Twitter gelöscht. Sie kennen das.

So. Ich habe es getan. Ich habe meinen Twitter-Account deaktiviert und die App, die plötzlich X hieß, von meinem Telefon gelöscht.

Und ich fühle: nichts.

Dann sind sie halt vorbei, die 11, 12 oder 13 glücklichen Jahre – ich weiß nicht mal mehr, wann ich aktiv mit dem Twittern angefangen habe. Der Account bestand da ja schon eine Weile, auch wenn ich nichts schrieb, sondern nur meiner damaligen Katzenbetreuerin folgte und, wenn ich mal nicht in Hamburg war, ihre Updates über Olga und Ida las. Da ich zunächst noch kein Smartphone hatte, buchte ich damals immer Hotels mit einem öffentlich zugänglichen Computer in der Lobby.

Mein erstes Smartphone erwarb ich Ende März 2012, Twitter war eine der ersten Apps, die ich dort installierte. Bis ich mich mit dem mobilen Absetzen von Tweets anfreundete, dauerte es aber noch eine Weile – was vielleicht auch mit dem beschissenen Billigsmartphone mit Mini-Display zu tun hatte. Twittern vom Laptop aus war so viel bequemer und ich war in meiner Freizeit wegen des Online-Datings ja ohnehin ständig am Rechner.

Wie lange das alles her ist bzw. wie weit es zurückliegt. Wie wichtig es mir war, bei Twitter immer alles mitzukriegen und nichts zu verpassen. Wie schwierig das tagsüber oft war, weil es damals noch absolut nicht üblich war, ständig sein Smartphone in der einen Hand zu halten, egal was die andere Hand gerade tat. Als es noch als unhöflich galt, in der Pause beim gemeinsamen Mittagessen seine Nachrichten zu checken. Als man im Theater sein Telefon noch wirklich ausschaltete und nicht nur – bestenfalls – stumm. Und dann manchmal in einer langweiligen Opernvorstellung echt litt, stundenlang, weil währenddessen auf Twitter das vermeintlich echte Leben tobte und gut ohne einen auskam.

Ich hatte wirklich viel Spaß auf Twitter. Einige der Menschen, mit denen ich dort verbunden war, habe ich auch privat getroffen – auch das war schön und bereichernd. Stabile Freundschaften sind aus diesen Bekanntschaften allerdings nicht geworden, aber das war auch nicht unbedingt mein erklärtes Ziel. Ich wollte Unterhaltung und Menschen, die über meine Witze lachen. Und ich fand es schön, dass immer jemand da war, tagsüber ebenso wie nachts.

Heute schlafe ich nachts idealerweise und falls nicht, dann spiele ich eben Online-Sudoku. In die sozialen Netzwerke schaue ich beim Wachliegen kaum, es lohnt sich nämlich im Allgemeinen nicht, weil alle anderen ja schlafen. Eine Nachtschicht in dem Sinne gibt es heute nicht mehr, auf keinem der Netzwerke, auf denen ich noch aktiv bin.

Twitter war schön und nun ist es vorbei. Es ändert sich halt alles im Leben und wir ändern uns mit. Ist okay, Leben, kein Ding, dann ist eben Schluss mit Twitter. Wer mich finden will, findet mich bei Mastodon oder im Blog. Wer mich nicht finden will, lässt es eben bleiben.

Noch immer fühle ich nichts. Auch egal.

Die Katzen sagen, es ist alles okay. Sie finden mich immer, wohin ich auch gehe. Und das ist schließlich das, worauf es ankommt. Sie kennen das.

 

 

 

 

1 Kommentar

  1. Congrats … denke ich. Mein Twitteraccount läuft noch. Und ich schau auch regelmäßig vorbei, was aber daran liegt, dass eben bestimmte Accounts schlicht nicht woanders zu finden sind. Deswegen ertrage ich den ganzen Mist, den sich Herr X nun ausdenkt, um Twitter, das ja nicht mehr Twitter heißt, endgültig zu zerstören. Lese und wundere mich, für was Accounts geblockt werden, während Hasstweets mehr und mehr durchgewunken und als „Is halt so“ deklariert und toleriert werden. Bis ich es irgendwann so gar nicht mehr aushalten werde, und auch den Lösch-Button finden muss. Oder X seine Spielwiese als langweilig einfach weiterverkauft und es wieder besser wird, falls es vorher nicht total verramscht wird.

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