Mein Leben mit den Fräuleins. Ein erster Bericht.

Zwei Wochen wohnen die beiden Fräuleins nun schon bei mir, wir haben Weihnachten zusammen gefeiert und bereiten uns aktuell auf den Jahreswechsel vor. Indem wir den Platz unterm Bett mit WLAN und Leselampe ausstatten.

Es läuft gut. Frl. Leonie Mau und Frl. Lotte Miez sind sehr liebe, ausgeglichene und ziemlich entspannte Katzen. Sie haben den Umzug und den Abschied von ihren bisherigen Bezugspersonen gut verkraftet. Das bedeutet nicht, dass sie ihre Menschen nicht vermissen – ich denke, das tun sie ganz bestimmt, und das finde ich auch völlig okay (schließlich vermisse ich Olga und Ida auch). Trotzdem sind sie mir von Anfang an freundlich und neugierig begegnet, Leonie ein bisschen schneller als ihre Schwester Lotte, die insgesamt ein weniger extrovertierter Typ ist.

Sie haben ihre neue Wohnung in Besitz genommen und erste Lieblingsplätze festgelegt. Beide sitzen gerne auf Fensterbänken. Auf der Straßenseite der Wohnung gibt es einiges zu gucken, zumindest in den etwa drei Stunden, die es derzeit in der Tagesmitte gerade mal hell ist. Auf der Rückseite, wo die „Strandkörbe“ stehen, kann man mittags in der Sonne sitzen und sich (das Schlafzimmerfenster ist eine zugige Angelegenheit) einen kleinen Wind um die Nase wehen lassen.

Leonie schläft mittlerweile schon fast die ganze Nacht bei mir im Bett, an unterschiedlichen Plätzen. Man hatte mir angekündigt, sie sei ein unruhiger Geist und würde aufspringen, sobald ich den kleinen Finger bewege, aber wir haben herausgefunden, dass ich weitaus unruhiger bin als sie. So sucht sie sich inzwischen einfach einen ihr sicher erscheinenden Platz in meiner Nähe und versucht, sich von mir nicht stören zu lassen.

Lotte schaut nachts mehrmals bei uns vorbei, mag aber noch nicht im Bett schlafen. Möglicherweise mag sie das Gästesofa im Wohnzimmer auch lieber; als ich, weil ich an den Weihnachtstagen meinem Freund das Bett überlassen habe, dort schlief, hat sie dort durchaus auch mal neben mir gepennt oder am Fußende.

Beide Katzen spielen gerne mit der Katzenangel, Leonie eventuell etwas leichtfüßiger als ihre Schwester, aber auch Lotte hat viel Spaß daran, sich wild von einer Seite auf die andere zu rollen oder gar mal einen kleinen Hüpfer zu machen. Dass dabei das Haus wackelt, ist natürlich ein Gerücht und vollkommen an den Haaren herbeigezogen.

Frl. Lotte Miez ist ein kleines Fellmonster und muss täglich gebürstet werden, weil ihr dichtes Unterfell sonst schneller verfilzt als man „Haarkur“ sagen kann. Ihren Striegel hat sie sogar aus dem früheren Zuhause mitgebracht und sie liebt es, wenn ich sie damit bearbeite. Frl. Leonie Mau findet Bürsten auch gut, hat es aber nicht wirklich nötig.

Ihre Streichel- und Schmuseeinheiten holen sie sich auf ganz unterschiedliche Weise. Leonie hüpft mir mittlerweile auf den Schoß, wo auch immer ich mich hinsetze, und möchte dann gekrault werden. Am liebsten am Köpfchen, aber auch meine langen Streichler von ganz vorne bis hinten zur dünnen Schwanzspitze gefallen ihr gut. Lotte wartet, bis ich sitze, dann kommt sie vorsichtig angewackelt, geht mir ein paarmal um die Beine und überlegt dann gründlich, ob sie wirklich auf Sofa oder Sessel springen soll. Meistens entscheidet sie sich dann dafür und kommt dann, sehr bedächtig und Zentimeter für Zentimeter, näher, bevor sie endlich in meiner rechten Armbeuge andockt, mir andächtige Blicke zuwirft und lautstark zu schnurren beginnt. Das macht meine rechte Seite komplett bewegungsunfähig, ist aber so niedlich, dass ich vermutlich lernen werde, das Smartphone ausschließlich mit der linken Hand zu bedienen.

Beide Katzen essen momentan nur Trockenfutter und sind daran gewöhnt, dass ihre Näpfe immer gefüllt sind und sie sich jederzeit bedienen können. Das finde ich natürlich nicht optimal. Einerseits bin ich kein Freund der ausschließlichen Ernährung mit Trockenfutter. Außerdem bin ich nicht davon überzeugt, dass es klug ist, einer stark übergewichtigen Katze ein ständiges All-you-can-eat-Buffet zu präsentieren.

Das wirklich Schräge ist, dass man Lotte eigentlich nie fressen sieht. Ich dachte ja schon, sie hätte zu viel Angst, aber der Vorbesitzer hat mir bestätigt, dass das völlig normal ist. Er habe sie auch selten fressen sehen, sie würde das wohl meistens nachts und heimlich erledigen. Hm. Eigentlich wüsste ich ja schon gerne, wer von den beiden wann wieviel zu sich nimmt, wenigstens so ungefähr…

Als ersten Schritt habe ich nun begonnen, die Näpfe nicht mehr einfach nachzufüllen, sondern abgewogene Portionen zu füttern. Noch gar nicht in erster Linie der Rationierung wegen, sondern um überhaupt erstmal eine Vorstellung davon zu bekommen, von welchen täglichen Futtermengen wir eigentlich reden. Und immerhin waren gestern Morgen beide Näpfe komplett leer und die Katzen verlangten Nachschub. Und Lotte hat dann sogar sichtbar gefressen – zum ersten Mal!

Es wird sicherlich nicht ganz einfach werden, Lotte dazu zu bringen, sich von ein bis zwei Kilo ihrer gesamten Pracht zu trennen. Ganz langsam natürlich und in Absprache mit der Tierärztin meines Vertrauens. Bis ich mich traue, dieser das „doppelte Lottchen“ vorzustellen, muss ich mir aber zunächst einen etwas besseren Überblick über den Ist-Zustand verschaffen. Läuft also.

Auf jeden Fall bin ich sehr sehr froh, dass die beiden Fräuleins da sind. Ich komme wieder gerne nach Hause und darf sicher sein, dass Frl. Leonie schon erwartungsvoll hinter der Tür steht. Frl. Lotte ist im Allgemeinen zu faul, um zur Tür zu kommen, sie wartet bis ich dann auch irgendwann sitze und hat dann ihren großen Auftritt. Ihr fragender Blick aus weit aufgerissenen Augen hat definitiv etwas Magisches.

Stoppi ist in beide Fräuleins verliebt. Sie zeigen ihm zwar offiziell noch die kalte Schulter, aber mir fällt doch immer auf, dass er ihnen verdächtig oft „im Weg steht“ und sie ihn „versehentlich“ streifen und schubsen. Ich bin sehr gespannt, was sich daraus noch entwickelt.

Olga und Ida, auf ihrer Wolke weiterhin fortwährend brunchend, lachen manchmal so laut über uns, dass ich sie hören kann. Ich vermisse sie sehr. Das ist okay, sagen die Fräuleins. Schließlich vermissen sie ihren früheren Menschen auch. Das ändert nichts daran, dass wir es schön miteinander haben. Sehr schön sogar.

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