich (und okay, damit meine ich vielleicht ein bisschen Katze 1 und Katze 2).

Nach zwei Wochen habe ich also einen Überblick. Über all die Dinge, die ganz objektiv getan werden sollten. Über die (etwas weniger) Dinge, die ich ganz subjektiv tun muss oder tun möchte. Dazu gehören zum Beispiel der Umzug meiner Mutter, die Renovierung meines Badezimmers und – am allerwichtigsten – der Beschluss, wieder etwas schöner, gesünder, fitter und schlanker zu werden.

Schlanker? Okay, schlanker ist vielleicht nicht das richtige Wort, denn schlank ist mir eigentlich egal. Etwas weniger schwerfällig und unbeweglich – und mit etwas weniger Schmerzen im linken Knie. Die traurige Wahrheit ist nämlich, dass ich glaube, dass mein linkes Knie weh tut. Glauben deshalb, weil ich mein linkes Knie nur selten sehe. Selbst wenn es mir gelingt, an meiner nicht unbeträchtlichen Oberweite vorbei nach unten zu gucken, ist da immer noch die noch viel weniger unbeträchtliche Mittelweite im Weg. Die Mittelweite ist da, wo früher meine Taille und meine Hüften waren (vorne) sowie mein hübsches, knackiges Gesäß (hinten). Weder vorne noch hinten kann man ohne größere Verrenkungen an der Mittelweite vorbeigucken – und zum Verrenken bin ich leider zu faul und zu ungelenkig.

Da die Signale meines linken Knies aber auch ohne Sichtkontakt recht eindeutig sind, ist der eigentlich wichtigste Plan meinerseits für diesen Sommer also das Selbst-Runderneuerungsprogramm mit den Unterpunkten a) Sport treiben und b) Abnehmen.

Darüber, dass mein Freund und ich seit ein paar Wochen wieder ins Fitness-Studio gehen und ich in meinem Inneren zwar keine sportliche Frau, aber immerhin „Miss Aquafitness 2004“ entdeckt habe, habe ich Ihnen ja schon berichtet. Tatsächlich war ich letzte Woche insgesamt fünfmal und diese Woche bisher jeden Tag im Pool und habe jeweils 45 Minuten entweder Bahnenschwimmen oder Wassergymnastik praktiziert. Mit dem schönen Erfolg, dass ich jetzt tatsächlich 45 Minuten ohne Unterbrechung schwimmen kann und – wer hätte es gedacht? – auch bei den fiesesten Übungen zur Stärkung der Bauchmuskulatur häufiger den Kopf als den Hintern über Wasser habe. Und viel bessere Laune!

Der zweite Punkt, das Abnehmen, läuft seit letztem Mittwoch. Ich benutze ungern das Wort Diät (eigentlich nur bei Twitter, wegen der geringen Zeichenzahl), das klingt immer so nach gut durchdachtem, abgearbeitetem und kontrollierten Programm – und das liegt mir, vor allem im Urlaub – nicht so besonders. Ich habe eigentlich nur vier Regeln, hier kommen sie in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit:

  • Zwischen dem Abendessen und dem Frühstück gibt es mindestens vierzehn, besser sechzehn Stunden lang nur Wasser. Reines, helles Wasser.
  • Zwischen den Mahlzeiten tagsüber sollten idealerweise fünf Stunden liegen, in denen nur getrunken wird.
  • Wenn Süßigkeiten, dann zum Essen, statt einer Mahlzeit oder direkt danach. Nicht zwischendurch.
  • Gelegentlich Abweichungen von den Regeln sind nicht schlimm und gefährden nicht den Gesamterfolg der Maßnahme.

Das Ganze nennt sich dann „Intervallfasten“ und ist einer der letzten Schreie auf dem Diätmarkt.  Intervallfasten oder Intermittierendes Fasten ist eine spezielle Ernährungsform, bei der ständig, in einem bestimmten Rhythmus, zwischen Zeiten der normalen Nahrungsaufnahme und des Fastens gewechselt wird. Die längeren Essenspausen bewegen den Körper dazu, seine Reserven zu mobilisieren, und zwar vor allem das Glykogen, das der Körper aus Kohlenhydraten aufgebaut und in der Leber und im Muskel gespeichert hat. Ist das Glykogen aufgebraucht, werden die Fettreserven abgebaut. Dadurch wird der Stoffwechsel flexibler und schaltet zwischen Fett- und Kohlehydrat-Verbrennung hin und her. Durch die Pausen zwischen den Mahlzeiten kommt auch die Bauchspeicheldrüse ab und zu zur Ruhe und wirft nicht pausenlos mit Insulin um sich. Dadurch bleiben einem, wenn man Glück hat, Heißhungerattacken und unstillbare Gier auf Süßigkeiten erspart.

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Noch sympathischer wäre mir eigentlich, schon allein des Namens wegen, das Programm „Schlank im Schlaf“. Ich meine: Hallo! Wie verlockend ist das denn? Theoretisch. Praktisch sieht es leider so aus, dass man sich bei dieser Diät mit Kohlenhydraten zurückhalten muss, vor allem abends. Und das möchte ich definitiv nicht. Ohne Kohlenhydrate macht mir das Essen nämlich keine Freude.

Deshalb also Intervallfasten, da kann ich alles essen, was ich möchte. Die Fastenperioden lassen sich nach Bedarf und persönlicher Vorliebe gestalten. Es gibt Varianten, bei denen man innerhalb einer siebentägigen Woche zum Beispiel zwei (beliebige) Tage lang fastet. Oder grundsätzlich jeden zweiten Tag. Oder eben jeden Tag für eine bestimmte Periode, in der man nur trinkt – und in der restlichen Zeit (sechs oder acht oder zehn Stunden) isst man ganz entspannt, was man braucht und mag. Diese Methode habe ich vor ein paar Jahren – ohne zu wissen, dass es Intervallfasten heißt – schon mal sehr erfolgreich ausprobiert und ziemlich viel Gewicht verloren, ohne dabei besonders zu leiden oder mich eingeschränkt zu fühlen.

Normalerweise nehme ich meine erste Mahlzeit zwischen 12 und 14 Uhr zu mir, jetzt im Urlaub gerne ein reichhaltiges Frühstück. Das einzige, was mir bis dahin gefehlt hat, ist dann der Kaffee (da ich diesen mit viel Milch trinke, eignet er sich leider nicht als Fastengetränk – schwarzer Kaffee wäre aber zulässig). Dann kann ich bis in den Abend hinein essen und auch mal was Kalorienhaltiges (und mit Kalorien meine ich möglicherweise Alkohol) trinken. Wenn ich damit spätestens um 22 Uhr aufhöre und auf Wasser umsteige, kann ich am nächsten Tag wieder ab 12 Uhr frühstücken. Das klappt, vor allem jetzt im Urlaub, ganz hervorragend.

Außer auf das Gewicht soll das Intervallfasten sich auch günstig auf den Blutdruck, den Blutzuckerspiegel und den Zellalterungsprozess auswirken. Sowohl kurzfristig wie auch auf lange Sicht. Und tatsächlich kann ich – nach nunmehr zehn relativ konsequenten Tagen – sagen, dass ich mich eher fitter und gesünder fühle als ein bisschen schwach, weil ich so wenig zu essen kriege. Ich denke auch nicht dauernd über all das schöne Essen nach, das mir gerade entgeht, sondern freue mich einfach auf die nächste Mahlzeit. Für die ich keine besonderen Regeln beachten muss.

Wie viel und wie schnell ich abnehme, ist mir gar nicht so wichtig. Ich habe sowieso keine Waage; mir genügt es, an meinen Jeans zu merken, dass der Stretchanteil sich nicht mehr gar so schrecklich stretchen muss. Manchmal messe ich meine Umfänge an verschiedenen Stellen mit einem Maßband, das muss genügen.

Als unterstützende Maßnahme betreibe ich, wie schon erwähnt, fast täglich Sport. Da ich Urlaub habe, kann ich auch die Vormittags-Aquafit-Kurse im Fitness-Studio besuchen, und an den kursfreien Tagen schwimme ich brav meine Bahnen. Leider zeigt mein Fitness-Armband im Wasser alle Werte nur extrem ungenau an, aber ich finde, es lässt mich total vital und sportlich aussehen. Außerdem hilft mir gerade die Bewegung im Wasser wirklich beim Visualisieren meines fitteren und gesünderen Ich – und ich freue mich darauf, eines Tages vielleicht sogar mein linkes Knie wiederzutreffen. Nicht nur das innere linke Knie, sondern das ganz reale, theoretisch jederzeit sichtbare. Bis dahin: Weiter geht’s, die Augen immer nach vorne und aufs Ziel gerichtet.

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3 Kommentare

  1. Intervallfasten klingt gut. Aber auch schwer. Wie gerne hätte ich diesen Post zu Anfang meines Urlaubes gelesen. Nun ja, versuchen kann ich es ja trotzdem, auch wenn es sich in den Büroalltag mit nur wenig flexiblen Pausenzeiten eher integrieren lassen wird…
    Wenn man jemals die 16 Stunden schaffen würde und auch die 5-Stunden-Regel beachtet, isst man ja nur noch 2 Mal am Tag. Das hört sich wirklich utopisch an (für mich). Aber – ich werde dem Ganzen mal eine Chance geben und mich an diese Zeiten vorsichtig herantasten.
    Das es für Dich offensichtlich so gut funktioniert, ist natürlich auch ein Ansporn. Ich möchte nämlich auch etwas weniger schwerfällig und etwas sportlicher und gerne auch schlanker werden 🙂
    Weiterhin viel Erfolg!

    MH

    1. Das wirklich Gute am Intervallfasten ist, dass jeder für sich herumprobieren kann, um die individuell beste Variante zu finden. Wobei ich das Problem mit unflexiblen Pausenzeiten auch gut kenne. Toi toi toi auf jeden Fall und berichte doch mal!

      1. Aloha! Also – es funktioniert nicht. Bei mir. Wegen a) mangelnder Disziplin und b) den nicht planbaren Büroalltag. Jetzt suche ich nach einer anderen Version, die mich tagsüber nicht so an Zeiten festkettet. Werde mir mal diese 5:2-Fasten-Methode näher ansehen.
        Dir weiterhin viel Erfolg – Du bist ja offensichtlich ziemlich erfolgreich damit.

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