Wie reich kann eine Katze sein?

Mein Interesse an Prominenten aller Art, TV-Talkshows und Haute Couture hält sich in Grenzen. In engen Grenzen. Ich kann weder Heidi Klum von Cindy Crawford unterscheiden noch einen Hermès-Schal von einer Chanel-Gürtelschnalle. Die neuesten Modetrends fallen mir normalerweise, wenn überhaupt, dann unangenehm auf. Weil ich zum Beispiel Hochwasserhosen, bunte Turnschuhe, die Sneakers heißen, und die Modefarbe Orange potthässlich finde.

Trotzdem war und ist mir der Name Karl Lagerfeld ein Begriff. Schließlich stammt dieser Promi ursprünglich aus Hamburg und ist vor vielen Jahren mal mit der Mutter einer meiner Schulfreundinnen zur Schule gegangen. Dann ging er nach Frankreich, wo er berühmt geworden ist, und außerdem weiß ich noch, dass er Olaf Scholz, den Hamburger Ex-Bürgermeister, wegen dessen Versäumnissen beim G20 nicht leiden konnte. Viel mehr wusste ich nicht von Karl Lagerfeld; sogar dass er vor einigen Jahren eine Katze adoptiert hat, war mir nicht bekannt.

Was aber den Menschen in meinem Umfeld, für die ich offenbar die Expertin für alle Katzenfelle äh – fälle bin, nicht klar sein dürfte. So viele Fragen und Kommentare zum Thema „Karl Lagerfeld ist tot – was wird aus seiner Katze Choupette?“, wie mich in den letzten Tagen erreicht haben, dürften selbst bei Google nicht eingegangen zu sein. Nicht mal annähernd. Zum Beispiel:

  • Trauert Choupette wirklich (also nicht nur bei Twitter, Facebook und Instagram) um ihren Menschen?
  • Ist Choupette die reichste Katze der Welt?
  • Darf eine Katze ein auf 300 Millionen geschätztes Vermögen erben?
  • Kann eine Katze eigene Werbeverträge haben und Tantiemen aus einer Acessoirs-Kollektion beziehen?
  • Sollte eine Katze Kreativdirektorin für Chanel werden?

Und so weiter und so fort. Ich finde vor allem die erste Frage interessant. Soweit ich weiß, hatte Karl Lagerfeld ein sehr enges Verhältnis zu seiner Katze, hat sie sehr verwöhnt und viel Zeit mit ihr verbracht. Das verbindet natürlich und ich bin ziemlich sicher, dass sie ihn vermisst. Andererseits hat sie ja auch noch anderes Personal, nämlich zwei Gesellschafterinnen und einen Bodyguard, also noch weitere Menschen, die ihr vertraut sind und ihre Bedürfnisse befriedigen. Und die sie hoffentlich jetzt trösten, wenn die Veränderung in ihrem Leben sie traurig macht.

Ob die Katze Choupette nun ohnehin schon reich ist oder jetzt noch reicher wird, finde ich erst in dem Moment interessant, in dem sie mit ihrem Geld etwas Sinnvolles macht. Ich meine, wie viele Catsticks und frische Katzenminze-Cocktails kann eine Katze denn konsumieren? Und was macht sie mit dem Rest ihres Vermögens? Unterstützt sie vielleicht andere Katzen, die in weniger glücklichen Umständen leben? Oder Hunde? Oder Kinder? Das wäre doch schön.

Hier kommt meine Frage:

Kann eine Katze eine Stiftung zugunsten von bedürftigen Katzen, Hunden oder Menschen einrichten? Helfen ihr ihre Gesellschafterinnen und ihr Bodyguard dabei? Oder braucht es dazu einen Vermögensberater und einen Steuerfachmann? Wäre eine „Choupette-Lagerfeld-Stiftung“ nicht eine tolle Sache, die auch zur medialen Unsterblichkeit beitrüge? Ob zur Vermittlung verwaister Haustiere, die sonst ins Tierheim müssten, an neue Menschen oder zur Unterstützung von Kindern, die sich keine Designermode und auch keinen Urlaub am Meer leisten können, oder zur politischen Bildung von Bürgern, die Gefahr laufen, einer rechtspopulistischen Partei auf den Leim zu gehen. Es gibt so viele Dinge, für die eine Katze von Welt ihr Geld auf sinnvolle Weise ausgeben könnte. Ohne auf Catsticks und gemütliche Plüschhöhlen zu verzichten natürlich, denn das kann man von einer Katze von Welt keinesfalls verlangen.

Im Ernst: Ich freue mich für Choupette, denn sie war und ist ein geliebtes Schoßkätzchen und sie ist abgesichert auch nach dem Tod ihres Menschen. Sie wird niemals hungrig und mit kalten Füßen auf der Straße nach Wurstbrotresten suchen müssen. Oder als ältere Katze mit kleinen oder größeren gesundheitlichen Einschränkungen im Tierheim sitzen und hoffen, dass sich noch einmal jemand in ihr flauschiges Fell und ihre wunderschönen blauen Augen verliebt.

Nicht jede Katze in meinem Umfeld ist so priviligiert – was im Allgemeinen nicht daran liegt, dass ihre Menschen nicht alles tun würden, damit es ihren vierbeinigen Freunden gut geht. Leider haben sie aber nicht alle ein kleines Vermögen zur Hand, um ihre Katzen für alle Zeiten und Eventualitäten abzusichern. Sie müssen also hübsch auf sich selbst aufpassen und dafür zu sorgen versuchen, dass sie da sein können, um ihre Katzen selbst zu versorgen. Egal wie alt und krank diese vielleicht mal werden.

Was wurde mir heute bei Twitter in die Timeline gespült?

‟Please don‘t drink and drive this weekend. Your cat won‘t understand why you never came home.”

(Ich gebe hier keinen Verfasser an, weil ich den Spruch schon mehrfach gelesen habe und nicht weiß, woher er ursprünglich stammt.)

Früher fand ich es immer etwas melodramatisch, wenn mir jemand, von dem ich wusste, wie sehr er an seinen verstorbenen Tieren gehangen hatte, sagte, er wolle kein neues Tier mehr – aus Angst, dass dieses Tier ihn vielleicht überlebt. Heute kann ich diese Entscheidung besser verstehen. Auch ich denke gelegentlich darüber nach, wie es meinen Katzen ergehen würde, wenn ich vor ihnen den Löffel abgeben müsste. Kann ich, muss ich etwas tun, um sicherzustellen, dass sie umsorgt und geliebt würden?

Zum Glück weiß ich, dass ich mich auf meinen Freund verlassen kann. Er würde sich selbstverständlich um meine Katzen kümmern – genauso, wie ich mich für seine Katzen zuständig fühlen würde, wenn er sie nicht mehr versorgen könnte. Soweit ist bei uns alles klar – aber was wäre, wenn nicht?

Es gibt so viele Möglichkeiten, Choupette Lagerfeld! Möglichkeiten, aus dem Schatten deines berühmten Daddys hervorzutreten und dein eigenes Ding zu machen. Ein gutes, sinnvolles Ding. Zum Wohle der Katzen- und der Menschheit. Denk doch mal drüber nach. Meine Katzen würden das großartig finden, dich unterstützen und dein Loblied singen – und viele andere Katzen auch.

3 Kommentare

  1. Ich las unlängst, die hätten zu Lebenzeiten von Karl die Katze alle vier Wochen zum Tierarzt geschleppt.

    Ich hoffe, Choupette hat nun die Macht – und alle Leute um sie herum haben so viel Verstand – diesen Irrsinn nun abzustellen! 🙂

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